Lammkeule mit Kräutern

Eine Lammkeule mit Kräutern aus dem Ofen ist ein Hauptgericht, das im Norden Deutschlands oft auf den Tisch kommt – traditionell mit friesischem Salzwiesenlamm. Rosmarin, Thymian und Knoblauch geben dem Fleisch eine kräftige, aromatische Note. Bei 180 Grad geschmort und mit einer Rotweinsauce serviert, gelingt die Keule butterzart und rosa.

Zutaten für Lammkeule mit Kräutern

Zutaten für Portionen

ZutatMengeHinweise
Lammkeule1,8 kgmit Knochen, ideal Salzwiesenlamm
Knoblauch4 Zehenlängs halbiert
Rosmarin4 Zweigefrisch
Thymian6 Zweigefrisch
Bohnenkraut1 Zweigfrisch, optional
Olivenöl6 ELkaltgepresst
Meersalz2 TLgrob
schwarzer Pfeffer1 TLfrisch gemahlen
Zwiebeln2 Stückgrob gewürfelt
Möhren2 Stückgrob gewürfelt
Tomatenmark2 EL
Rotwein300 mltrocken, z.B. Spätburgunder
Lammfond400 mlalternativ Rinderfond
Butter2 ELzum Anbraten

Zubereitung

  1. Fleisch akklimatisieren: Die Lammkeule mindestens eine Stunde vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen. Das Fleisch sollte Zimmertemperatur haben, sonst wird das Garen ungleichmäßig.
  2. Kräuter vorbereiten: Die Knoblauchzehen schälen und längs halbieren. Rosmarin und Thymian von einigen Zweigen die Nadeln und Blättchen abzupfen und grob hacken, andere Zweige im Ganzen lassen.
  3. Lammkeule einritzen: Mit einem spitzen Messer auf der Oberseite der Keule etwa zwölf schräge Einschnitte machen, knapp einen Zentimeter tief. In jeden Einschnitt eine halbe Knoblauchzehe und ein paar Kräuternadeln stecken.
  4. Würzen und marinieren: Die Keule rundum mit Meersalz und Pfeffer einreiben. Mit zwei Esslöffeln Olivenöl bestreichen und die gehackten Kräuter darüber verteilen. Wer Zeit hat, lässt das Fleisch eine Stunde bei Zimmertemperatur ziehen.
  5. Ofen vorheizen: Den Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen.
  6. Bratgemüse vorbereiten: Zwiebeln und Möhren schälen und in grobe Würfel schneiden. Sie kommen später in den Bräter und liefern Geschmack für die Sauce.
  7. Keule scharf anbraten: Die Butter und das restliche Olivenöl in einem schweren Bräter erhitzen. Die Lammkeule rundum kräftig anbraten, bis sie eine schöne Bräune hat. Das dauert etwa acht bis zehn Minuten.
  8. Sauce ansetzen: Die Keule kurz herausnehmen. Zwiebeln und Möhren im Bratfett anrösten, das Tomatenmark zugeben und kurz mitrösten. Mit dem Rotwein ablöschen und einmal aufkochen lassen, dann den Fond angießen.
  9. Im Ofen schmoren: Die Keule zurück in den Bräter setzen, die restlichen Kräuterzweige darauf legen. Den Bräter ohne Deckel in den vorgeheizten Ofen schieben und etwa zwei Stunden schmoren. Alle 30 Minuten mit dem Bratenfond übergießen.
  10. Kerntemperatur prüfen: Nach etwa 1 Stunde 45 Minuten mit einem Fleischthermometer die Kerntemperatur messen. Für rosa Fleisch sind 58 bis 60 Grad ideal, für medium 62 bis 65 Grad, für durchgegart 70 bis 75 Grad.
  11. Ruhen lassen: Die Lammkeule aus dem Bräter heben, in Alufolie wickeln und 15 Minuten ruhen lassen. So verteilen sich die Fleischsäfte gleichmäßig.
  12. Sauce vollenden: Den Bratenfond durch ein Sieb in einen Topf gießen, die Sauce auf die gewünschte Konsistenz einkochen lassen und mit kalter Butter binden. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  13. Anrichten: Die Lammkeule quer zur Faser in fingerdicke Scheiben tranchieren. Mit der Rotweinsauce und Beilagen nach Wahl servieren.

