
Crème Anglaise ist die klassische französische Vanillesauce – ohne Speisestärke, nur durch Eigelb gebunden. Das Ergebnis ist eine seidig-flüssige Sauce mit intensivem Vanillearoma, die sich über Desserts gießen lässt oder als Basis für Eis und Bayerische Creme dient. Wer sie einmal so gemacht hat, versteht warum sie die Grundlage der gehobenen Patisserie ist.
Zutaten für Crème Anglaise
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Vollmilch | 250 ml | |
| Sahne | 150 ml | mind. 30% Fett |
| Vanilleschote | 1 Stück | |
| Eigelb | 4 Stück | Gr. M, zimmerwarm |
| Zucker | 60 g |
Zubereitung
- Vanille vorbereiten: Die Vanilleschote mit einem scharfen Messer längs aufschneiden. Das Vanillemark mit dem Messerrücken herausschaben. Mark und ausgekratzte Schote in einen kleinen Topf geben.
- Milch erhitzen: Vollmilch und Sahne zur Vanilleschote in den Topf geben. Bei mittlerer Hitze langsam auf etwa 80°C erhitzen – es darf nicht sprudelnd kochen, nur leicht dampfen. Topf vom Herd nehmen und die Vanille 5 Minuten ziehen lassen.
- Eigelb aufschlagen: Eigelbe und Zucker in einer Schüssel mit einem Schneebesen kräftig schaumig aufschlagen, bis die Masse hell und leicht cremig wird. Dieser Schritt dauert etwa 2 Minuten.
- Temperieren: Die heiße Milch-Sahne-Mischung durch ein feines Sieb in einen Messbecher abgießen (Schote entfernen). Etwa ein Drittel der heißen Flüssigkeit in einem dünnen Strahl unter ständigem Rühren zur Eigelb-Zucker-Masse geben. Erst wenn die Masse temperiert ist, den Rest zugießen und alles verrühren. Dieser Schritt verhindert, dass das Eigelb gerinnt.
- Zur Rose abziehen: Die Masse zurück in den Topf geben. Bei mittlerer bis niedriger Hitze unter ständigem Rühren mit einem Holzlöffel oder Gummischaber erhitzen – nie aufhören zu rühren. Die Temperatur langsam auf 82-84°C bringen. Die Sauce ist fertig, wenn sie den Löffelrücken überzieht: Finger über den beschichteten Löffelrücken ziehen – bleibt die Linie klar stehen, ist die Crème Anglaise fertig. Das nennt man in der Fachsprache „à la nappe“.
- Abkühlen: Die fertige Crème Anglaise sofort durch ein feines Sieb in eine saubere Schüssel gießen. Die Oberfläche direkt mit Frischhaltefolie abdecken, damit sich keine Haut bildet. Im Kühlschrank abkühlen lassen oder für sofortigen Genuss in einer Eiswasser-Schüssel rasch runterkühlen.
Was ist Crème Anglaise – und was unterscheidet sie von Vanillesauce?
Crème Anglaise bedeutet übersetzt „englische Creme“ – eine von vielen kleinen kulinarischen Ironien, denn die Sauce ist fest in der französischen Hochküche verankert. Die Wurzeln reichen ins 16. Jahrhundert zurück, und heute gilt sie als eine der Grundsaucen der Patisserie.
Der entscheidende Unterschied zu der in Deutschland verbreiteten Vanillesauce: Crème Anglaise enthält keine Speisestärke. Sie bindet ausschließlich durch die Gerinnung der Eigelbe beim Erhitzen. Das Ergebnis ist eine seidig-flüssige Sauce mit einem sehr reinen, intensiven Geschmack – kein stärketypisches Mehlgefühl, nur Vanille, Ei und Sahne.
Die meisten deutschen Vanillesaucen-Rezepte nutzen Speisestärke als schnelle Bindung. Das funktioniert gut und ist stabiler, aber es ist keine Crème Anglaise. Wer die Sauce als Basis für Eis oder Bayerische Creme verwenden möchte, kommt an der stärkefreien Version nicht vorbei – Stärke würde die Textur der Enddesserts beeinträchtigen.
Wozu passt Crème Anglaise?
