Nürnberger Rostbratwürste mit Sauerkraut und Kartoffelpüree

Nürnberger Rostbratwürste sind klein, fein und seit 2003 eine geschützte geografische Angabe der EU. Dieses Rezept zeigt, wie die fingerlangen Würstchen in der Pfanne oder auf dem Grill ihre goldbraune Kruste und ihren charakteristischen Majoran-Duft entwickeln. Dazu gibt es nach fränkischer Tradition Sauerkraut, cremiges Kartoffelpüree und mittelscharfen Senf.

Zutaten für Nürnberger Rostbratwürste mit Sauerkraut und Kartoffelpüree

Zutaten für Portionen

Für die Bratwürste

ZutatMengeHinweise
Original Nürnberger Rostbratwürste24 Stückg.g.A., je 20-25 g
Butterschmalz2 ELoder neutrales Pflanzenöl

Für das Sauerkraut

ZutatMengeHinweise
Sauerkraut500 gaus dem Glas oder vom Fass
Zwiebel1 Stückmittelgroß, fein gewürfelt
durchwachsener Speck80 gin feinen Streifen
Apfel1 Stücksäuerlich, fein gerieben
Wacholderbeeren6 Stück
Lorbeerblätter2 Stück
Kümmel1 TLganz
trockener Weißwein150 mlalternativ Apfelsaft
Brühe100 mlGemüse- oder Fleischbrühe
Zucker1 Prisezum Abschmecken
Salz und Pfeffernach Geschmack

Für das Kartoffelpüree

ZutatMengeHinweise
Kartoffeln1 kgmehligkochend
Milch250 mlwarm
Butter60 g
Muskatnuss1 Prisefrisch gerieben
Salzfür das Kochwasser und zum Abschmecken

Zum Servieren

ZutatMengeHinweise
mittelscharfer Senf4 ELfränkischer Bratwurstsenf bevorzugt

Zubereitung

  1. Kartoffeln aufsetzen: Kartoffeln schälen, in gleich große Stücke schneiden und in reichlich Salzwasser zugedeckt 18-20 Minuten weich kochen. So lange die Kartoffeln garen, das Sauerkraut zubereiten.
  2. Speck und Zwiebel anschwitzen: Speckstreifen in einem großen Topf bei mittlerer Hitze auslassen, bis das Fett austritt. Zwiebelwürfel zugeben und glasig dünsten. Wacholderbeeren, Lorbeerblätter und Kümmel mitrösten, bis sie duften.
  3. Sauerkraut schmoren: Sauerkraut grob mit zwei Gabeln auflockern und in den Topf geben. Geriebenen Apfel untermischen. Mit Weißwein und Brühe ablöschen, mit einer Prise Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken. Zugedeckt 20-25 Minuten bei kleiner Hitze schmoren lassen, gelegentlich umrühren.
  4. Kartoffelpüree stampfen: Kartoffeln abgießen und kurz ausdampfen lassen. Die warme Milch und die Butter zugeben und mit dem Kartoffelstampfer zu einem cremigen Püree verarbeiten. Mit Salz und frisch geriebener Muskatnuss abschmecken. Warm halten.
  5. Bratwürste anbraten: Butterschmalz in einer großen, schweren Pfanne bei mittlerer Hitze schmelzen. Die Nürnberger Rostbratwürste nebeneinander einlegen, dabei nicht zu eng aneinander. 8-10 Minuten unter regelmäßigem Wenden rundum goldbraun braten. Wichtig: die Würstchen niemals einstechen, sonst verlieren sie ihren Saft und werden trocken.
  6. Anrichten und servieren: Sauerkraut in der Mitte eines vorgewärmten Tellers anrichten, Kartoffelpüree dazu setzen und sechs Bratwürste pro Person darüberlegen. Mit einem Klecks mittelscharfem Senf servieren und sofort genießen.

So gelingen Nürnberger Rostbratwürste perfekt

Die fingerlangen Würstchen sind mit 7 bis 9 Zentimetern Länge und 20 bis 25 Gramm Gewicht echte Leichtgewichte unter den Bratwürsten. Genau das macht sie so heikel beim Braten: weil der Naturdarm aus Saitling dünn und das Brät fein gewolft ist, trocknen die Würstchen schnell aus, wenn die Hitze zu hoch ist oder die Garzeit überschritten wird. Mittlere Hitze und 8 bis 10 Minuten in der Pfanne sind das Maß der Dinge. Auf dem Grill geht es etwas schneller, dort reichen 6 bis 8 Minuten über mittlerer Glut. Nicht einstechen! Der Naturdarm platzt beim sanften Braten nicht und hält den Saft im Inneren – ein eingestochenes Würstchen wird hingegen zäh und mehlig.

Wer dem Original nahekommen will, grillt über Buchenholzfeuer. So wie es die Bratwurstbratereien in der Nürnberger Altstadt seit Jahrhunderten tun. Das Buchenholz gibt eine feine, leicht süßliche Rauchnote ab, die hervorragend zum Majoran im Brät passt. Zu Hause funktioniert das mit einer Schale Buchenholz-Räucherchips, die kurz vor dem Grillen in die Glut wandert.

