Lammschulter – Épaule d’Agneau

Eine langsam geschmorte Lammschulter ist eines der schönsten Gerichte der französischen Küche. Die Épaule d’Agneau braucht Zeit im Ofen – doch die gibt sie mit zartem, saftigem Fleisch zurück, das regelrecht vom Knochen fällt. Rosmarin, Thymian, Knoblauch und ein guter Weißwein sorgen dabei für ein tiefes, aromatisches Schmorgericht, das sich perfekt für Ostern, Feiertage oder ein entspanntes Sonntagsessen eignet. Das Beste: Die meiste Arbeit erledigt der Ofen.

Zutaten für Lammschulter – Épaule d’Agneau

Zutaten für Portionen

ZutatMengeHinweise
Lammschulter1.5 kgmit Knochen, beim Metzger vorbestellen
Knoblauchzehen6 Stück4 davon zum Spicken, 2 grob gehackt
Rosmarin3 Zweigfrisch
Thymian4 Zweigfrisch
Lorbeerblatt1 Stück
Karotten2 Stückmittelgroß, grob gewürfelt
Zwiebeln2 Stückgrob gewürfelt
Staudensellerie2 Stangenin Stücke geschnitten
Tomatenmark2 EL
Weißwein200 mltrocken, z. B. Côtes du Rhône Blanc
Lammfond400 mloder Kalbsfond
Olivenöl3 EL
Salz und schwarzer Pfefferfrisch gemahlen, nach Geschmack

Zubereitung

  1. Ofen vorheizen: Den Ofen auf 160 °C Umluft (oder 180 °C Ober-/Unterhitze) vorheizen. Die Lammschulter aus dem Kühlschrank nehmen und mindestens 30 Minuten auf Raumtemperatur bringen – das sorgt für gleichmäßiges Garen.
  2. Fleisch spicken und würzen: Vier Knoblauchzehen schälen und in dünne Stifte schneiden. Mit einem spitzen Messer etwa 12 kleine Einschnitte in die Lammschulter stechen und je einen Knoblauchstift sowie ein kleines Rosmarinblättchen hineinstecken. Das Fleisch rundherum großzügig mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer einreiben.
  3. Anbraten: Das Olivenöl in einem schweren Bräter (idealerweise aus Gusseisen) bei starker Hitze erhitzen. Die Lammschulter von allen Seiten scharf anbraten, bis sie eine kräftige braune Kruste hat – das dauert insgesamt 8 bis 10 Minuten. Das Fleisch herausnehmen und beiseitelegen.
  4. Aromaten anschwitzen: Die Hitze auf mittlere Stufe reduzieren. Zwiebeln, Karotten, Sellerie und die zwei gehackten Knoblauchzehen in den Bräter geben und 5 Minuten anschwitzen. Das Tomatenmark einrühren und 2 Minuten mitrösten, bis es leicht dunkler wird – das gibt dem Schmorjus Tiefe.
  5. Ablöschen und Schmorfond aufbauen: Mit dem Weißwein ablöschen und die Röstaromen vom Boden des Bräters mit einem Holzlöffel lösen. Den Lammfond angießen, aufkochen und einmal kurz aufwallen lassen. Thymian, Rosmarin und Lorbeerblatt einlegen.
  6. Im Ofen schmoren: Die Lammschulter zurück in den Bräter legen. Die Flüssigkeit sollte das Fleisch zu etwa einem Drittel bedecken. Den Deckel auflegen und im vorgeheizten Ofen 2 Stunden und 30 Minuten schmoren. Nach der Hälfte der Zeit die Schulter wenden und mit dem Schmorsud begießen.
  7. Garprobe und Sauce reduzieren: Das Fleisch ist fertig, wenn es sich mit einer Gabel mühelos teilen lässt und ein eingestochenes Fleischthermometer mindestens 85 °C anzeigt. Die Schulter aus dem Bräter nehmen und mit Alufolie abgedeckt 10 Minuten ruhen lassen. Den Schmorsud durch ein feines Sieb passieren und in einem kleinen Topf bei starker Hitze auf die gewünschte Konsistenz einkochen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  8. Anrichten: Die Lammschulter ganz auf einer vorgewärmten Platte anrichten oder mit zwei Gabeln in grobe Stücke zupfen. Die reduzierte Sauce darüber gießen. Mit Rosmarinzweigen garnieren und sofort servieren.

