
Powidltascherl sind mit aromatischem Zwetschgenmus gefüllte Teigtaschen, die in der österreichischen und böhmischen Küche seit Generationen auf den Tisch kommen. Der weiche Erdäpfelteig umhüllt eine würzig-süße Powidl-Füllung mit Zimt und einem Hauch Rum. Gewendet in gerösteten Butterbröseln und mit Staubzucker bestreut, sind sie eine herzhafte Mehlspeise – ideal als süßes Hauptgericht oder zum Dessert.
Zutaten für Powidltascherl
Für den Erdäpfelteig
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| mehlige Kartoffeln | 500 g | noch heiß durch die Presse gedrückt |
| Weizenmehl griffig | 130 g | plus etwas zum Ausrollen |
| Weichweizengrieß | 25 g | |
| Ei | 1 Stück | Größe M |
| Butter | 20 g | zimmerwarm |
| Salz | 1 Prise | |
| Muskatnuss | 1 Prise | frisch gerieben |
Für die Powidl-Füllung
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Powidl | 100 g | echter Zwetschgenpowidl ohne Geliermittel |
| Zimt | 1 TL | gemahlen |
| Rum | 1 EL | optional, Inländerrum oder Zwetschkenschnaps |
Für die Butterbrösel
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Butter | 40 g | |
| Semmelbrösel | 80 g | |
| Kristallzucker | 1 EL | |
| Staubzucker | 1 EL | zum Bestreuen |
Zubereitung
- Kartoffeln kochen: Mehlige Kartoffeln in Salzwasser mit Schale weich kochen, ca. 20-25 Minuten. Abgießen, kurz abkühlen lassen bis sie handwarm sind, dann schälen und sofort durch eine Kartoffelpresse drücken. Die Kartoffelmasse auf einem Brett oder in einer Schüssel flach ausbreiten und einige Minuten ausdampfen lassen – je trockener, desto besser wird der Teig.
- Erdäpfelteig kneten: Mehl, Grieß, Butter, Ei, Salz und Muskatnuss zu den noch warmen, gepressten Kartoffeln geben. Alles rasch zu einem glatten Teig verkneten. Wichtig: Nicht zu lange kneten – der Teig wird sonst zäh. Er soll weich und leicht klebrig sein. Ist der Teig zu feucht, löffelweise etwas Mehl einarbeiten. In Frischhaltefolie wickeln und 15 Minuten ruhen lassen.
- Füllung vorbereiten: Powidl mit Zimt und Rum verrühren. Der Powidl soll dickflüssig sein – ist er zu dünn, kurz in einem Topf einreduzieren, damit die Füllung beim Kochen nicht ausläuft.
- Teigtaschen formen: Den Erdäpfelteig auf einer bemehlten Arbeitsfläche auf ca. 3-4 mm Dicke ausrollen. Mit einem runden Ausstecher oder einem Glas Kreise von ca. 9 cm Durchmesser ausstechen. In die Mitte jedes Kreises einen Teelöffel Powidl-Füllung setzen. Die Ränder mit etwas Wasser bestreichen, dann die Teigtasche zu einem Halbmond zusammenklappen und die Ränder gut andrücken. Gut festdrücken, damit beim Kochen kein Powidl ausläuft.
- In Salzwasser kochen: Reichlich Salzwasser in einem großen Topf zum Sieden bringen – nicht sprudelnd kochen, nur leicht simmern. Die Powidltascherl portionsweise einlegen und 6-8 Minuten ziehen lassen, bis sie an der Oberfläche schwimmen und noch 1-2 Minuten weiterziehen. Mit einem Schaumlöffel herausheben und kurz abtropfen lassen.
- Butterbrösel rösten: Butter in einer Pfanne schmelzen. Semmelbrösel dazugeben und unter ständigem Rühren bei mittlerer Hitze goldbraun rösten. Kristallzucker einstreuen und kurz mitrösten. Die Pfanne vom Herd nehmen.
- Fertigstellen und servieren: Die abgetropften Powidltascherl direkt in der Pfanne mit den Bröseln wenden, bis alle Seiten gleichmäßig bedeckt sind. Auf Teller geben, großzügig mit Staubzucker bestäuben und sofort servieren – Powidltascherl schmecken am besten heiß.
