
Schlutzkrapfen sind die typische Pasta des Alpinraums – halbmondförmige Teigtaschen aus Roggenmehl mit einer würzigen Spinat-Topfen-Füllung, serviert in brauner Butter mit Parmesan. Das Gericht stammt aus Südtirol und Tirol, wo es seit Jahrhunderten zur Alltagsküche gehört. Dieses Rezept zeigt, wie du echte Schlutzkrapfen von Grund auf selber machen kannst – mit dem richtigen Roggenmehl-Teig, der charakteristischen Halbmond-Form und allen Tricks für eine gelungene Füllung.
Zutaten für Schlutzkrapfen
Für den Teig
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Roggenmehl | 150 g | Type 997 oder Vollkornroggenmehl |
| Weizenmehl | 150 g | Type 405 oder 550 |
| Eier | 2 Stück | Größe M, Zimmertemperatur |
| Olivenöl | 1 EL | |
| Salz | 1 TL | |
| lauwarmes Wasser | 50 ml | nach Bedarf, evtl. etwas mehr |
Für die Füllung
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| frischer Blattspinat | 300 g | oder 150 g tiefgekühlter, aufgetaut und gut ausgedrückt |
| Topfen | 200 g | oder Magerquark, gut abgetropft |
| Zwiebel | 1 Stück | klein, fein gehackt |
| Knoblauchzehe | 1 Stück | fein gehackt |
| Butter | 1 EL | zum Anbraten |
| Parmesan | 3 EL | frisch gerieben |
| Muskatnuss | 1 Prise | frisch gerieben |
| Salz und Pfeffer | nach Geschmack |
Zum Servieren
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Butter | 60 g | für die braune Butter |
| Parmesan | 4 EL | frisch gerieben |
| Schnittlauch | frisch, in Röllchen geschnitten |
Zubereitung
- Teig kneten: Beide Mehlsorten mit Salz in einer Schüssel mischen. Eier und Olivenöl hinzufügen und zunächst mit einer Gabel, dann mit den Händen verkneten. Das lauwarme Wasser löffelweise hinzugeben, bis ein geschmeidiger, nicht klebriger Teig entsteht. Roggenmehl nimmt Wasser langsam auf – kurz warten und nochmals kneten, bevor mehr Wasser zugegeben wird. Den Teig 5-8 Minuten kräftig kneten, bis er glatt und elastisch ist. In Frischhaltefolie wickeln und mindestens 30 Minuten bei Raumtemperatur ruhen lassen.
- Füllung vorbereiten: Butter in einer Pfanne erhitzen. Zwiebel und Knoblauch bei mittlerer Hitze 3-4 Minuten glasig dünsten. Frischen Spinat zugeben und zusammenfallen lassen (ca. 2-3 Minuten). Den Spinat in ein Sieb geben und mit einem Löffel so viel Flüssigkeit wie möglich ausdrücken – zu feuchte Füllung lässt den Teig reißen. Fein hacken, dann mit Topfen, Parmesan, Muskatnuss, Salz und Pfeffer mischen. Die Füllung sollte fest und nicht zu weich sein. Probieren und nachwürzen.
- Teig ausrollen: Den ausgeruhten Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche sehr dünn ausrollen – etwa 2-3 mm. Roggenteig ist etwas weniger elastisch als reiner Weizen-Nudelteig und verträgt kein zu starkes Ziehen. Gleichmäßig und ruhig walken. Aus dem Teig mit einem Glas oder Ausstecher Kreise von etwa 8-10 cm Durchmesser ausstechen.
- Schlutzkrapfen formen: In die Mitte jedes Teigkreises etwa einen gestrichenen Teelöffel Füllung geben – nicht zu viel, sonst platzen sie beim Kochen. Den Rand dünn mit Wasser befeuchten. Den Teigkreis zu einem Halbmond falten und die Ränder fest zusammendrücken. Wichtig: Sorgfältig darauf achten, dass keine Luft eingeschlossen wird. Die Ränder können zusätzlich mit einer Gabel zugepresst werden – das gibt eine schöne Musterung und dichtet noch besser ab. Fertige Schlutzkrapfen auf einem leicht bemehlten Tuch ablegen und nicht übereinanderschichten.