Variationen der Lammschulter

Die Lammschulter ist ein vielseitiges Schmorfleisch, das sich wunderbar anpassen lässt – je nach Saison, Küche und verfügbarem Equipment.

Im Dutch Oven oder Gusseisenbräter: Wer keinen Bräter mit Deckel hat, gibt die Schulter in den ersten zwei Stunden mit Alufolie abgedeckt in den Ofen und entfernt sie für die letzte halbe Stunde, damit das Fleisch Farbe bekommt. Im Dutch Oven gelingt das Schmoren besonders gut, weil der schwere Deckel Feuchtigkeit und Aroma perfekt hält.

Marokkanisch gewürzt: Statt Rosmarin und Thymian eine Mischung aus Ras el Hanout, Kreuzkümmel und Koriander verwenden. Getrocknete Aprikosen, Pflaumen oder Datteln mit in den Schmorfond geben – das erzeugt eine süßlich-würzige Sauce, die perfekt zu Couscous passt. Wer mag, kann noch eine Zimtstange mitschmoren.

Mediterran mit Tomaten und Oliven: Den Fond mit einer Dose gehackte Tomaten anstelle des reinen Lammfonds ergänzen. Schwarze Oliven, Kapern und etwas Zitronenschale dazugeben. Der Wein kann hier durch Rotwein ersetzt werden – das ergibt ein Gericht, das an das klassische Daube Provençale erinnert.

Gefüllte Lammschulter (Ballotine): Für besondere Anlässe die Schulter vom Metzger ausgelöst kommen lassen. Den flachen Braten mit einer Füllung aus Brotbröseln, Knoblauch, Kräutern, Zitronenschale und etwas Olivenöl bestreichen, aufrollen und mit Küchengarn binden. Die Garzeit verkürzt sich auf etwa 90 Minuten, dafür ist das Anschneiden eleganter.

Mit Flageolet-Bohnen: In der klassischen französischen Küche wird Lammschulter fast immer mit Flageolet-Bohnen serviert – kleinen hellgrünen Bohnen mit zartem Geschmack. Diese am Vortag einweichen, dann im Schmorfond mitgaren (ab der zweiten Schmorstunde). Sie saugen die Aromen auf und werden zur natürlichen Beilage.

Auf niedriger Temperatur über Nacht (Low & Slow): Wer am nächsten Morgen ein fertiges Festtagsgericht auf dem Tisch haben möchte, kann die Schulter bei 120 °C Umluft, abgedeckt, über Nacht im Ofen schmoren lassen. Etwa 6 bis 8 Stunden bei dieser Temperatur ergeben ein Fleisch, das sich mit dem Löffel portionieren lässt. Ideal für Sonntagabend angesetzt – am Montagmittag nur noch aufwärmen.

Mit Rotwein statt Weißwein: Wer ein kräftigeres Schmorgericht bevorzugt, ersetzt den Weißwein durch einen trockenen Rotwein – etwa einen einfachen Côtes du Rhône. Das ergibt eine dunklere Sauce mit mehr Tiefe. Dazu passen dann Ratatouille oder gebratene Champignons statt der Flageolet-Bohnen.

Lammragout aus der Schulter: Wer Zeit und Ofen scheut, schneidet die Schulter roh in grobe Würfel und macht daraus ein Lammragout – Navarin d’Agneau mit Frühlingsgemüse. Das Ergebnis ist ähnlich zart, lässt sich aber besser portionieren.

Beilagen zur Lammschulter

Die Wahl der Beilage entscheidet, ob das Gericht als rustikales Schmorgericht oder als elegantes Sonntagsessen wahrgenommen wird. Beides ist möglich.

Flageolet-Bohnen – die klassische Beilage: In der traditionellen französischen Küche gibt es zur geschmorten Schulter fast immer Flageolet-Bohnen. Diese kleinen, hellgrünen Bohnen haben einen milden, leicht nussigen Geschmack und saugen die Schmorsauce wunderbar auf. Am Vortag einweichen, dann eine Stunde vorkochen und in den letzten 30 Minuten im Schmorfond mitziehen lassen.