Variationen
Die bekannteste Alternative zum Erdäpfelteig ist der Topfenteig: Statt Kartoffeln werden 200 g Topfen (Quark), 120 g Mehl, ein Ei und etwas Butter zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Der Topfenteig ist leichter und benötigt keine Kochzeit für Kartoffeln – ideal, wenn es schnell gehen soll. Er schmeckt etwas frischer und weniger rustikal als der Erdäpfelteig. Die Garzeit im Salzwasser verlängert sich leicht auf 7-9 Minuten.
Für eine nussigere Garnitur werden die Semmelbrösel mit 20 g fein geriebenen Walnüssen gemischt. Das gibt den fertigen Tascherl eine leicht bittere Note, die wunderbar zur süßen Füllung passt.
Wer kein Powidl zur Hand hat oder etwas Abwechslung möchte: Eine Topfen-Zimt-Füllung aus 150 g Topfen, 2 EL Kristallzucker, 1 EL Zitronenschale und 1 TL Zimt funktioniert sehr gut. Auch eine Mischung aus Powidl und feiner Nussfülle (geriebene Haselnüsse, Zucker, Zimt) ist beliebt.
Für eine pikante Variante wird der Powidl durch würzige Liptauer-Käsecreme ersetzt. Diese Variante ist weniger verbreitet, wird aber gelegentlich als leichte Vorspeise serviert.
Wer Schlutzkrapfen kennt, wird die Ähnlichkeit der Technik sofort erkennen – beim Formen und Kochen im Salzwasser unterscheiden sich die beiden kaum.
Womit werden Powidltascherl serviert?
Powidltascherl sind in der österreichischen Küche ein süßes Hauptgericht – sie werden also nicht als Dessert nach einem Fleischgericht serviert, sondern ersetzen dieses. Das ist in der Wiener Mehlspeistradition ganz selbstverständlich: Montag Schnitzel, Dienstag Powidltascherl.
Zum Trinken passt ein Glas kalte Vollmilch oder ein kräftiger schwarzer Kaffee. Wer es festlicher mag, reicht ein Glas stilles Wasser mit einem Spritzer Zitrone.
Als Garnitur reicht der Staubzucker völlig aus – wer möchte, gibt zusätzlich einen Klecks Sauerrahm oder einen Löffel Vanillekompott dazu. Besonders in der Herbst- und Wintersaison, wenn Zwetschgen verarbeitet werden, gehören Powidltascherl zu den beliebtesten Gerichten der österreichischen Hausmannskost. Wer die Brösel besonders aromatisch mag, röstet sie mit einem Zweig frischem Thymian an – das ist eine moderne Interpretation, die gut zur Zwetschgenfüllung passt.
Was ist Powidl?
Powidl ist nicht einfach gewöhnliches Pflaumenmus. Echter Powidl wird ausschließlich aus Zwetschgen hergestellt – ohne Zucker, ohne Geliermittel, ohne Farb- oder Konservierungsstoffe. Die Früchte werden stundenlang eingekocht und dabei kräftig gerührt, bis eine dunkelbraune, sehr dicke Masse entsteht. Nach österreichischem Standard muss Powidl einen Trockenmasse-Gehalt von mindestens 53 % aufweisen – das entspricht etwa 3 bis 5 kg Zwetschgen für 1 kg fertigen Powidl.
Das Ergebnis ist kräftig im Geschmack: leicht säuerlich, intensiv fruchtig, mit einer tiefen, fast karamelligen Note. Genau diese Intensität macht Powidl zur perfekten Füllung – er verliert beim Kochen nicht an Geschmack und läuft nicht aus.
Der Name stammt vom tschechischen „povidla“ und vom polnischen „powidła“. Im Wiener Dialekt ist „Das ist mir Powidl“ übrigens ein bekanntes Sprichwort – und bedeutet: Das ist mir völlig gleichgültig.