Die Einsatzmöglichkeiten sind breiter als die meisten ahnen. Als warme oder leicht abgekühlte Sauce ist sie die perfekte Begleitung zu Dampfnudeln – das ist in Bayern eine der großen Kombinationen. Über einen warmen Apfelcrumble gegossen, verbindet sie die Knusprigkeit des Streusels mit der weichen Frucht auf eine Art, die kein Sahneklecks erreicht.
Weitere Verwendungen: zu Schokoladendesserts wie Mousse au Chocolat oder einem warmen Fondant, zu Île flottante (den französischen Schneeeiern), zu frischen oder gekochten Früchten, über Pudding, zu Lebkuchen oder Nussdesserts im Herbst. Und als Basis: Crème Anglaise in der Eismaschine = Vanilleeis. Mit Gelatine und geschlagener Sahne aufgemontiert = Bayerische Creme.
Tipps für die perfekte Crème Anglaise
Thermometer verwenden: Die kritische Grenze liegt bei 85°C – ab dort flockt das Eigelb aus und die Sauce wird körnig. Ein Küchenthermometer nimmt das Rätselraten heraus. Zieltemperatur: 82-84°C.
Nie aufhören zu rühren: Sobald die temperierte Masse im Topf ist, ununterbrochen mit einem Holzlöffel oder Gummischaber rühren – auch am Topfboden und in den Ecken. Ein einziger Moment Pause und die Masse brennt an.
Eigelb und Zucker sofort verrühren: Zucker direkt auf Eigelb streuen und sofort aufschlagen. Liegt Zucker länger ungerührt auf dem Eigelb, „verbrennt“ er es chemisch – das Ergebnis sind körnige Klümpchen, die sich nicht mehr auflösen.
Eiswasser-Bad für schnelles Stoppen: Die Creme muss nach dem Kochen sofort gestoppt werden. Einen größeren Topf oder eine Schüssel mit Eiswasser bereitstellen – die Schüssel mit der Crème Anglaise einfach hineinstellen, weiterrühren bis die Temperatur unter 50°C fällt.
Rettung bei leichtem Ausflocken: Sofort vom Herd, kräftig mit dem Schneebesen aufschlagen, durch ein feines Sieb streichen. Wenn die Sauce noch nicht zu weit gegangen ist, hilft manchmal ein kurzes Mixen mit dem Stabmixer – die Textur wird wieder glatt.
Variationen
Schokoladen-Version: 50-60 g dunkle Kuvertüre fein hacken und in die heiße, fertige Crème Anglaise einrühren. Die Schokolade schmilzt vollständig und ergibt eine seidig-dunkle Sauce, die hervorragend zu Vanilleeis oder Profiteroles passt.
Kaffee-Version: Zwei Esslöffel frisch gemahlenen Espresso oder 4-5 Kaffeebohnen mit der Milch erhitzen und 10 Minuten ziehen lassen, dann absieben. Das Ergebnis ist eine Kaffeesauce mit dem gleichen cremigen Charakter – klassisch zu Île flottante.
Gewürzte Variante: Eine Zimtstange oder 2-3 Kardamomkapseln zusammen mit der Vanille in die Milch geben. Besonders schön zu Apfeldesserts und Lebkuchen.
Mit Alkohol: Nach dem Abkühlen 1-2 EL Grand Marnier, Rum oder Amaretto einrühren. Den Alkohol erst in die erkaltete Sauce geben – Hitze treibt das Aroma heraus.
Vegane Version: Vollmilch durch Hafermilch, Sahne durch Kokosmilch ersetzen. Das Ergebnis ist etwas dünner, da Hafermilch weniger Fett enthält – dafür trägt Kokosmilch ein leichtes Kokosaroma bei, das gut zu exotischen Desserts passt. Die Bindekraft der Eigelbe bleibt erhalten.
Aufwärmen und Lagerung
Crème Anglaise hält sich abgedeckt im Kühlschrank 3-4 Tage. Wichtig: die Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche legen, damit sich keine Haut bildet.
Einfrieren: Ja, Crème Anglaise lässt sich einfrieren. In einem luftdichten Behälter bis zu 2 Monate. Zum Auftauen über Nacht in den Kühlschrank stellen, dann vorsichtig im Topf bei niedriger Hitze unter Rühren erwärmen.