Kartoffelgratin: Ein cremiges Gratin dauphinois – hauchdünne Kartoffelscheiben, Sahne, Knoblauch und etwas Gruyère – ist die reichhaltigste Beilage und macht aus dem Gericht ein vollständiges Festmahl. Das Gratin lässt sich problemlos gleichzeitig im Ofen bei derselben Temperatur garen.

Kartoffelpüree: Ein einfaches, aber feines Püree aus mehligkochenden Kartoffeln mit viel Butter und heißer Milch fängt den Schmorsud auf und passt zu jeder Lammvariante. Wer den Aufwand scheut, greift zu Pommes Duchesse – aufgespritzten Herzoginenkartoffeln aus dem Ofen, die sich gut vorbereiteten lassen.

Rohen oder gegarten Fenchel: In Butter geschwenkter Fenchel oder ein leichter Fenchelsalat mit Zitrone und Olivenöl setzt einen angenehmen Kontrast zur Tiefe des Schmorgerichts. Die Anisnoten von Fenchel harmonieren gut mit dem Lammaroma.

Polenta oder Couscous: Wer eine mediterrane oder nordafrikanische Richtung anschlägt, serviert Polenta (cremig mit Parmesan) oder Couscous (mit etwas Butter und Koriander). Beides eignet sich besonders für die marokkanische Variante mit Trockenfrüchten.

Grüne Bohnen und Ratatouille: Im Sommer passen blanchierte grüne Bohnen oder ein leichtes Ratatouille aus Zucchini, Auberginen und Tomaten besonders gut. Die Gemüsesäure gibt dem fettreichen Schmorgericht Leichtigkeit.

Profi-Tipps für die perfekte Lammschulter

Auch wenn das Rezept verzeihlich ist – die Schulter verzeiht Anfängern viel – gibt es einige Handgriffe, die den Unterschied zwischen gut und außergewöhnlich machen.

Das Anbraten nicht überspringen: Das scharfe Anbraten ist der wichtigste Schritt vor dem Schmoren. Die Maillard-Reaktion erzeugt Hunderte von Aromaverbindungen auf der Fleischoberfläche – diese wären im Schmorendsud nicht entstanden. Wer das Anbraten weglässt, bekommt zwar zartes, aber fades Fleisch. Ausreichend heiß sein, damit das Fleisch brät und nicht dampfgart.

Tomatenmark gut anschwitzen: Tomatenmark direkt in der Pfanne zu rösten, bis es leicht dunkler wird (1 bis 2 Minuten bei mittlerer Hitze), konzentriert die Umami-Aromen und reduziert die Säure. Diesen Schritt nicht übereilen.

Nicht zu viel Flüssigkeit: Der häufigste Fehler beim Schmoren ist zu viel Fond. Die Schulter soll schmoren – nicht kochen. Die Flüssigkeit sollte das Fleisch zu einem Drittel bis maximal zur Hälfte bedecken. Zu viel Flüssigkeit ergibt eine wässrige, fade Sauce.

Den Deckel in den letzten 20 Minuten abnehmen: Das gibt der Kruste eine leichte Bräunung und konzentriert den Schmorfond an der Oberfläche des Fleisches. Wer möchte, kann die Schulter in dieser Phase alle fünf Minuten mit dem Schmorsud übergießen.

Sauce sorgfältig passieren und reduzieren: Den Schmorfond durch ein feines Sieb passieren und von der Fettschicht befreien – entweder mit einer Fetttrennkanne oder indem man die Sauce kalt werden lässt und die erstarrte Fettschicht abhebt. Dann stark einkochen, bis sie Saucencharakter bekommt. Wer mag, gibt am Ende ein kleines Stück kalte Butter einzieht (Montieren), das gibt Glanz und Bindung.

Ruhezeit einhalten: Nach dem Schmoren das Fleisch mindestens 10 Minuten ruhen lassen – besser 15 Minuten unter Alufolie. In dieser Zeit verteilen sich die Fleischsäfte wieder gleichmäßig. Wer sofort anschneidet, verliert viel Saft auf dem Brett.

Die richtige Kerntemperatur für Lammschulter

Ein Fleischthermometer ist bei der Lammschulter kein Luxus – es ist das einzige verlässliche Werkzeug, um den Garpunkt zu treffen. Die Schulter enthält mehr Bindegewebe als die Keule, weshalb sie höhere Temperaturen braucht, damit Kollagen zu weicher Gelatine wird.