Wer keinen österreichischen Powidl bekommt: Im Handel gibt es ihn unter dem Namen Pflaumenmus, allerdings enthält dieser oft Zucker und ist weniger konzentriert. Am besten im Biohandel oder österreichischen Online-Shops nach echtem Powidl suchen – die Qualität macht beim Endresultat einen spürbaren Unterschied.
Tipps für den perfekten Erdäpfelteig
Nur mehligkochende Kartoffeln verwenden. Sie enthalten mehr Stärke als festkochende Sorten und ergeben eine trockenere, bindungsstärkere Masse. Festkochende Kartoffeln machen den Teig klebrig und schwer zu verarbeiten.
Kartoffeln noch heiß durch die Presse drücken. So verdunstet die Restfeuchte besser. Wer keine Kartoffelpresse hat: ein feines Sieb tut es auch, oder die Kartoffeln sehr fein zerstampfen. Klümpchen im Teig führen dazu, dass die Tascherl beim Kochen aufreißen.
Nicht zu viel Mehl. Der Teig soll weich und leicht klebrig sein – das ist normal. Zu viel Mehl macht ihn gummiartig. Nur dann mehr Mehl einarbeiten, wenn sich der Teig überhaupt nicht formen lässt.
Teig nicht zu lange kneten. Kurz und rasch zusammenfügen reicht. Anders als bei Hefeteig wird der Erdäpfelteig durch zu langes Kneten zäh.
Ränder fest andrücken. Die wichtigste Stelle ist der Rand der Teigtasche – er muss absolut dicht sein. Wer sichergehen will, drückt die Ränder zusätzlich mit einer Gabel zusammen.
Einfrieren und Aufwärmen
Powidltascherl lassen sich wunderbar auf Vorrat zubereiten. Am besten werden sie roh eingefroren: Die fertig geformten, noch ungekochten Tascherl auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech einzeln einfrieren (ca. 1 Stunde), dann in Gefrierbeutel umfüllen. So halten sie sich bis zu 3 Monate.
Zum Kochen müssen sie nicht aufgetaut werden – einfach direkt aus dem Gefrierschrank ins siedende Salzwasser geben und die Garzeit auf 10-12 Minuten verlängern.
Bereits gekochte Tascherl halten sich im Kühlschrank 1-2 Tage. Zum Aufwärmen am besten in einer Pfanne mit etwas Butter bei mittlerer Hitze erwärmen – im Ofen bei 160 °C ebenfalls möglich. Mikrowelle geht zwar, macht den Teig aber leicht gummiartig.
Die Geschichte der Powidltascherl
Powidltascherl gehören zur großen Tradition der böhmisch-österreichischen Mehlspeisküche – einem kulinarischen Erbe, das die Jahrhunderte der Habsburgermonarchie widerspiegelt. Wien war über Generationen das Zentrum dieser Küche: Böhmische, Wiener und ungarische Einflüsse vermischten sich zu einer Mehlspeis-Tradition, die heute noch lebendig ist. Gerichte wie Germknödel, Buchteln, Dalken und Liwanzen entstammen derselben Küchentradition – und Powidltascherl stehen mittendrin.
Die Zwetschge selbst hat tiefe Wurzeln in Mitteleuropa. Bereits im Frühmittelalter wurde Prunus domestica – die Kulturpflaume – im gesamten deutsch- und slawischsprachigen Raum angebaut. Der Powidl war ursprünglich ein Wintervorrat: Ohne Kühlung und ohne Konservierungsmittel hielt er sich monatelang, da das intensive Einkochen Wasser entzog und die natürliche Fruchtsäure das Mus haltbar machte. Das Einkochen war früher ein gemeinschaftliches Herbstereignis – stundenlanges Rühren am offenen Feuer, an dem die ganze Familie mitwirkte. Für 1 kg fertigen Powidl wurden bis zu 5 kg frische Zwetschgen benötigt – Powidl war damit ein kostbares Gut, das man nicht verschwendete.
In Böhmen und Mähren – dem heutigen Tschechien – nannte man dasselbe Produkt povidla, in Polen powidła. Mit der böhmischen Einwanderungswelle im 19. Jahrhundert gelangten zahlreiche Rezepte in die Wiener Küche, darunter auch die Teigtaschen mit Powidl-Füllung. Die Gerichte wurden von der Wiener Bevölkerung begeistert aufgenommen und schnell als Teil der eigenen Küche betrachtet.