Friesisches Salzwiesenlamm – was es besonders macht

An der Nordseeküste, auf den Halligen und Deichen Schleswig-Holsteins und Niedersachsens grasen Schafe auf salzhaltigen Marschwiesen. Das Fleisch dieser Tiere, oft als Salzwiesenlamm oder Deichlamm bezeichnet, hat einen mild-aromatischen Eigengeschmack mit einer feinen, leicht würzigen Note. Die Schafe fressen Strandflieder, Andelgras und andere salztolerante Pflanzen, was sich im Aroma widerspiegelt. Wer eine friesische Lammkeule mit Kräutern zubereiten möchte, bekommt das Fleisch direkt beim Erzeuger an der Küste oder im Bio-Fachhandel. Das Salzwiesenlamm trägt eine geschützte geografische Angabe der EU und ist saisonal im Frühling und Sommer am besten verfügbar.

Die richtige Kerntemperatur für die Lammkeule

Die Garstufe entscheidet maßgeblich darüber, wie zart und saftig das Fleisch wird. Ein Fleischthermometer ist die zuverlässigste Methode, um den richtigen Punkt zu treffen. Bei der Lammkeule mit Knochen wird das Thermometer in die dickste Stelle gesteckt, ohne den Knochen zu berühren.

Rosa (medium rare): 56 bis 58 Grad – das Fleisch ist innen rosa, sehr saftig und schmeckt fein. Klassisch für Lamm.
Medium rosa: 58 bis 62 Grad – leicht rosa Kern, fester Biss, der gängigste Garpunkt.
Medium durch: 63 bis 68 Grad – kaum noch rosa, deutlich fester.
Durchgegart: 70 bis 75 Grad – vollständig durchgebraten, für Gäste, die kein rosa Fleisch mögen.

Nach dem Ruhen steigt die Kerntemperatur um etwa zwei Grad weiter, daher die Keule zwei Grad vor dem Zielwert aus dem Ofen nehmen.

Variationen der Lammkeule mit Kräutern

Wer eine kräftigere Kräuterkruste mag, verarbeitet Rosmarin, Thymian, Knoblauch, Olivenöl und einen Esslöffel Senf zu einer Paste und bestreicht damit die ganze Keule. Mediterran wird das Gericht mit zusätzlichem Oregano und einem Schuss Weißwein statt Rotwein. Eine orientalische Variante setzt auf Kreuzkümmel, Koriander und Minze. Wer Zeit mitbringt, probiert die provenzalische Sieben-Stunden-Methode aus: Bei 130 Grad gart die Keule sieben Stunden im geschlossenen Bräter und wird so weich, dass sich das Fleisch mit dem Löffel vom Knochen löst. Eine weitere Option ist die Niedrigtemperatur-Methode bei 80 Grad, bei der die Keule sechs bis acht Stunden gart – das Ergebnis ist besonders gleichmäßig rosa.

Wer lieber ein anderes Stück Lamm zubereitet, findet bei uns auch ein Rezept für Lammschulter, die französische Variante Gigot d’Agneau oder ein zartes Lammfilet mit Metaxa-Sauce.

Beilagen zur Lammkeule

Klassisch wird die Lammkeule mit Kräutern mit Kartoffeln serviert. Gratin Dauphinois nimmt das Aroma der Sauce wunderbar auf, ein cremiges Erdäpfelpüree rundet das Gericht weich ab und Kartoffelgratin mit Käse passt für rustikalere Tafeln. Friesisch wäre ein Bohneneintopf mit weißen Bohnen, Speck und Bohnenkraut als Beilage. Grüne Bohnen, Zuckerschoten oder ein Ratatouille bringen Farbe auf den Teller. Auch karamellisierte Schalotten oder geschmorter Rotkohl harmonieren gut mit dem kräftigen Lammaroma.

Welcher Wein passt zur Lammkeule mit Kräutern?

Lamm verlangt nach einem körperreichen Rotwein, der die kräftigen Kräuter und das aromatische Fleisch tragen kann. Ein Bordeaux Médoc oder Saint-Émilion auf Cabernet-Sauvignon-Basis ist die klassische französische Wahl. Aus dem südlichen Rhônetal passt ein Châteauneuf-du-Pape mit seiner würzigen Note hervorragend. Wer deutschen Wein bevorzugt, greift zu einem reifen Spätburgunder aus der Pfalz oder vom Kaiserstuhl. Auch ein italienischer Brunello di Montalcino oder ein spanischer Rioja Reserva sind ideale Begleiter. Den Wein etwa eine halbe Stunde vor dem Servieren öffnen, damit er sich entfalten kann.