Orientierungswerte für die Kerntemperatur:

– 70–75 °C: Durchgegart, aber noch mit Biss. Das Fleisch ist zart, hält aber noch zusammen – gut für Scheiben.
– 80–82 °C: Deutlich weicher, die Fasern trennen sich leicht. Für die meisten Geschmäcker der beste Punkt beim Bratenstil.
– 85–90 °C: Butterzart, das Fleisch fällt vom Knochen und lässt sich mit zwei Gabeln mühelos zupfen. Das ist das Ziel für dieses Rezept.

Das Thermometer immer in die dickste Stelle des Fleisches stechen, ohne den Knochen zu berühren – der leitet Wärme stärker und täuscht einen höheren Wert vor. Wer regelmäßig Schmorfleisch zubereitet, sollte in ein digitales Einstechthermometer investieren: Es kostet wenig, erspart aber dauerndes Raten beim Garpunkt.

Warum die Schulter höhere Temperaturen braucht als die Keule: In der Schulter sitzt deutlich mehr Kollagen als in den hinteren Teilstücken. Kollagen beginnt erst bei etwa 70 °C zu zerfallen und sich in weiche Gelatine umzuwandeln – dieser Prozess braucht aber nicht nur Hitze, sondern auch Zeit. Bei zu kurzer Schmorzeit bleibt das Bindegewebe zäh, auch wenn die Kerntemperatur stimmt. Die Kombination aus 85–90 °C und mindestens zwei Stunden Schmorzeit ist entscheidend.

Schmorzeit nach Gewicht (Richtwerte bei 160 °C Umluft, abgedeckt):

– 1,0–1,2 kg: ca. 1 Stunde 45 Minuten
– 1,3–1,5 kg: ca. 2 Stunden 30 Minuten
– 1,6–2,0 kg: ca. 3 bis 3,5 Stunden
– über 2,0 kg: ca. 4 Stunden, ggf. Temperatur auf 150 °C senken

Die Schmorzeiten sind Richtwerte – das Thermometer bleibt der verlässlichere Indikator. Wer kein Gerät hat: Das Fleisch ist fertig, wenn sich eine Gabel ohne Widerstand in die dickste Stelle einführen und herausziehen lässt.

Lammschulter vorbereiten, lagern und aufwärmen

Ein großer Vorteil der geschmorten Lammschulter: Sie lässt sich wunderbar vorkochen – und schmeckt am nächsten Tag oft sogar noch besser, weil die Aromen durchziehen.

Make-ahead-Tipp: Die Schulter bis zu zwei Tage im Voraus komplett fertig schmoren, in der Sauce auskühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren. Beim Wiedererwärmen die erstarrte Fettschicht von der Oberfläche der Sauce abheben – das macht das Gericht schlanker und die Sauce klarer.

Aufwärmen: Den Bräter abgedeckt bei 150 °C etwa 40 Minuten in den Ofen stellen, bis die Schulter durchgehend warm ist. Alternativ in einem Topf bei niedriger Hitze mit etwas zusätzlichem Fond aufwärmen. Mikrowelle geht – aber das Fleisch verliert dabei an Saftigkeit.

Im Kühlschrank: Die Schulter hält in der Sauce abgedeckt 3 bis 4 Tage. Wichtig: Das Fleisch immer in der Sauce lagern, nicht trocken – das verhindert Austrocknen.

Einfrieren: Die Schulter in Stücke zupfen und zusammen mit der Sauce in Gefrierbeuteln oder -dosen einfrieren. Haltbarkeit: 3 Monate. Über Nacht im Kühlschrank auftauen und dann wie oben beschrieben aufwärmen.

Reste verwerten: Übrige Lammschulter lässt sich hervorragend weiterverarbeiten – als Füllung für Wraps, als Basis für eine Lamm-Bolognese oder kleingehackt auf einer Bruschetta mit Tzatziki.

Weinempfehlung zur Lammschulter

Eine geschmorte Lammschulter verträgt kräftige Rotweine mit Struktur – Weine, die dem intensiven Schmorgeschmack etwas entgegensetzen können, ohne ihn zu überdecken.

Erste Wahl – Rotwein aus der Rhône: Ein Côtes du Rhône oder Gigondas aus dem südlichen Rhône-Tal ist die klassische Begleitung zu Lamm in der Provence. Die Grenache-dominierte Cuvée bringt warme Fruchtnoten und genug Körper, ohne zu aufdringlich zu werden. Noch festlicher: ein Châteauneuf-du-Pape.

