Käsebrettl – bayerische Brotzeit

Das Käsebrettl ist die bayerische Antwort auf den Käseteller: ein üppig belegtes Holzbrett mit verschiedenen Käsesorten, Obatzda, frischer Brezn und knackigen Beilagen wie Radi und Schnittlauch. Schnell zusammengestellt, ohne Kochen, perfekt für Brotzeit, Biergarten-Abend oder den Sonntag nach der Wanderung. Mit unserem Anrichte-Plan und den passenden Mengen für 4 Personen wird die Brotzeit garantiert zum Hingucker.

Zutaten für das Käsebrettl

Zutaten für Portionen

Käseauswahl

ZutatMengeHinweise
Bergkäse200 gam Stück, gut gereift
Camembert150 gein ganzer kleiner Laib
Obatzda150 gselbstgemacht oder fertig
Blauschimmelkäse120 gzum Beispiel Bayerischer Blauer
Weichkäse mit Rotschmiere120 gLimburger oder Romadur

Beilagen

ZutatMengeHinweise
Laugenbrezn4 Stückfrisch gebacken
Bauernbrot400 gSauerteig, in dicke Scheiben geschnitten
Radieschen1 Bundgeputzt
Bayerischer Rettich1 Stückauch Radi genannt
Schnittlauch1 Bundin Röllchen geschnitten
Süßer Senf2 ELbayerischer Hausmacher
Mittelscharfer Senf2 EL
Salz- oder Essiggurken4 Stück
Mixed Pickles100 gabgetropft
Walnusskerne50 ggrob gehackt
Trauben50 grot oder grün
Feigen2 Stückfrisch, geviertelt, optional
Butter80 gzimmerwarm, in Stücken
Meersalzzum Bestreuen des Radi
Pfeffer aus der Mühlefür den Obatzda

Zubereitung

  1. Käse temperieren: Alle Käsesorten mindestens 30 Minuten vor dem Servieren aus dem Kühlschrank holen. Auf Zimmertemperatur entfaltet Käse sein volles Aroma, Bergkäse wird nussiger, Weichkäse cremiger.
  2. Radi schneiden: Den bayerischen Rettich schälen und in dünne Scheiben hobeln oder mit einem scharfen Messer in eine Spirale schneiden. Die Scheiben kräftig salzen und 10 Minuten ziehen lassen, dann das ausgetretene Wasser leicht abtupfen.
  3. Beilagen vorbereiten: Radieschen waschen, Wurzel- und Blattansätze kürzen, ganz lassen. Schnittlauch in feine Röllchen schneiden. Trauben waschen und in kleinen Trauben abzupfen. Walnüsse grob hacken. Brot in dicke Scheiben schneiden.
  4. Bergkäse vorbereiten: Den Bergkäse mit einem scharfen Messer in dicke, unregelmäßige Stücke schneiden, nicht in dünne Scheiben. Das verstärkt den rustikalen Charakter des Brettls und der Käse trocknet weniger schnell aus.
  5. Käse aufs Brett legen: Ein großes Holzbrett oder eine Holzplatte bereitstellen. Die Käsesorten im Uhrzeigersinn von mild nach kräftig anordnen: Camembert oben links, dann Bergkäse, Weichkäse mit Rotschmiere, zum Schluss Blauschimmel. Der Obatzda kommt in eine kleine Schale und wird in die Mitte gestellt.
  6. Beilagen drapieren: Die Brezn an den Rand legen, das Brot in den Lücken stapeln. Radi-Scheiben fächerartig auf einer Seite verteilen, Radieschen in einer kleinen Schale platzieren. Schnittlauch über den Obatzda streuen, frischen Pfeffer dazu mahlen.
  7. Senf und Pickles platzieren: Süßen und scharfen Senf in zwei kleinen Schälchen anbieten, dazwischen Gurken und Mixed Pickles legen. Walnüsse und Trauben locker zwischen die Käsestücke streuen, sie füllen Lücken und ergänzen die kräftigen Aromen.
  8. Servieren: Die zimmerwarme Butter in einem kleinen Schälchen mit aufs Brett stellen. Das Käsebrettl direkt mit kleinen Käsemessern, Brotmesser und reichlich Servietten servieren. Kalt gestelltes Helles, ein Weißbier oder ein Federweißer passen am besten dazu.

