Kasslerbraten aus dem Ofen gehört zu den Gerichten der deutschen Küche, die man einfach kennen muss. Das Fleisch ist gepökelt und leicht geräuchert – das gibt ihm diesen unverwechselbaren, würzigen Charakter, der kein weiteres Aroma mehr braucht. Mit einer sämigen Zwiebel-Soße und serviert zu Sauerkraut und Kartoffelpüree wird dieses Rezept schnell zum Lieblingsessen der ganzen Familie.
Zutaten für den Kasslerbraten
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Kasslerkamm | 1200 g | am Stück, ohne Knochen |
| Zwiebeln | 2 Stück | grob halbiert |
| Pflanzenöl | 2 EL | zum Anbraten |
| Lorbeerblatt | 1 Stück | |
| Pfefferkörner | 4 Stück | ganz |
| Wacholderbeeren | 3 Stück | leicht angedrückt |
| Fleischbrühe | 200 ml | oder Wasser |
| Salz und Pfeffer | nach Geschmack |
Für die Soße
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Butter | 50 g | |
| Zwiebel | 1 Stück | fein gewürfelt |
| Weizenmehl | 40 g | Type 405 |
| Bratensaft | 400 ml | vom Kassler, ggf. mit Brühe auffüllen |
| Balsamicoessig | 1 EL | dunkel |
| Zucker | 1 Prise | |
| Salz und Pfeffer | nach Geschmack |
Zubereitung
- Ofen vorheizen: Den Backofen auf 160 °C Ober-/Unterhitze vorheizen (Umluft: 140 °C). Einen Bräter oder eine ofenfeste Pfanne mit Deckel bereitstellen.
- Kassler anbraten: Das Öl im Bräter bei starker Hitze erhitzen. Den Kasslerkamm von allen Seiten scharf anbraten – etwa 3 bis 4 Minuten pro Seite, bis eine goldbraune Kruste entsteht. Die Zwiebelhälften dazugeben und kurz mit anrösten. Die Röstaromen, die dabei entstehen, gehen später vollständig in die Soße über und sind für den tiefen Geschmack entscheidend.
- Gewürze und Brühe zugeben: Lorbeerblatt, Pfefferkörner und Wacholderbeeren hinzufügen. Mit der Fleischbrühe ablöschen und dabei den Bratensatz sorgfältig vom Boden lösen.
- Im Ofen garen: Den Bräter mit dem Deckel schließen und auf der mittleren Schiene in den vorgeheizten Ofen schieben. Den Kassler bei 160 °C etwa 60 bis 70 Minuten garen. Alle 20 Minuten den Deckel kurz abnehmen und das Fleisch mit dem Bratensaft übergießen. In den letzten 10 Minuten den Deckel weglassen, damit die Oberfläche leicht karamellisiert.
- Fleisch ruhen lassen: Den Kassler aus dem Ofen nehmen, auf ein Schneidebrett legen und locker mit Alufolie abdecken. 10 Minuten ruhen lassen. In dieser Zeit entspannen sich die Fleischfasern und das Fleisch bleibt beim Aufschneiden saftig.
- Soße zubereiten: Den Bratensaft durch ein feines Sieb in einen Messbecher gießen und überschüssiges Fett abschöpfen. Butter in einem kleinen Topf schmelzen und die Zwiebelwürfel darin glasig andünsten. Das Mehl einrühren und kurz anschwitzen. Den Bratensaft unter ständigem Rühren nach und nach angießen. Alles aufkochen und 5 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen, bis die Soße sämig ist. Mit Balsamicoessig, Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken.
- Anrichten: Den Kassler in Scheiben von etwa 1,5 cm Dicke schneiden. Auf vorgewärmten Tellern mit der Soße, Sauerkraut und Kartoffelpüree servieren.
Tipps für einen perfekten Kasslerbraten
Den richtigen Kassler wählen: Am besten eignet sich der Kasslerkamm – das ist das Nackenfilet des Schweins. Es hat eine gute Fettmarmorierung, die das Fleisch beim Garen saftig hält. Ein Stück mit mindestens 6 bis 8 cm Dicke ist ideal, damit das Fleisch nicht austrocknet. Kasslernieder (auch Kasseler Nacken genannt) funktioniert ebenfalls hervorragend.