- Kochen und braune Butter: Einen großen Topf mit reichlich gesalzenem Wasser zum Kochen bringen. Schlutzkrapfen portionsweise (maximal 8-10 auf einmal) hineingeben und bei leichtem Sieden 3-5 Minuten garen, bis sie an die Oberfläche steigen und der Teig gar ist. Parallel Butter in einer hellen Pfanne oder einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze schmelzen und leicht bräunen lassen – sie soll duften und goldbraun werden, aber nicht verbrennen. Schlutzkrapfen mit einer Schaumkelle aus dem Wasser heben, kurz abtropfen lassen.
- Anrichten: Schlutzkrapfen auf vorgewärmten Tellern anrichten, braune Butter darübergießen, mit frisch geriebenem Parmesan bestreuen und mit Schnittlauchröllchen garnieren. Sofort servieren – Schlutzkrapfen werden beim Abkühlen weicher und verlieren ihre Textur.
Tipps für perfekte Schlutzkrapfen
Den Spinat wirklich trocken drücken: Das ist der häufigste Fehler. Zu viel Feuchtigkeit in der Füllung weicht den Teig von innen auf – die Schlutzkrapfen platzen beim Kochen oder werden matschig. Den blanchierten und abgekühlten Spinat in ein sauberes Küchentuch wickeln und fest ausdrücken. Es sollte kaum noch Flüssigkeit austreten.
Roggenmehl-Anteil beachten: Reiner Roggenteig wäre zu mürbe und schwer zu verarbeiten. Die Mischung aus Roggen- und Weizenmehl im Verhältnis 1:1 ergibt den typischen leicht nussigen Geschmack bei gleichzeitig guter Dehnbarkeit. Wer den Roggenanteil erhöhen möchte (bis 2:1 Roggen:Weizen ist möglich), muss etwas mehr Wasser verwenden.
Teigruhe nicht überspringen: Der Teig muss mindestens 30 Minuten ruhen, damit das Gluten entspannt und der Teig sich leichter ausrollen lässt. Gut gewickelt im Kühlschrank hält er auch über Nacht – dann ist die Verarbeitung am nächsten Tag sogar noch einfacher.
Was tun wenn der Teig reißt? Der Teig wurde entweder zu dünn ausgerollt oder ist zu trocken. Etwas Wasser auf die Hände geben und den Teig nochmals kneten. Beim nächsten Mal etwas dicker ausrollen (3 mm statt 2 mm) und darauf achten, dass die Mehlmischung stimmt.
Gleichmäßige Füllmenge: Ein gestrichener Teelöffel pro Schlutzkrapfen ist die ideale Menge. Zu wenig Füllung – das Ergebnis schmeckt nach Teig. Zu viel – sie platzen auf. Ein kleiner Spritzbeutel oder ein leerer Plastikbeutel mit abgeschnittener Ecke hilft beim gleichmäßigen Portionieren.
Variationen
Die Füllung der Schlutzkrapfen lässt sich vielfältig abwandeln. Die Spinat-Topfen-Variante ist die bekannteste und verbreitetste – aber in Südtirol und Tirol gibt es je nach Tal und Familie eigene Interpretationen.
Rote Bete mit Mohn: Eine in Südtirol beliebte Alternative ist die Füllung aus gekochter roter Bete, Topfen und Mohn. Das ergibt eine fuchsia-farbene Füllung mit leicht süßlich-erdiger Note. Auch mit braune Butter und Parmesan serviert.
Pilzfüllung: Getrocknete Steinpilze einweichen, fein hacken und mit etwas Ricotta mischen. Eine intensiv aromatische Alternative für den Herbst. Ähnliche Pilzfüllungen kennt man auch von Steinpilz-Ravioli.