Variationen und traditionelle Servierformen

In Franken werden Nürnberger Rostbratwürste auf vielfältige Weise gegessen, und für jede Variante gibt es einen eigenen Namen. Die berühmteste ist sicherlich Drei im Weggla: drei gegrillte Bratwürstchen in einem aufgeschnittenen Brötchen, dazu ein Streifen mittelscharfer Senf – das klassische Street Food der Nürnberger Altstadt. Wer hungriger ist, bestellt Sechs auf Kraut: ein Teller mit Sauerkraut und sechs Würstchen obenauf, traditionell auf einem Zinnteller serviert. Für den ganz großen Hunger gibt es das Zwölferla, eine Portion mit zwölf Würstchen. Eine sehr eigenständige Variante sind Saure Zipfel: die rohen Bratwürste werden dabei nicht gebraten, sondern in einem Sud aus Essig, Weißwein, Zwiebeln und Gewürzen pochiert. Der Name kommt vom milchig-bläulichen Schimmer, den die Würste in der sauren Brühe annehmen.

Statt Kartoffelpüree passt auch ein lauwarmer fränkischer Kartoffelsalat mit Brühe und Essig hervorragend zu den Bratwürsten. Wer es klassisch mag, reicht zusätzlich frisch geriebenen Meerrettich – in Franken Kren genannt – zu Sauerkraut und Würstchen. Eine moderne Beilage ist sautierter Wirsing mit Apfelstücken, der die süßlich-säuerliche Note des Krauts aufgreift.

Wer einen passenden Aperitif sucht, der bayerisch-fränkisch bleibt: ein Obatzda mit Laugengebäck oder ein Laugenbretzel stimmen perfekt auf das Bratwurst-Gericht ein.

Was Nürnberger Rostbratwürste so besonders macht

Seit Juli 2003 sind Nürnberger Rostbratwürste eine geschützte geografische Angabe der Europäischen Union – es war die erste Bratwurst überhaupt, die diesen Status erhielt. Die Bezeichnung „Original Nürnberger Rostbratwurst“ darf seither nur tragen, wer die Würste innerhalb der Nürnberger Stadtgrenzen nach einer fest definierten Rezeptur herstellt. Diese Rezeptur wurde am 18. März 1998 vom Ausschuss für Recht, Wirtschaft und Arbeit der Stadt Nürnberg beschlossen.

Die Vorgaben sind streng: Länge 7 bis 9 Zentimeter, Gewicht 20 bis 25 Gramm, Durchmesser etwa 15 Millimeter, Brät grob gewolft auf 3 Millimeter Korn, gefüllt in Schafsaitlinge. Hergestellt werden sie aus magerem Schweinefleisch ohne Sehnen und ohne Schwarte, dazu Schweinebauch und das charakteristische Gewürz: vor allem Majoran, dazu Salz, Pfeffer, Macis, Ingwer, Kardamom und ein Hauch Zitronenpulver. Jeder der vier großen Nürnberger Hersteller hat seine eigene leichte Abwandlung der Würzmischung – bis ins Detail bleibt das Rezept Betriebsgeheimnis.

Beim Einkauf lohnt der Blick auf das Etikett: nur Packungen mit dem Zusatz „Original Nürnberger Rostbratwurst“ und dem g.g.A.-Siegel der EU enthalten echte Ware. Die Produktion in Nürnberg umfasst etwa 3 Millionen Würstchen pro Tag oder rund eine Milliarde pro Jahr.

Die Geschichte der Nürnberger Rostbratwurst

Die erste urkundliche Erwähnung der Nürnberger Bratwurst stammt aus dem Jahr 1313, als der Rat der Stadt Nürnberg die Wurstqualität durch ein eigenes Aufsichtsamt regelte. Schon im Mittelalter war die Stadt für ihre kleinen Würstchen bekannt, die in den Bratwurstküchen der Altstadt über Buchenholzfeuer gegrillt wurden. Eines der ältesten dieser Gasthäuser ist die Bratwurstküche „Zum Gulden Stern“ aus dem Jahr 1419 – sie gilt als das älteste, ohne Unterbrechung an einem Ort betriebene Bratwurstrestaurant der Welt.

Warum gerade die Nürnberger Bratwürste so klein sind, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine populäre Legende behauptet, die Wirte hätten die Würstchen so klein gemacht, dass sie nach dem Sperrzeit-Schluss noch durchs Schlüsselloch an wartende Gäste auf der Straße geschoben werden konnten. Wahrscheinlicher ist die nüchterne Erklärung, dass kleinere Würste schneller garen, weniger Fleisch verbrauchen und sich auf dem Holzkohlegrill leichter handhaben lassen.

Auch Johann Wolfgang von Goethe war begeisterter Anhänger der fränkischen Spezialität: Er ließ sich die Würstchen regelmäßig per Post von Nürnberg nach Weimar schicken – eine außergewöhnliche Geste, die zeigt, welchen Stellenwert das Gericht schon im 18. und 19. Jahrhundert genoss. Im November 2021 eröffnete in Nürnberg ein eigenes Bratwurstmuseum, das die rund 700-jährige Kulturgeschichte der kleinen Würstchen dokumentiert.

