Selbstgemachter Eierlikör ist cremig, samtig und um Längen besser als jede gekaufte Version. Mit nur fünf Zutaten und einem Wasserbad verwandelst du frische Eigelbe, Sahne und Rum in einen Likör, der als Geschenk, Dessert-Topping oder pur aus dem Schnapsglas begeistert. Das Rezept gelingt auch ohne Thermomix zuverlässig in unter 30 Minuten.

Zutaten für Eierlikör

Zutaten für Portionen

ZutatMengeHinweise
Eigelb8 StückZimmertemperatur, möglichst frisch
Puderzucker200 ggesiebt
Vanilleschote1 StückMark herausgekratzt
Sahne400 mlmind. 30% Fett
weißer Rum250 mlmind. 38% vol., alternativ Cognac oder Weingeist

Zubereitung

  1. Eier trennen: Eier trennen und die Eigelbe in eine hitzebeständige Schüssel geben. Das Eiweiß kannst du in einem Schraubglas im Kühlschrank aufbewahren und für Baisers oder Macarons verwenden.
  2. Eigelb aufschlagen: Eigelbe zusammen mit dem gesiebten Puderzucker und dem herausgekratzten Vanillemark mit einem Schneebesen oder Handmixer schaumig schlagen, bis die Masse heller wird und der Zucker sich aufgelöst hat. Das dauert etwa 2–3 Minuten.
  3. Sahne einrühren: Sahne zu der Eigelb-Zucker-Masse geben und alles gut verrühren.
  4. Wasserbad vorbereiten: Einen größeren Topf zu einem Drittel mit Wasser füllen und auf mittlere Hitze stellen. Die Schüssel mit der Eigelb-Masse daraufsetzen – sie darf das Wasser nicht berühren. Das Wasser sollte leicht simmern, nicht sprudelnd kochen.
  5. Cremig rühren: Die Masse unter ständigem Rühren im Wasserbad erhitzen. Nach etwa 8–10 Minuten wird sie merklich dicker und cremiger. Wichtig: Die Temperatur sollte 65°C nicht überschreiten, sonst stockt das Ei und der Likör flockt. Ohne Thermometer erkennst du den richtigen Moment daran, dass die Masse am Rührlöffel haften bleibt.
  6. Rum einrühren: Schüssel vom Wasserbad nehmen und kurz abkühlen lassen. Dann den weißen Rum (oder Cognac) unterrühren. Der Likör ist jetzt noch flüssiger als im fertigen Zustand – das ist normal, er dickt im Kühlschrank deutlich nach.
  7. Abfüllen & lagern: Den Eierlikör durch ein feines Sieb in saubere, verschließbare Flaschen füllen. Im Kühlschrank mindestens 2 Stunden abkühlen lassen, bevor du ihn servierst. Vor dem Servieren die Flasche gut schütteln.

Thermomix-Variante

Wer einen Thermomix besitzt, kann den Eierlikör noch einfacher zubereiten: Alle Zutaten – Eigelbe, Puderzucker, Vanillemark, Sahne und Rum – direkt in den Mixtopf geben. Anschließend 8 Minuten / 70°C / Stufe 4 laufen lassen. Das Ergebnis ist ebenso cremig wie bei der klassischen Wasserbad-Methode, der Prozess läuft aber vollständig automatisch. Danach einfach durch ein Sieb in Flaschen füllen und kühl stellen.

Variationen

Der große Vorteil beim selbstgemachten Eierlikör: Du entscheidest, was hineinkommt.

Alkohol-Varianten: Weißer Rum ist eine milde Wahl mit leichter Süße. Cognac oder Brandy verleihen dem Likör eine tiefere, wärmere Note, die besonders in der Weihnachtszeit gut passt. Weingeist (erhältlich in der Apotheke oder online) ist nahezu geschmacksneutral und sorgt für den reinsten Eierlikör-Geschmack – er ist zugleich die Variante, die dem holländischen Original am nächsten kommt. Vodka oder Doppelkorn funktionieren ebenfalls, bringen aber eine schärfere Note mit. Wichtig: Der Alkohol sollte mindestens 38% vol. haben, damit der Likör ausreichend haltbar bleibt.