Mit Ricotta statt Topfen: Wer keinen Topfen zur Hand hat, kann ihn durch Ricotta ersetzen. Ricotta ist cremiger und etwas milder im Geschmack – das Ergebnis ist etwas weicher in der Konsistenz.
Vegetarisch oder vegan: Das Grundrezept ist bereits vegetarisch. Für eine vegane Variante den Topfen durch Cashew-Creme oder Tofu ersetzen und Parmesan durch Hefeflocken. Der Teig kann mit Leinsamenschleim statt Eiern gebunden werden.
Wer mehr über selbst gemachte gefüllte Pasta lernen möchte, findet in unserem Ravioli-Grundrezept viele Tipps zu Teig und Formen, die sich auch auf Schlutzkrapfen übertragen lassen.
Beilagen und Getränke
Schlutzkrapfen kommen traditionell als eigenständiges Hauptgericht auf den Tisch – sie brauchen keine aufwendige Beilage. Die braune Butter, Parmesan und Schnittlauch sind die klassische Vollendung, die das Gericht rund macht.
Als Ergänzung passt ein einfacher grüner Salat mit einem leichten Essig-Öl-Dressing. In der Tiroler und Südtiroler Gastronomie wird oft ein kleines Stück Vollkornbrot oder Schüttelbrot dazu gereicht.
Zum Trinken empfehlen sich ein leichter Weißwein aus Südtirol – Gewürztraminer oder Pinot Grigio harmonieren gut mit der Spinat-Topfen-Füllung und der Nussnote der braunen Butter. Wer keinen Alkohol trinkt: stilles Mineralwasser oder ein milder Kräutertee passen ebenso.
Schlutzkrapfen einfrieren und aufbewahren
Schlutzkrapfen lassen sich gut auf Vorrat zubereiten. Am besten ungekocht einfrieren: Die fertig geformten Teigtaschen auf einem bemehlten Tablett nebeneinander ausbreiten (nicht übereinander) und 1-2 Stunden vorfrieren. Erst danach in einen Gefrierbeutel umfüllen – so kleben sie nicht zusammen. Im Gefrierfach halten sie sich bis zu 3 Monate.
Zum Kochen direkt aus dem Gefrierfach in kochendes Salzwasser geben – einfach 1-2 Minuten länger garen als frisch.
Bereits gekochte Schlutzkrapfen im Kühlschrank 1-2 Tage aufbewahren. Zum Aufwärmen in einer Pfanne mit etwas Butter bei niedriger Hitze erwärmen – nicht in der Mikrowelle, da sie dadurch weich und klebrig werden.
Die Geschichte der Schlutzkrapfen
Der Name „Schlutzkrapfen“ geht auf das mittelhochdeutsche Wort „schlutzen“ zurück, das so viel bedeutet wie „gleiten“ oder „rutschen“ – eine Anspielung auf die glatte, butterige Art, wie die Teigtaschen gegessen werden. Regional heißen sie auch Schlipfkrapfen (Osttirol), Schlickkrapfen (Kärnten) oder auf Ladinisch Crafuncins.
Das Gericht ist tief in der Küche des Alpenraums verwurzelt und verbindet österreichische und norditalienische Kochtradition. Südtirol, das bis 1919 zu Österreich gehörte, ist bis heute das kulturelle Zentrum dieser Speise – hier heißen sie auch „Ravioli tirolesi“ oder schlicht „Mezzelune“ (Halbmonde).
Ähnliche gefüllte Teigtaschen mit regionalem Roggenmehl findet man in den ganzen Alpen: die Kärntner Nudeln in Österreich, die Casunziei aus den Dolomiten und die Cjarsons aus dem Friaul folgen dem gleichen Prinzip – Resteverwertung mit dem, was die alpine Landwirtschaft hergab: Roggen, Molkereiprodukte und saisonales Gemüse.
Was ist in Schlutzkrapfen drin?