Das Anbraten nicht überspringen: Viele Hobbyköche überspringen diesen Schritt, um Zeit zu sparen – ein Fehler. Die Maillard-Reaktion beim Anbraten erzeugt Hunderte von Aromastoffen. Ohne Anbraten fehlt der Soße die Tiefe und das Fleisch schmeckt flach.
Kerntemperatur statt Uhrzeit: Da jeder Ofen etwas anders heizt, ist ein Fleischthermometer die sicherste Methode. Die Kerntemperatur sollte 65 bis 70 °C erreichen. Dann ist das Fleisch durchgegart und bleibt noch saftig.
Regelmäßig übergießen: Alle 20 Minuten das Fleisch mit dem Bratensaft übergießen. Das hält die Oberfläche feucht und verhindert, dass der Kassler oben austrocknet, während die Unterseite im Saft liegt.
Soße bei Bedarf binden: Wenn die Soße nach dem Aufkochen zu flüssig bleibt, 1 Teelöffel Speisestärke in etwas kaltem Wasser anrühren und einrühren. Nochmals kurz aufkochen. Alternativ länger bei niedriger Hitze reduzieren.
Ruhezeit einhalten: Die 10 Minuten Ruhezeit nach dem Ofen sind kein optionaler Schritt. Wer das Fleisch sofort aufschneidet, verliert viel Saft auf dem Schneidebrett. Geduld zahlt sich hier aus.
Deckel ab für die Kruste: In den letzten 10 bis 15 Minuten den Deckel abnehmen. Die Oberfläche des Kasslers trocknet leicht an und bekommt eine appetitliche, leicht karamellisierte Kruste, die optisch und geschmacklich einen großen Unterschied macht.
Die besten Beilagen zum Kasslerbraten
Die absolut klassische Kombination der deutschen Hausmannskost ist selbst gemachtes Sauerkraut und Kartoffelpüree. Das Sauerkraut bringt eine angenehme Säure mit, die das würzig-salzige Kassler-Fleisch perfekt ausbalanciert. Das Kartoffelpüree nimmt die sämige Soße wunderbar auf.
Kartoffeln auf verschiedene Arten: Wer kein Püree mag, greift zu Salzkartoffeln, Pellkartoffeln oder Bratkartoffeln. Alle drei Varianten passen gut zum kräftigen Fleischgeschmack. Kartoffelklöße aus der traditionellen deutschen Küche sind beim Sonntagsessen ebenfalls eine beliebte Wahl.
Kohl als Beilage: Neben Sauerkraut eignet sich Rotkohl sehr gut – er bringt eine leicht süßliche Note und schöne Farbe auf den Teller. In Norddeutschland wird Kassler traditionell auch mit Grünkohl serviert – eine Kombination, die in der kalten Jahreszeit ihresgleichen sucht.
Leichtere Alternativen: Wer es weniger deftig mag, kombiniert den Kasslerbraten mit gedünstetem Wirsing, glasierten Möhren oder Rosenkohl. Diese Beilagen nehmen die Soße ebenfalls gut auf, ohne das Gericht schwer zu machen.
Brot für die Soße: Ein gutes, kräftiges Bauernbrot auf dem Tisch ist keine Pflicht, aber kaum jemand lässt die letzten Reste der Soße auf dem Teller zurück.
Variationen
Kassler mit Senfkruste: Vor dem Garen das Fleisch mit einer Mischung aus grobkörnigem Senf, Honig und etwas frischem Thymian einstreichen. Die Senfkruste karamellisiert im Ofen und bildet eine würzige Schicht, die jede Scheibe besonders macht.
Kasslerbraten mit Ananas: Eine ungewöhnliche, aber überraschend beliebte Variante. Ananasscheiben (aus der Dose oder frisch) werden in den letzten 20 Minuten mit in den Bräter gegeben. Die Fruchtsäure macht das Fleisch zarter und die Soße bekommt eine leichte Süße, die gut zum rauchigen Aroma passt.