Was gehört auf ein bayerisches Käsebrettl?

Ein echtes Käsebrettl lebt vom Kontrast: mild trifft kräftig, weich trifft hart, mild trifft pikant. Drei bis fünf Käsesorten sind die ideale Anzahl, weniger wirkt mager, mehr wird unübersichtlich. Bewährt hat sich eine Mischung aus einem milden Hartkäse wie Bergkäse oder Allgäuer Emmentaler, einem cremigen Weichkäse wie Camembert, einem würzigen Vertreter wie Limburger, Romadur oder Weißlacker und einem kräftigen Blauschimmel wie dem Bayerischen Blauen. Der Obatzda darf auf keinem bayerischen Käsebrettl fehlen. Er ist kein Käse im engeren Sinne, sondern eine Käsezubereitung aus reifem Camembert, Butter, Frischkäse, Paprikapulver und Zwiebeln. Wer ihn selbst macht, kann ihn perfekt auf den persönlichen Geschmack abstimmen. Unser Obazda zum Selbermachen ist in zehn Minuten fertig und schmeckt cremiger und würziger als jede Fertigvariante aus der Plastikschale.

Die Geschichte der bayerischen Brotzeit

Die Brotzeit ist tief in der bayerischen Esskultur verwurzelt und bezeichnet eine kalte Zwischen- oder Hauptmahlzeit aus deftigen Komponenten. Verbreitet ist sie nicht nur in Bayern, sondern im gesamten bairischen Sprachraum bis hinein nach Franken und Teile Thüringens. In Schwaben und Württemberg heißt das gleiche Konzept Vesper, in Tirol und Südtirol Marende. Historisch war die Brotzeit das Frühstück nach der ersten Arbeitsphase auf dem Feld, irgendwann zwischen neun und elf Uhr vormittags, oder eine kräftige Stärkung am späten Nachmittag. Bauern und Handwerker brauchten kalorienreiche Kost, die ohne Aufwärmen direkt aus dem Korb gegessen werden konnte. Daraus entstand die Tradition aus Brot, Käse, Wurst, Speck und sauer eingelegtem Gemüse, die sich bis heute gehalten hat. Eine bayerische Besonderheit ist die Biergarten-Regel: In traditionellen bayerischen Biergärten darf man die eigene Brotzeit mitbringen, Getränke werden vor Ort gekauft. Daher kommt auch die typische Optik des Käsebrettls auf einem rustikalen Holzbrett, das problemlos auf die Bierbankgarnitur passt.

Die richtigen Mengen pro Person

Wie viel Käse braucht man wirklich? Als Faustregel gilt: Bei einem Käsebrettl als Hauptmahlzeit rechnet man mit etwa 180 bis 220 g Käse pro Person, bei dem das Brettl als kleine Zwischenmahlzeit oder Vorspeise dient, reichen 80 bis 120 g. Dazu kommen 60 bis 80 g Brot oder eine Brezn pro Person sowie etwa 100 g Beilagen wie Radi, Radieschen, Pickles und Senf. Bei einem geselligen Brotzeit-Abend mit vier Personen landet man so bei rund 800 g Käse, vier Brezn, 400 g Bauernbrot und einer üppigen Auswahl an Beilagen. Wer Wein dazu reicht, plant pro Person eine halbe bis dreiviertel Flasche ein, beim Bier sind es ein bis zwei Halbe pro Person über den Abend verteilt.

Variationen und regionale Abwandlungen

Die Heurigen-Variante aus Niederösterreich ersetzt den Obatzda durch Liptauer, einen pikanten Aufstrich aus Topfen und Paprika, und ergänzt das Brettl mit Verhacktem, einer cremigen Speckpaste. Wer das Käsebrettl deutlich kräftiger anrichten möchte, geht in Richtung Brettljause oder Heurigenplatte und kombiniert Käse mit geräuchertem Speck, Pressack und Schinken. Die fränkische Version setzt auf Schiefertaler-Käse und Bauernbrot mit Kümmel, im Allgäu darf der charakteristische Weißlacker nicht fehlen. Eine moderne, leichtere Brotzeit kommt mit Ziegenfrischkäse, Feta, getrockneten Tomaten und Olivenöl daher und nähert sich der mediterranen Antipasti-Platte. Vegetarier müssen ohnehin nichts ändern, Veganer können das Brettl mit Cashew-Camembert, Räuchertofu und einem veganen Obatzda aus Hefeflocken und Cashews zusammenstellen.