Fun Facts rund um die Nürnberger Rostbratwurst

– Mit rund 1 Milliarde produzierter Würste pro Jahr ist die Nürnberger Rostbratwurst eine der meistgegessenen regionalen Wurstspezialitäten Deutschlands.
– Die Schafsaitlinge für die Würste werden inzwischen aus aller Welt importiert, weil die deutsche Schafzucht den Bedarf längst nicht mehr deckt.
– „Drei im Weggla“ steht seit 2003 ebenfalls unter EU-Schutz – der Begriff darf nur für echte Nürnberger Rostbratwürste im Brötchen verwendet werden.
– In der historischen Bratwurstküche „Zum Gulden Stern“ werden bis heute Würste ausschließlich über offenem Buchenholzfeuer gegrillt – in Sichtweite der Gäste.
– Sechs Würstchen pro Person gelten in Franken als Standardportion, bei großem Hunger werden es zwölf.

Wie brate ich Nürnberger Rostbratwürste richtig?

Butterschmalz oder ein neutrales Öl in einer beschichteten oder schweren Eisenpfanne bei mittlerer Hitze schmelzen lassen. Die Würstchen nebeneinander einlegen und 8 bis 10 Minuten unter regelmäßigem Wenden rundum goldbraun braten. Wichtig ist, dass die Pfanne nicht zu heiß wird – der Naturdarm platzt sonst. Niemals in die Wurst stechen, sonst läuft der Saft aus und das Brät wird trocken.

Wie viele Nürnberger Bratwürste pro Person?

Als Hauptgericht mit Beilage rechnet man in Franken sechs Würstchen pro Person (Sechs auf Kraut). Bei kleinem Appetit reichen vier, bei großem Hunger werden es zwölf (das berühmte Zwölferla). Als Snack zwischendurch ist Drei im Weggla mit drei Würstchen im Brötchen die klassische Portion.

Was ist das Besondere an Nürnberger Rostbratwürstchen?

Nürnberger Rostbratwürstchen sind seit 2003 als geschützte geografische Angabe der EU geschützt. Sie müssen innerhalb der Stadt Nürnberg nach einer festgelegten Rezeptur hergestellt werden, sind 7 bis 9 Zentimeter lang und 20 bis 25 Gramm schwer. Ihr Charakteristikum ist die feine Majoran-Note in einer Würzmischung aus Salz, Pfeffer, Macis, Ingwer und Kardamom. Das Brät wird ausschließlich in Schafsaitlinge gefüllt.

Kann ich Nürnberger Rostbratwürste auch grillen?

Ja, das ist sogar die ursprüngliche Zubereitungsart. Über mittlerer Glut grillen die Würstchen in 6 bis 8 Minuten rundum knusprig. Original werden sie in Nürnberg über Buchenholzfeuer gegrillt – zu Hause kann das mit Buchenholz-Räucherchips imitiert werden, die kurz vor dem Grillen in die Glut wandern. Die Würste regelmäßig wenden und nicht piksen.

Welche Beilagen passen zu Nürnberger Rostbratwürsten?

Klassisch werden die Würstchen mit Sauerkraut serviert, dazu Kartoffelpüree oder lauwarmer fränkischer Kartoffelsalat. Mittelscharfer Senf ist Pflicht, in Franken bevorzugt fränkischer Bratwurstsenf. Beliebte weitere Beilagen sind frisch geriebener Meerrettich (in Franken Kren genannt), Brezel oder ein frisches Bauernbrot.

Was sind Saure Zipfel?

Saure Zipfel sind eine fränkische Variante, bei der die rohen Nürnberger Bratwürste nicht gebraten, sondern in einem Sud aus Essig, Weißwein, Zwiebeln und Gewürzen pochiert werden. In der Säure nehmen die Würste einen leicht bläulich-milchigen Schimmer an, der dem Gericht seinen Namen gibt. Saure Zipfel werden traditionell mit Bauernbrot serviert und gelten als Spezialität für kalte Tage.

Wie lange sind Nürnberger Rostbratwürste haltbar?

Frische Würstchen halten sich gekühlt bei 2 bis 4 Grad Celsius 2 bis 3 Tage. Vakuumverpackte Ware ist mit dem aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdatum deutlich länger nutzbar. Eingefroren halten die Würstchen bei minus 18 Grad bis zu sechs Monate. Vor der Zubereitung über Nacht im Kühlschrank langsam auftauen, dann wie frische Würstchen braten.

Wo kann man echte Nürnberger Rostbratwürste kaufen?

Echte Ware erkennt man am Aufdruck „Original Nürnberger Rostbratwurst“ und dem g.g.A.-Siegel der EU. Die Würste werden in Nürnberg von vier großen Herstellern und vielen kleineren Metzgereien produziert. Sie sind im gut sortierten Lebensmittelhandel deutschlandweit erhältlich, frisch direkt von Nürnberger Metzgereien wie dem Bratwursthäusle versandbar, oder bei Wochenmärkten an Spezialitätenständen.