Kassler im Bratschlauch: Im Bratschlauch bleibt das Fleisch besonders saftig, da keine Feuchtigkeit entweichen kann. Den Kassler mit Zwiebeln und Gewürzen in den Bratschlauch geben, verschließen und bei 180 °C etwa 70 Minuten garen. Die Soße entsteht direkt im Schlauch.
Kasslerbraten aus dem Schnellkochtopf: Wer wenig Zeit hat, kann den Kassler im Schnellkochtopf in nur 25 bis 30 Minuten garen. Dafür das Fleisch zuerst im offenen Topf anbraten, dann Zwiebeln und Brühe hinzufügen und bei vollem Druck 25 Minuten kochen. Das Ergebnis ist etwas weicher als beim Ofen-Rezept, aber sehr saftig.
Kassler mit Rotkohl im Bräter: Kassler und Rotkohl gemeinsam im Bräter zu garen ist ein echter Geheimtipp für wenig Aufwand. Rotkohl in grobe Streifen schneiden, mit Äpfeln, Zwiebeln, Lorbeerblatt und einem Schluck Rotwein in den Bräter geben, den Kassler obenauf setzen und alles gemeinsam 75 Minuten schmoren. Ein komplettes Winteressen aus einem einzigen Topf.
Kasslerbraten auf dem Grill: Im Sommer lässt sich Kassler auch auf dem Grill zubereiten. Das Fleisch indirekt bei 160 °C unter dem Deckel etwa 60 Minuten grillen, dabei regelmäßig mit Bier oder Apfelsaft bestreichen.
Lagerung und Aufwärmen
Im Kühlschrank: Übrig gebliebener Kasslerbraten hält sich in einem luftdicht verschlossenen Behälter im Kühlschrank 3 bis 4 Tage. Die Soße getrennt aufbewahren und beim Aufwärmen wieder dazugeben.
Einfrieren: Kasslerbraten lässt sich gut einfrieren. Das Fleisch in Scheiben schneiden, portionsweise in Gefrierbeuteln einfrieren. Haltbarkeit: bis zu 3 Monate. Die Soße kann ebenfalls eingefroren werden. Zum Auftauen über Nacht in den Kühlschrank stellen.
Aufwärmen: Am besten in einer Pfanne bei mittlerer Hitze mit etwas Soße oder Brühe aufwärmen – so bleibt das Fleisch saftig und trocknet nicht aus. Alternativ in der Mikrowelle bei mittlerer Stufe, abgedeckt. Im Backofen bei 120 °C in einer abgedeckten Form ebenfalls möglich.
Kalt essen: Kasslerbraten schmeckt auch kalt hervorragend – in dünnen Scheiben auf Brot mit Senf und Gewürzgurken ist er ein herzhaftes Mittagessen ohne viel Aufwand.
Wissenswertes über Kassler
Kassler ist gepökeltes und leicht geräuchertes Schweinefleisch – meistens vom Nacken (Kamm) oder der Lende. Das Räuchern verleiht ihm das charakteristische Aroma, das aus einem simplen Stück Schweinefleisch ein eigenständiges Produkt mit unverwechselbarem Charakter macht.
Um den Namen rankt sich eine hartnäckige Berliner Legende: Demnach soll ein Metzger namens Cassel das Produkt im ausgehenden 19. Jahrhundert in Berlin erfunden haben. Historische Belege für diese Person existieren allerdings nicht – und eine Verbindung zur nordhessischen Stadt Kassel lässt sich wissenschaftlich ebenfalls nicht nachweisen. Die genaue Herkunft des Namens bleibt ungeklärt.
In anderen Ländern gibt es ähnliche Produkte unter anderen Namen: In Schweden heißt eine vergleichbare geräucherte Schweinemedaillons ebenfalls „Kassler“ und wird dort warm oder kalt gegessen. In den Niederlanden kennt man „Casselerrib“ als dünne Aufschnittvariante. In Dänemark ist „Hamburgerryg“ ein verwandtes Produkt, das traditionell zu Weihnachten auf den Tisch kommt.
In Deutschland gehört Kassler zur deftig-bürgerlichen Küche, die vor allem in der kalten Jahreszeit beliebt ist. Da es bereits gepökelt und geräuchert ist, lässt es sich gut lagern – ein pragmatischer Vorzug, der seine Verbreitung erklärt. In der DDR-Küche war Kassler besonders beliebt: als verlässliches, preiswertes Fleischgericht, das sich vielseitig einsetzen ließ. Bekannt ist es unter anderem aus dem Erbseneintopf, wo ein Stück Kassler dem Gericht seinen typischen rauchig-würzigen Charakter gibt.