Weitere Optionen:
– Languedoc-Roussillon: Ein Minervois oder Faugères bietet ähnliche Qualität zu fairem Preis.
– Spanischer Tempranillo: Ein Rioja Reserva passt ebenfalls gut – kräuterig, mit reifer Frucht.
– Priorat: Für intensive Gernie und besondere Anlässe.

Zum Kochen und zum Trinken: Idealerweise denselben Weißwein verwenden, der auch beim Schmoren in den Fond kommt – oder zumindest denselben Produzenten. Ein trockener Côtes du Rhône Blanc aus Viognier oder Marsanne fügt sich sehr gut in den Schmorjus ein.

Alkoholfrei: Ein kräftiger Traubensaft (Cabernet-Sorte) oder ein dunkler Granatapfelsaft eignen sich gut, um den Rotwein beim Kochen zu ersetzen.

Herkunft – Épaule d’Agneau in der französischen Küche

Lammfleisch hat in Frankreich eine jahrtausendealte Geschichte. Schon die Römer schätzten die Herden der Gallia Narbonensis – des heutigen Languedoc – für ihre Qualität. Das Lamm spielte in der mittelalterlichen Küche eine zentrale Rolle, besonders zu Ostern, als das Tier religiöse Bedeutung hatte. Die geschmorte Épaule d’Agneau war dabei kein Luxusgericht, sondern ein Alltagsbraten, der sich in der Asche oder über dem offenen Feuer zubereiten ließ.

Heute gilt die Schulter als das aromatischste Teilstück des Lamms. Anders als die Keule, die zarter und magerer ist, enthält die Schulter mehr Bindegewebe und intramuskuläres Fett – beides wandelt sich beim langen Schmoren in Geschmack und Saftigkeit um. Die Lammkeule – Gigot d’Agneau ist das elegantere Festtagsstück, die Schulter das herzlichere.

Frankreich ist heute einer der größten Lammfleisch-Produzenten Europas. Die bekanntesten Herkunftsregionen sind Midi-Pyrénées, Limousin und das Aveyron. Besonders geschätzt ist das Agneau de lait – Milchlämmer, die ausschließlich mit Muttermilch aufgezogen werden und ein blassrotes, besonders zartes Fleisch liefern. Rund 18 Prozent aller in Frankreich verkauften Lämmer tragen ein Qualitätszertifikat: Label Rouge, IGP oder AOP.

Drei klassische Füllungsvarianten der französischen Küche gehen auf die Épaule zurück: À la gasconne – mit Semmeln und Kräutern – gehört zur Küche des Südwestens, À l’albigeoise – mit Schweinehack und Kräuterfüllung – stammt aus dem Tarn, und die Farce double aus den klassischen Kochbüchern des 19. Jahrhunderts kombiniert das Lamm mit Fisch oder Kalbsbries.

Die Bezeichnung Épaule d’Agneau taucht bereits in mittelalterlichen französischen Kochschriften auf. Escoffier, der große Systematisierer der französischen Küche, listete in seinem Guide Culinaire (1903) mehrere klassische Zubereitungen: pochiert, gespickt und im Ofen gebraten, gefüllt als Ballotine. In der Provinzküche des 20. Jahrhunderts wurde die geschmorte Schulter zum Symbol für geduldiges, bodenständiges Kochen – ein Gericht, das keine teuren Zutaten braucht, dafür aber Zeit und Sorgfalt.

In manchen Regionen Frankreichs gehört die Lammschulter untrennbar zu bestimmten Festen. Im Béarn und in den Pyrenäen wird sie zu Ostern in der Gemeinschaft zubereitet und geteilt. Im Languedoc schwört man auf die Kombination mit lokalen weißen Bohnen und dem Wein der Region. In der Provence kommen Tomaten, Oliven und Thymian dazu.

Heute ist die geschmorte Lammschulter ein fester Bestandteil der bürgerlichen Cuisine française – und in vielen französischen Familienküchen das erste Gericht, das Kinder in der Küche lernen: Fleisch spicken, anbraten, Geduld haben.

Wie lange braucht Lammschulter im Ofen?