Profi-Tipps für ein perfektes Käsebrettl

Käse niemals eiskalt servieren. Aus dem Kühlschrank schmeckt selbst der beste Käse fad und gummig. Mindestens 30 Minuten Zimmertemperatur sind Pflicht, bei Hartkäse darf es auch eine Stunde sein. Mit einem scharfen Messer arbeiten. Hartkäse wie Bergkäse oder Parmesan bricht in kleinen, unregelmäßigen Stücken besser als in dünnen Scheiben. Für jeden Käse ein eigenes Messer bereitstellen, damit die Aromen sich nicht vermischen. Brot frisch kaufen, nicht selbst vorab schneiden. Eine ungeschnittene Sauerteig-Laib auf dem Brett mit einem Brotmesser daneben sieht rustikaler aus und das Brot trocknet nicht aus. Trauben, Nüsse und Trockenfrüchte sind nicht nur Deko: Sie bieten süße Kontraste zu kräftigem Käse und füllen optische Lücken zwischen den Käsestücken. Auf das Brett achten: Ein massives Holzbrett aus Buche oder Zirbenholz hält den Käse gut warm. Schiefer wirkt edel, kühlt den Käse aber zu schnell aus. Marmor ist nur für ein paar Minuten ideal, dann beschlägt er.

Welche Getränke passen zum Käsebrettl?

Klassisch gehört bayerisches Helles oder ein Weißbier zur Brotzeit, beide ergänzen die kräftigen Käsearomen ohne sie zu erschlagen. Wer Wein bevorzugt, greift zu einem trockenen Silvaner, einem fränkischen Müller-Thurgau oder einem leichten Spätburgunder aus Baden. Zu Blauschimmel passt überraschend gut ein lieblicher Portwein oder ein junger Eiswein, beide gleichen die kräftige Schärfe aus. Ungewöhnlich, aber empfehlenswert: ein guter Apfelmost oder ein lokaler Streuobst-Cidre, sie bringen Säure und Frische ins Spiel und sind alkoholärmer als Wein. Wer komplett alkoholfrei bleiben möchte, kombiniert das Käsebrettl mit kalt gepresstem Apfelsaft, Holundersaft oder bayerischem Spezi.

Käsebrettl vorbereiten und Reste verwerten

Das Käsebrettl lässt sich bis zu drei Stunden vor dem Servieren vorbereiten, allerdings sollten Käse und Butter erst kurz vorher aufgelegt werden, damit sie nicht austrocknen. Beilagen wie Radieschen, Pickles und geschnittenes Brot decken die mit einem leicht angefeuchteten Tuch ab und können problemlos zwei bis drei Stunden bei Raumtemperatur stehen. Reste vom Käse luftdicht in Käsepapier oder Pergament wickeln und im Gemüsefach des Kühlschranks lagern, dort hält Hartkäse bis zu zwei Wochen, Weichkäse drei bis fünf Tage. Aus Käse-Resten lässt sich am nächsten Tag eine cremige Käse-Spätzle, ein Käsknöpfle oder ein deftiger Käsesalat machen. Übrig gebliebener Obatzda wird durch eingearbeitete frische Kräuter und einen Schuss Bier wieder cremig und schmeckt am zweiten Tag oft noch intensiver.

Was gehört auf ein klassisches Käsebrettl?

Auf ein bayerisches Käsebrettl gehören drei bis fünf Käsesorten in unterschiedlichen Reifestufen: ein milder Hartkäse wie Bergkäse, ein cremiger Weichkäse wie Camembert, ein würziger Rotschmierkäse wie Limburger oder Romadur, ein Blauschimmel wie der Bayerische Blaue und unbedingt Obatzda. Dazu kommen Brezn, Bauernbrot, Radi, Radieschen, süßer und scharfer Senf, Salzgurken und Mixed Pickles. Walnüsse und Trauben ergänzen die kräftigen Aromen.

Wie viel Käse rechnet man pro Person?