Geschichte und Tradition der Lammkeule

Lamm gehört zu den ältesten domestizierten Fleischsorten der Menschheit. Schafe wurden bereits vor rund 10.000 Jahren im Vorderen Orient gehalten. In Mitteleuropa war Lamm lange Zeit Festtagsessen, vor allem zu Ostern: Das Lamm symbolisiert in der christlichen Tradition Christus und geht zurück auf das jüdische Pessachfest. In der französischen Küche ist die Gigot d’agneau ein Sonntagsbraten, dessen Name vom alten Musikinstrument Gigue stammt, das eine ähnliche Form hat. Der provenzalische Koch Charles Durand prägte im 19. Jahrhundert das siebenstündige Schmorlamm. In Norddeutschland hat das Salzwiesenlamm eine eigene Tradition, die eng mit der Deichlandschaft und der Schafhaltung als Mittel zur Deichpflege verbunden ist.

Lammkeule richtig tranchieren

Nach der Ruhezeit kommt das Anschneiden. Die Keule wird mit dem Knochen nach unten auf das Brett gelegt. Mit einem langen, scharfen Tranchiermesser werden die Scheiben quer zur Faser geschnitten – so wird das Fleisch besonders zart. Die Scheiben sollten etwa einen halben Zentimeter dick sein. Wer die Keule am Knochen serviert, schneidet die Scheiben direkt am Knochen entlang ab. Reste vom Vortag schmecken kalt auf Vollkornbrot mit Senf, fein gewürfelt in einem Lammragout oder als Füllung für ein Pita-Brot mit Tzatziki.


Wie lange braucht eine Lammkeule mit Knochen im Ofen?

Eine Lammkeule mit Knochen von 1,8 kg braucht bei 180 Grad Ober- und Unterhitze etwa 2 Stunden. Pro Kilogramm rechnet man rund eine Stunde Garzeit. Wer Niedrigtemperatur garen möchte, plant bei 80 Grad sechs bis acht Stunden ein. Entscheidend ist die Kerntemperatur, nicht die Uhr.

Bei welcher Kerntemperatur ist die Lammkeule gar?

Für rosa Lammfleisch sind 58 bis 62 Grad ideal, für medium 62 bis 65 Grad und für durchgegart 70 bis 75 Grad. Das Fleisch sollte zwei Grad vor dem Zielwert aus dem Ofen kommen, da die Temperatur während der Ruhezeit noch nachsteigt.

Wie wird die Lammkeule besonders zart?

Drei Faktoren machen den Unterschied: erstens das Fleisch vor dem Garen auf Zimmertemperatur bringen, zweitens scharf anbraten für Röstaromen und drittens nach dem Garen in Alufolie 15 Minuten ruhen lassen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, gart bei Niedrigtemperatur.

Lammkeule mit oder ohne Knochen kaufen?

Mit Knochen bleibt das Fleisch saftiger und entwickelt mehr Aroma, weil der Knochen Geschmack abgibt. Ohne Knochen lässt sich die Keule leichter tranchieren und gleichmäßiger garen. Für klassische Sonntagsbraten ist die Variante mit Knochen die bessere Wahl, für schnelle Zubereitung die ausgelöste.

Sollte man die Lammkeule beim Braten abdecken?

Beim klassischen Braten bei 180 Grad bleibt die Keule offen, damit sich eine knusprige Kruste bildet. Erst wenn die Oberfläche zu dunkel wird, deckt man sie mit Alufolie ab. Bei der Sieben-Stunden-Methode bei 130 Grad kommt der Bräter dagegen mit Deckel in den Ofen.

Wie lange muss die Lammkeule marinieren?

Eine Stunde bei Zimmertemperatur reicht, damit die Kräuter ihr Aroma abgeben. Wer mehr Tiefe möchte, mariniert die Keule am Vorabend im Kühlschrank und nimmt sie eine Stunde vor dem Garen heraus. Bei längerer Marinade mit Säure (Wein oder Zitrone) bleibt das Fleisch besonders zart.

Kann ich die Lammkeule am Vortag vorbereiten?

Das Würzen und Einreiben mit Kräutern und Öl funktioniert am Vortag sehr gut. Die Keule wird abgedeckt in den Kühlschrank gestellt und am nächsten Tag rechtzeitig herausgenommen. Komplett vorgaren empfiehlt sich nicht – das Fleisch verliert beim Aufwärmen Saft.

Was macht das Salzwiesenlamm aus Friesland besonders?

Das Fleisch der Schafe von den Nordseedeichen und Halligen hat einen mild-aromatischen Geschmack, der durch die salztoleranten Pflanzen wie Strandflieder und Andelgras geprägt ist. Salzwiesenlamm ist EU-geschützt und wird vor allem im Frühling und Sommer angeboten. Die Tiere wachsen langsamer, das Fleisch ist dadurch feiner strukturiert.