In der modernen Küche erlebt Kassler ein leises Revival. Als Schmorbraten, als Grillfleisch oder in Kombination mit modernen Beilagen schätzen auch jüngere Köche sein unkompliziertes, tiefes Aroma.
Was ist der Unterschied zwischen Kassler und Kasslerbraten?
Kassler ist der Name für das gepökelte und leicht geräucherte Schweinefleisch als Rohzutat. Ein Kasslerbraten ist das fertige Gericht, das aus einem großen Stück Kassler im Ofen oder auf dem Herd zubereitet wird. Der Braten bezeichnet die Zubereitungsform, nicht eine andere Fleischsorte. Beide Schreibweisen – Kassler und Kasseler – sind korrekt und meinen dasselbe Produkt.
Wie lange braucht Kassler im Ofen?
Ein Kasslerkamm von 1,2 kg braucht bei 160 °C Ober-/Unterhitze etwa 60 bis 70 Minuten im Ofen. Als Faustregel gilt: pro 500 g Fleisch etwa 25 bis 30 Minuten Garzeit einplanen. Am sichersten ist ein Fleischthermometer: Die Kerntemperatur sollte 65 bis 70 °C erreichen, dann ist das Fleisch durchgegart und bleibt noch angenehm saftig.
Muss man Kassler vorher kochen?
Nein, Kassler muss nicht vorher gekocht werden. Da es bereits gepökelt und geräuchert ist, reicht das Garen im Ofen vollständig aus. Wer möchte, kann Kassler auch ausschließlich in Wasser oder Brühe kochen – das gibt ein zarteres, weniger kräftiges Ergebnis. Das Anbraten vor dem Ofengaren ist jedoch sehr empfehlenswert, da es die Röstaromen für Fleisch und Soße erzeugt.
Kann man Kasslerbraten einfrieren?
Ja, Kasslerbraten lässt sich gut einfrieren. Das Fleisch am besten in Scheiben schneiden und portionsweise in Gefrierbeuteln oder Behältern einfrieren. Die Soße separat einfrieren. Im Gefrierfach hält sich der Kasslerbraten bis zu 3 Monate. Zum Auftauen über Nacht in den Kühlschrank stellen und beim Aufwärmen etwas Brühe dazugeben, damit das Fleisch saftig bleibt.
Welche Soße passt zu Kasslerbraten?
Die klassische Begleitung ist eine dunkle Bratensauce auf Basis des Bratensafts, angebunden mit Mehlschwitze und abgeschmeckt mit Balsamicoessig und einer Prise Zucker. Wer es fruchtig mag, ergänzt den Bratensaft mit einem Schuss Apfelsaft. Auch eine einfache Senfsoße aus Senf, Sahne und Brühe passt gut. Für besondere Anlässe harmoniert eine Rotweinsoße ausgezeichnet mit dem geräucherten Fleisch.
Wie lange ist Kasslerbraten im Kühlschrank haltbar?
Fertig gegartem Kasslerbraten hält sich im Kühlschrank in einem luftdicht geschlossenen Behälter 3 bis 4 Tage. Die Soße getrennt aufbewahren. Da Kassler bereits gepökelt ist, hält es sich etwas länger als normaler Schweinebraten. Beim Aufwärmen sicherheitshalber auf mindestens 70 °C erhitzen.
Was ist der Unterschied zwischen Kasslerbraten und Schweinebraten?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Fleischverarbeitung: Kassler ist bereits gepökelt und geräuchert, bevor es in den Ofen kommt. Das verleiht ihm das charakteristische würzig-rauchige Aroma und eine rötlichere Farbe im fertigen Gericht. Schweinebraten besteht aus rohem, unbehandeltem Fleisch und braucht daher deutlich mehr Würze beim Kochen. Kasslerbraten ist außerdem etwas schneller gar, da das Fleisch durch die Pökelung bereits eine veränderte Gewebestruktur hat.