Sahne oder Kondensmilch? Mit Sahne (30%+ Fett) wird der Eierlikör richtig cremig und gehaltvoll – das ist die beliebteste Variante. Kondensmilch ergibt eine dickflüssigere Konsistenz, die sich fast löffeln lässt, und kommt dem holländischen Advocaat nahe. Wer einen eher flüssigen Likör möchte, ersetzt die Hälfte der Sahne durch Vollmilch.

Aromatische Varianten: In der Weihnachtszeit passen eine Prise Zimt oder etwas gemahlene Tonkabohne hervorragend. Wer es schokoladig mag, rührt einen Esslöffel Kakaopulver unter – das ergibt einen wunderbaren Schoko-Eierlikör.

Alkoholfreie Version: Statt Rum dieselbe Menge an Apfelsaft oder Traubensaft verwenden. Der Likör wird dann etwas flüssiger und fruchtiger, verliert aber nicht seinen cremigen Charakter. Wichtig: Alkoholfreier Eierlikör ist nur etwa 3–4 Tage haltbar und muss im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Tipps & häufige Fehler

Eierlikör flockt: Das passiert, wenn die Temperatur im Wasserbad zu hoch war und das Ei gestockt ist. Manchmal lässt sich das mit einem Stabmixer noch retten – einfach kräftig durchmixen. Beim nächsten Versuch die Hitze reduzieren und ein Küchenthermometer verwenden.

Eierlikör bleibt zu dünn: Wenn der Likör nach dem Abkühlen im Kühlschrank nicht andickt, war die Zeit im Wasserbad zu kurz. Leider lässt sich das im Nachhinein kaum korrigieren. Für den nächsten Versuch: mindestens 10 Minuten rühren und die Masse sorgfältig kontrollieren.

Eierlikör ist zu dickflüssig: Noch warmen Rum oder etwas Sahne einrühren und gut verrühren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Frische ist entscheidend: Nur Eier verwenden, die nicht älter als 10 Tage sind (Legedatum steht auf der Packung). Da die Eigelbe zwar erhitzt werden, aber nicht vollständig durchgaren, ist frischebedingte Hygiene besonders wichtig.

Haltbarkeit & Verwendung

Selbstgemachter Eierlikör hält sich im Kühlschrank 3–4 Wochen. Je höher der Alkoholgehalt, desto länger ist er haltbar – Varianten mit Weingeist übertreffen diese Faustregel deutlich. Vor dem Servieren die Flasche immer gut schütteln, da sich die Zutaten beim Lagern leicht trennen können.

Als Topping über eine Kugel Vanilleeis ist Eierlikör einfach unschlagbar. Er eignet sich auch hervorragend als Backzutat: Ein Schuss im Teig macht Rührkuchen besonders saftig. Wer ihn verschenken möchte, füllt ihn in hübsche Flaschen mit Korkverschluss – das ist ein persönliches Mitbringsel zu Ostern oder Weihnachten, das jeder gern empfängt.

Als Backzutat oder Füllung macht sich Eierlikör außerdem wunderbar im Frankfurter Kranz.

Die Geschichte des Eierlikörs

Dass Eierlikör etwas mit Avocados zu tun hat, klingt erst einmal absurd – und doch stimmt es. Im 17. Jahrhundert zeigten Ureinwohner Brasiliens den niederländischen Seefahrern ein Erfrischungsgetränk namens „Abacate“: ein cremiges Getränk aus dem Fruchtfleisch der Avocado, das die Einheimischen mit Rohrzucker und Rum verfeinerten. Die Seefahrer liebten es und brachten es als „Advocaat“ mit nach Europa.

Das Problem: Avocados waren auf dem europäischen Kontinent damals kaum zu bekommen. Also suchte man nach Alternativen, die dieselbe cremige Konsistenz erzeugen – und landete beim Eigelb. Der Name blieb erhalten, auch wenn aus der Avocado inzwischen das Ei geworden war.