Die Teigtaschen selbst entstammen der gleichen Tradition wie Apfelstrudel und andere Mehlspeisen: einfache Zutaten, die mit Handwerk zu etwas Köstlichem werden. Berühmt wurde der Name Powidl auch durch das Lied „I bin a Strizzi“ von Hermann Leopoldi (1949), das Peter Alexander 1967 populär machte – darin bezeichnet das Wort die Gleichgültigkeit des Wieners, ein Sprichwort das bis heute gilt.
Was ist ein Powidltascherl?
Powidltascherl (auch Powidltatschkerl oder Powidldatschgerl) sind mit Powidl gefüllte Teigtaschen aus der österreichischen und böhmischen Küche. Der Teig besteht klassischerweise aus gekochten, mehligen Kartoffeln (Erdäpfeln), Mehl, Grieß, Ei und Butter. Die fertigen Tascherl werden in Salzwasser gegart, in gerösteten Butterbröseln gewendet und mit Staubzucker bestreut serviert. Sie gelten als typisches süßes Hauptgericht – eine sogenannte Mehlspeise.
Was sind Powidltatschkerl - ist das dasselbe wie Powidltascherl?
Ja, Powidltatschkerl und Powidltascherl sind dasselbe Gericht – nur unterschiedliche Schreibweisen und Aussprachen. Im Wiener Dialekt sagt man Powidltatschkerln, die hochdeutschere Form ist Powidltascherl. Auch Powidldatschgerl ist eine verbreitete Dialektvariante. Alle Namen bezeichnen die gleichen mit Powidl gefüllten Kartoffelteig-Tascherl.
Was versteht man unter Powidl?
Powidl ist ein sehr dickflüssiges Zwetschgenmus aus ausschließlich Zwetschgen, ohne Zucker und ohne Geliermittel. Er wird durch mehrstündiges Einkochen hergestellt, bis eine dunkle, konzentrierte Masse entsteht. Nach österreichischem Standard muss Powidl einen Trockenmassegehalt von mindestens 53 % aufweisen. Der Name kommt vom tschechischen povidla und polnischen powidla. Im Handel ist er manchmal als Pflaumenmus erhältlich, echter Powidl ist aber intensiver und weniger süß.
Warum reißen meine Powidltascherl beim Kochen auf?
Das passiert aus zwei Gründen: Entweder ist der Teig zu trocken und zu fest (dann reißt er beim Kochen), oder die Ränder wurden nicht sorgfältig genug verschlossen. Für dichte Ränder die Teigkante mit etwas Wasser bestreichen und kräftig andrücken – wer ganz sicher gehen will, drückt zusätzlich mit einer Gabel nach. Außerdem darauf achten, dass das Wasser nur simmert und nicht sprudelnd kocht, da starkes Kochen die Tascherl beschädigen kann.
Was ist der Unterschied zwischen Erdäpfelteig und Topfenteig bei Powidltascherl?
Erdäpfelteig ist die traditionelle Variante: Er besteht aus gekochten, gepressten Kartoffeln und ist kräftiger, etwas rustikaler im Geschmack und sehr weich in der Textur. Die Zubereitung dauert länger, weil die Kartoffeln erst gekocht werden müssen. Topfenteig (mit Quark) ist die modernere, schnellere Alternative: Er ist etwas leichter, frischer im Geschmack und braucht keine Vorbereitungszeit. Beide Varianten schmecken hervorragend – es ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Kann ich Powidltascherl vorbereiten und einfrieren?
Ja, sehr gut sogar. Am besten werden die fertig geformten, noch ungekochten Tascherl eingefroren: Auf einem Blech einzeln anfrieren, dann in Gefrierbeutel umfüllen – so halten sie bis zu 3 Monate. Zum Kochen direkt aus dem Gefrierschrank ins siedende Salzwasser geben und die Garzeit auf 10-12 Minuten verlängern. Bereits gekochte Tascherl halten sich im Kühlschrank 1-2 Tage und können in der Pfanne mit Butter wieder aufgewärmt werden.