Schlutzkrapfen sind halbmondförmige Teigtaschen aus einem Roggen-Weizenmehl-Teig. Die traditionelle Füllung besteht aus gedünstetem Spinat und Topfen (Quark), gewürzt mit Muskatnuss, Knoblauch und Parmesan. Serviert werden sie in brauner Butter mit geriebenem Parmesan und Schnittlauch. Regional gibt es Variationen mit roter Bete und Mohn, Pilzen oder Kartoffeln.
Was ist der Unterschied zwischen Ravioli und Schlutzkrapfen?
Ravioli sind eine italienische gefüllte Pasta aus reinem Weizenmehl und werden meist quadratisch oder rund geformt. Schlutzkrapfen stammen aus Südtirol und Tirol und werden als Halbmond (halbe Kreisform) geformt. Der wichtigste Unterschied liegt im Teig: Schlutzkrapfen enthalten Roggenmehl, was ihnen einen leicht nussigen Geschmack und dunklere Farbe gibt. Auch die klassische Füllung mit Spinat und Topfen ist typisch alpin – nicht mediterran.
Was ist Schlutzkrapfen?
Schlutzkrapfen sind ein traditionelles Pasta-Gericht aus Südtirol und Tirol. Es handelt sich um halbmondförmige Teigtaschen aus Roggen-Weizenmehl-Teig mit einer Füllung aus Spinat und Topfen (Quark). Das Gericht gehört zu den bekanntesten Spezialitäten der Alpenküche und wird typischerweise mit brauner Butter, Parmesan und Schnittlauch serviert. Der Name leitet sich vom mittelhochdeutschen „schlutzen“ (gleiten) ab.
Warum heißen Schlutzkrapfen so?
Der Name leitet sich von „schlutzen“ ab – einem mittelhochdeutschen Wort für „gleiten“ oder „rutschen“. Das bezieht sich auf die butterige, gleitende Art, wie die Teigtaschen gegessen werden. „Krapfen“ ist ein altes deutsches Wort für eine Art Teigtasche oder Gebäck. Regional gibt es verschiedene Namen: Schlipfkrapfen in Osttirol, Schlickkrapfen in Kärnten oder auf Ladinisch Crafuncins.
Kann man Schlutzkrapfen einfrieren?
Ja, sehr gut sogar. Am besten ungekocht einfrieren: Die fertig geformten Schlutzkrapfen auf einem bemehlten Tablett nebeneinander vorfrieren (1-2 Stunden), dann erst in Gefrierbeutel umfüllen. So kleben sie nicht zusammen. Im Gefrierfach halten sie sich bis zu 3 Monate. Zum Garen direkt aus dem Gefrierfach in kochendes Salzwasser geben und 1-2 Minuten länger kochen als frisch.
Kann man die Füllung am Vortag vorbereiten?
Ja, die Füllung lässt sich 1-2 Tage im Voraus zubereiten und im Kühlschrank aufbewahren. Wichtig: abgedeckt lagern und vor der Verwendung nochmals gut durchrühren. Auch der Teig kann am Vortag gemacht werden – gut in Frischhaltefolie eingewickelt im Kühlschrank aufbewahren und vor dem Ausrollen kurz auf Zimmertemperatur kommen lassen.
Warum platzen meine Schlutzkrapfen beim Kochen?
Die häufigsten Ursachen: Zu feuchte Füllung (Spinat nicht gut genug ausgedrückt), zu viel Füllung pro Teigtasche oder Lufteinschlüsse beim Formen. Den Rand immer gut andrücken und mit einem feuchten Finger versiegeln. Außerdem nicht zu stark sprudelnd kochen lassen – ein sanftes Sieden ist schonender als starkes Kochen.
Sind Schlutzkrapfen vegetarisch?
Ja, das klassische Schlutzkrapfen-Rezept mit Spinat-Topfen-Füllung ist vegetarisch. Der Teig enthält Eier, der Käse (Parmesan, Topfen) ist tierischen Ursprungs. Für eine vegane Variante lassen sich Eier durch Leinsamenschleim ersetzen, Topfen durch Cashew-Creme und Parmesan durch Hefeflocken.