Eugen Verpoorten gilt als der Pionier des modernen Eierlikörs. Im Jahr 1876 begann er in Heinsberg bei Aachen damit, das Getränk industriell herzustellen – unter dem deutschen Namen „Eierlikör“. Verpoortens Unternehmen ist bis heute tätig und kontrolliert einen Großteil des deutschen Marktes. Auf manchen Flaschen findet sich noch heute die Bezeichnung „Advocaat“, die an den brasilianischen Ursprung erinnert. Laut EU-Verordnung darf sich ein Produkt nur dann Advocaat nennen, wenn es mindestens 140 g Eigelb und 150 g Zucker pro Liter enthält und mindestens 14% vol. Alkohol aufweist.


Welcher Alkohol eignet sich am besten für Eierlikör?

Am beliebtesten ist weißer Rum (mind. 38% vol.), der dem Eierlikör eine leichte Süße verleiht. Wer einen neutralen Geschmack bevorzugt, greift zu Weingeist – er kommt dem holländischen Original am nächsten und ist in Apotheken erhältlich. Cognac oder Brandy verleihen dem Likör eine wärmere, tiefere Note, während Vodka oder Doppelkorn eine schärfere Variante ergeben. Entscheidend ist ein Alkoholgehalt von mindestens 38% vol., damit der Eierlikör ausreichend haltbar bleibt.

Warum wird für Eierlikör nur Eigelb verwendet?

Das Eigelb enthält Lecithin, einen natürlichen Emulgator, der Fett und Flüssigkeit zu einer stabilen, cremigen Masse verbindet. Ohne Eigelb würden Sahne und Alkohol sich wieder trennen. Das Eiweiß hingegen enthält keinen Emulgator und würde die Konsistenz wässrig machen. Das übrige Eiweiß lässt sich gut einfrieren oder für Baisers, Makronen oder Pavlova verwenden.

Warum muss Eierlikör über dem Wasserbad erhitzt werden?

Das Wasserbad erfüllt zwei Aufgaben: Es tötet mögliche Salmonellen ab, die in rohen Eiern vorkommen können, und es aktiviert das Lecithin im Eigelb, sodass es Sahne und Alkohol dauerhaft emulgiert. Ohne Erhitzung würde sich der Likör nach kurzer Zeit wieder trennen und die Haltbarkeit wäre deutlich kürzer. Wichtig: Die Temperatur sollte 65°C nicht überschreiten, damit das Ei nicht stockt.

Wie lange ist selbstgemachter Eierlikör haltbar?

Im Kühlschrank in einer gut verschlossenen Flasche ist selbstgemachter Eierlikör 3–4 Wochen haltbar. Je höher der Alkoholgehalt, desto länger. Eierlikör mit Weingeist hält sich entsprechend länger als solcher mit Rum oder Cognac. Vor dem Servieren immer gut schütteln, da sich die Zutaten beim Lagern leicht trennen können. Alkoholfreien Eierlikör innerhalb von 3–4 Tagen verbrauchen.

Warum flockt mein Eierlikör?

Flockiger Eierlikör entsteht, wenn das Ei im Wasserbad zu heiß wurde und gestockt ist. Das passiert meist bei über 70°C. Manchmal hilft es, die noch warme Masse kräftig mit einem Stabmixer durchzumixen – das kann die Flocken wieder auflösen. Beim nächsten Versuch: Hitze reduzieren, ein Thermometer verwenden und die Masse nie sprudelnd kochen lassen.

Was kann ich mit dem übrigen Eiweiß machen?

Das Eiweiß von 8 Eiern lässt sich vielfältig verwenden: für Baisers, Makronen, Pavlova oder Engelskuchen. Es lässt sich auch problemlos einfrieren (einzeln in Eiswürfelbehältern), bis du eine Verwendung dafür findest. Im Kühlschrank hält sich rohes Eiweiß in einem verschlossenen Behälter 2–3 Tage.

Kann ich Eierlikör auch ohne Alkohol machen?

Ja, das ist möglich. Statt Rum dieselbe Menge Apfelsaft, Traubensaft oder Orangensaft verwenden. Der Likör wird etwas flüssiger und bekommt eine fruchtige Note. Wichtig: Alkoholfreier Eierlikör ist nicht so lange haltbar und sollte innerhalb von 3–4 Tagen im Kühlschrank verbraucht werden. Er eignet sich gut als Dessert-Topping für Kinder oder für Personen, die keinen Alkohol trinken.