Eine Lammschulter von 1,5 kg braucht bei 160 °C Umluft abgedeckt etwa 2 Stunden und 30 Minuten. Kleinere Schultern (1,0–1,2 kg) sind nach 1 Stunde 45 Minuten fertig, größere Stücke über 2 kg benötigen 3,5 bis 4 Stunden. Die verlässlichste Methode ist ein Fleischthermometer: Bei einer Kerntemperatur von 85–90 °C fällt das Fleisch butterweich vom Knochen.

Welche Kerntemperatur braucht Lammschulter?

Für die typische butterzarte Konsistenz, bei der das Fleisch vom Knochen fällt, sollte die Kerntemperatur 85 bis 90 °C erreichen. Wer die Schulter in Scheiben anrichten möchte (fester, aber dennoch zart), kann bei 75–80 °C aufhören. Das Thermometer immer in die dickste Stelle des Fleisches stechen, ohne den Knochen zu berühren.

Was ist der Unterschied zwischen Lammschulter und Lammkeule?

Die Lammschulter stammt aus dem Vorderviertel des Tieres und enthält mehr Bindegewebe und intramuskuläres Fett als die Keule. Das macht sie ideal für langsames Schmoren – je länger und heißer, desto zarter wird das Fleisch. Die Keule (Gigot d’Agneau) ist magerer, feinfaseriger und eignet sich gut für kürzere Garzeiten im Ofen. Für ein zartes Schmorgericht ist die Schulter die bessere Wahl; für einen eleganten Braten ist die Keule die klassische Wahl.

Kann ich Lammschulter am Vortag vorbereiten?

Ja, und es lohnt sich: Eine am Vortag geschmorte Lammschulter schmeckt oft intensiver, weil die Aromen über Nacht durchziehen. Die Schulter in der Sauce vollständig auskühlen lassen, dann abgedeckt in den Kühlschrank stellen. Vor dem Servieren die erstarrte Fettschicht von der Oberfläche abheben und die Schulter abgedeckt bei 150 °C etwa 40 Minuten aufwärmen.

Wie viel Lammschulter brauche ich pro Person?

Mit Knochen rechnet man 350 bis 400 g Rohgewicht pro Person – der Knochen und das austretende Fett reduzieren das Gewicht beim Garen erheblich. Eine 1,5 kg schwere Schulter reicht für 3 bis 4 Personen als Hauptgericht. Wer großzügige Portionen oder Nachschlag plant, lieber 500 g pro Person veranschlagen. Ausgelöste Schultern (ohne Knochen) können mit etwa 250 g pro Person kalkuliert werden.

Kann ich Lammschulter einfrieren?

Ja. Die fertig geschmorte Schulter in grobe Stücke zupfen und zusammen mit der Sauce in Gefrierdosen oder Beuteln einfrieren. Die Haltbarkeit im Gefrierfach beträgt 3 Monate. Zum Auftauen das Fleisch über Nacht im Kühlschrank auftauen lassen und dann abgedeckt bei 150 °C im Ofen oder im Topf bei niedriger Hitze mit etwas zusätzlichem Fond erwärmen.

Wie erkenne ich gutes Lammfleisch beim Kauf?

Frisches Lammfleisch hat eine hellrote bis kräftig rote Farbe, riecht angenehm und ist nicht klebrig. Je jünger das Tier, desto heller und zarter das Fleisch. Für das Schmoren die Schulter mit Knochen bevorzugen – der Knochen gibt dem Schmorfond zusätzliche Gelatine und Geschmack. Beim Metzger des Vertrauens oder auf dem Wochenmarkt lässt sich Herkunft und Alter erfragen; französisches Lamm mit Label Rouge oder deutsches Weidlamm aus der Region ist erste Wahl.

Welchen Wein trinkt man am besten zu geschmorter Lammschulter?

Die klassische Begleitung ist ein kräftiger Rotwein aus dem Rhône-Tal: ein Côtes du Rhône, Gigondas oder, für festliche Anlässe, ein Châteauneuf-du-Pape. Wer etwas Günstigeres sucht, greift zu einem Minervois oder Faugères aus dem Languedoc. Für einen spanischen Akzent passt ein Rioja Reserva gut. Wichtig: denselben Weißwein zum Kochen verwenden, den man auch trinken würde – das macht den Schmorfond harmonischer.