Aufwärmen: Im Topf bei niedriger Hitze und unter ständigem Rühren. Nie kochen lassen – die Temperatur darf 80°C nicht überschreiten, sonst flockt die Sauce aus. Alternativ im Wasserbad aufwärmen: Schüssel über heißem (nicht siedendem) Wasser und rühren bis die Sauce wieder flüssig und warm ist.
Wie macht man Vanillesauce zu Hause?
Eigelbe mit Zucker schaumig aufschlagen. Milch und Sahne mit einer ausgekratzten Vanilleschote auf 80°C erhitzen, dann langsam zu den Eigelben geben (temperieren). Die Masse zurück in den Topf und unter ständigem Rühren auf 82-84°C erhitzen, bis die Sauce den Löffelrücken überzieht. Durch ein Sieb in eine Schüssel gießen und abkühlen lassen. Das ist die echte Crème Anglaise ohne Speisestärke.
Was ist der Unterschied zwischen Crème Anglaise und Vanillesauce?
Crème Anglaise bindet ausschließlich durch Eigelb – keine Speisestärke, kein Mehl. Das Ergebnis ist eine seidig-flüssige Sauce mit sehr reinem Geschmack. Deutsche Vanillesauce-Rezepte verwenden meist Speisestärke als Bindung, was stabiler und einfacher ist, aber eine andere Textur ergibt. Für Eis, Bayerische Creme oder andere Desserts auf Crème-Anglaise-Basis muss die stärkefreie Version verwendet werden.
Kann man Vanillesauce einen Tag vorher zubereiten?
Ja, das ist sogar empfehlenswert. Die Crème Anglaise kann bis zu 3-4 Tage vorher gekocht und abgedeckt im Kühlschrank aufbewahrt werden. Die Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche legen, damit sich keine Haut bildet. Vor dem Servieren im Topf bei niedriger Hitze vorsichtig erwärmen.
Wie kann man Vanillesauce andicken?
Crème Anglaise wird ausschließlich durch die Gerinnung der Eigelbe dick – durch längeres Rühren bei 82-84°C. Wer eine dickere Sauce will, kann etwas Speisestärke (1-2 TL in kalter Milch aufgelöst) einrühren – dann ist es allerdings keine echte Crème Anglaise mehr, sondern eine hybride Vanillesauce. Eine weitere Option: mehr Eigelbe (5-6 statt 4) erhöhen die Bindekraft.
Warum flockt meine Crème Anglaise aus?
Das passiert wenn die Sauce über 85°C erhitzt wird – dann gerinnt das Eigelb. Lösung: sofort vom Herd, kräftig aufschlagen und durch ein feines Sieb streichen. Ein Stabmixer hilft bei leichtem Ausflocken. Für die Zukunft: Küchenthermometer verwenden und die Hitze nach dem Temperieren auf niedrig schalten. Ständiges Rühren ist Pflicht.
Kann man Crème Anglaise einfrieren?
Ja. In einem luftdichten Behälter hält sie sich bis zu 2 Monate im Tiefkühler. Über Nacht im Kühlschrank auftauen lassen, dann im Topf bei niedriger Hitze unter Rühren vorsichtig erwärmen. Nicht zu stark erhitzen, damit die Sauce nicht ausflockt.
Kann man aus Vanilleeis Vanillesauce machen?
Ja, das geht als schnelle Lösung: Vanilleeis bei Zimmertemperatur schmelzen lassen oder vorsichtig in einem kleinen Topf bei niedriger Hitze schmelzen. Das Ergebnis ist eine süße, cremige Sauce mit Vanillegeschmack – allerdings mit einem höheren Zuckergehalt und einer anderen Textur als echte Crème Anglaise, da Eis zusätzlich Luft und Emulgatoren enthält.
Wie lange hält Crème Anglaise im Kühlschrank?
Abgedeckt im Kühlschrank 3-4 Tage. Die Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche der Sauce legen, damit sich keine Haut bildet. Vor dem Verwenden kurz aufschlagen oder umrühren, da sich die Sauce beim Lagern leicht setzt.