Bei einem Käsebrettl als Hauptmahlzeit rechnet man mit 180 bis 220 g Käse pro Person, bei einer kleineren Brotzeit oder Vorspeise reichen 80 bis 120 g. Dazu kommen 60 bis 80 g Brot oder eine Brezn pro Person sowie etwa 100 g Beilagen wie Radi, Pickles und Senf.

Welcher Käse ist typisch bayerisch?

Typisch bayerische Käsesorten sind Bayerischer Bergkäse, Allgäuer Emmentaler, Weißlacker aus dem Allgäu, Romadur, Limburger, Bayerischer Blauer (ein Blauschimmel) und natürlich der Obatzda aus reifem Camembert. Aus dem benachbarten Tirol kommen Tiroler Bergkäse, Tilsiter und Graukäse, die auf bayerischen Brotzeitbrettern ebenfalls gerne anzutreffen sind.

Warum sollte Käse vor dem Servieren temperieren?

Käse entfaltet sein volles Aroma erst bei Zimmertemperatur. Direkt aus dem Kühlschrank schmeckt selbst guter Käse fad, die Konsistenz wirkt fest und gummig. Mindestens 30 Minuten vor dem Servieren aus dem Kühlschrank holen, bei Hartkäse darf es auch eine Stunde sein. Weichkäse wie Camembert wird cremiger, Hartkäse wie Bergkäse entwickelt nussige Noten.

Was passt zum Käsebrettl als Getränk?

Klassisch gehört bayerisches Helles oder Weißbier zur Brotzeit. Bei Wein passt ein trockener Silvaner, ein fränkischer Müller-Thurgau oder ein leichter Spätburgunder. Zu Blauschimmel harmoniert ein lieblicher Portwein. Alkoholfrei sind Apfelmost, Streuobst-Cidre oder bayerisches Spezi gute Begleiter.

Welches Brot gehört zum Käsebrettl?

Frische Laugenbrezn sind Pflicht, dazu kräftiges Bauernbrot aus Sauerteig in dicken Scheiben. Wer Abwechslung möchte, kann zusätzlich Roggenbrot, ein Salzstangerl oder ein Wachauer Laberl dazureichen. Frisch gekauft und ungeschnitten direkt auf das Brett gelegt, wirkt das Brot rustikaler und trocknet nicht aus.

Wann isst man in Bayern Brotzeit?

Traditionell wird Brotzeit zweimal am Tag eingelegt: vormittags zwischen neun und elf Uhr als zweites Frühstück und am späten Nachmittag zwischen 15 und 17 Uhr. Heute wird Brotzeit oft auch abends als leichte Hauptmahlzeit serviert, vor allem im Sommer im Biergarten oder am Wochenende beim gemütlichen Beisammensein.

Was ist der Unterschied zwischen Brotzeit, Vesper und Marende?

Alle drei Begriffe beschreiben eine kalte Zwischenmahlzeit aus deftigen Komponenten. Brotzeit ist der bayerisch-fränkische Begriff, Vesper sagt man in Schwaben, Baden und Württemberg, Marende ist die Tiroler und Südtiroler Variante. Die Marende unterscheidet sich durch Schüttelbrot, Südtiroler Speck und einen Schluck Rotwein, ansonsten ist das Konzept überall ähnlich.

Welches Holz eignet sich am besten für ein Käsebrettl?

Ideal sind massive Holzbretter aus Buche, Eiche oder Zirbe. Zirbenholz hat antibakterielle Eigenschaften und einen leichten Eigengeruch, der gut zu kräftigem Käse passt. Schiefer wirkt edel, kühlt den Käse aber schnell aus. Marmor und Glas sind nur kurzfristig geeignet, sie beschlagen und lassen den Käse schwitzen.

Kann man ein Käsebrettl im Voraus vorbereiten?

Beilagen wie Radieschen, Pickles, Brot und geschnittene Gurken können bis zu drei Stunden vorher vorbereitet und abgedeckt bereitgestellt werden. Käse und Butter sollten erst 30 bis 60 Minuten vor dem Servieren aufgelegt werden, damit sie nicht austrocknen, aber dennoch Zimmertemperatur erreichen. Den Obatzda erst kurz vorher in die Schale geben und Schnittlauch frisch darüber streuen.