
Der Kärntner Reindling ist ein süßer Hefekuchen aus Kärnten, gefüllt mit Rosinen, Zimt, Zucker und Butter. Traditionell wird er in einer runden Form, dem namensgebenden Reindl, gebacken und gehört zum Osterfrühstück genauso dazu wie Schinken und Kren. Dieses Rezept folgt der klassischen Zubereitung mit lockerem Germteig und üppiger Zimtfüllung.
Zutaten für Kärntner Reindling
Für den Germteig
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Weizenmehl | 500 g | Type 550 |
| Milch | 250 ml | lauwarm |
| frische Hefe | 1 Würfel | 42 g, alternativ 1 Pck. Trockenhefe |
| Zucker | 80 g | |
| Butter | 80 g | weich |
| Eigelb | 3 Stück | Größe M |
| Vanillezucker | 1 Pck. | |
| Salz | 1 Prise | |
| Bio-Zitrone | 1 Stück | abgeriebene Schale |
Für die Füllung
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Rosinen | 150 g | |
| Rum | 3 EL | optional, zum Einweichen |
| Butter | 80 g | zerlassen |
| Zucker | 100 g | |
| Zimt | 2 EL | gemahlen |
Für die Form
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Butter | 2 EL | zerlassen |
| Zucker | 2 EL | zum Bestreuen |
Zubereitung
- Rosinen einweichen: Die Rosinen in eine kleine Schüssel geben, mit Rum übergießen (alternativ mit warmem Wasser) und mindestens 30 Minuten quellen lassen. Dadurch werden sie saftig und geben später ein feines Aroma an den Teig ab.
- Dampfl ansetzen: Die Hefe in der lauwarmen Milch mit einem Teelöffel Zucker auflösen. Etwa 100 g vom Mehl unterrühren, sodass ein dickflüssiger Vorteig entsteht. Mit einem Tuch abdecken und an einem warmen Ort 15 Minuten gehen lassen, bis sich deutlich Blasen bilden.
- Hauptteig kneten: Das restliche Mehl, den Zucker, das Vanillesalz, die Prise Salz, die Eigelbe, die weiche Butter und die abgeriebene Zitronenschale zum Dampfl geben. Alles in der Küchenmaschine mit dem Knethaken oder von Hand mindestens 10 Minuten zu einem glatten, glänzenden Teig kneten. Er soll sich vom Schüsselrand lösen.
- Erste Gehzeit: Den Teig zur Kugel formen, mit etwas Mehl bestäuben und abgedeckt an einem warmen Ort 45 bis 60 Minuten gehen lassen, bis er sein Volumen verdoppelt hat.
- Form vorbereiten: Eine klassische Reindl- oder Gugelhupfform (24-26 cm Durchmesser) mit zerlassener Butter ausstreichen und gleichmäßig mit Zucker ausstreuen. Der Zucker karamellisiert beim Backen und bildet eine feine, knusprige Kruste an der Außenseite.
- Teig ausrollen: Den aufgegangenen Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche zu einem Rechteck von etwa 40 x 60 cm ausrollen. Die Teigplatte soll möglichst gleichmäßig dünn sein, damit die Füllung sich später schön verteilt.
- Füllung verteilen: Die zerlassene Butter mit einem Pinsel auf der gesamten Teigplatte verteilen, dabei am oberen Rand zwei Zentimeter frei lassen. Zucker und Zimt mischen und gleichmäßig auf der Butter verstreuen. Zum Schluss die abgetropften Rosinen darauf verteilen.
- Aufrollen: Den Teig von der unteren Längsseite her möglichst straff aufrollen. Die Naht am Ende gut andrücken, damit sich die Rolle beim Backen nicht öffnet.
- In die Form legen: Die Teigrolle vorsichtig in die vorbereitete Form legen und die Enden gut zusammendrücken, sodass ein geschlossener Ring entsteht. Die Form soll nur zu zwei Dritteln gefüllt sein – der Teig geht beim Backen noch deutlich auf.
- Zweite Gehzeit: Den Reindling abgedeckt nochmals 30 bis 45 Minuten gehen lassen, bis der Teig sichtbar aufgegangen ist und beim leichten Eindrücken langsam zurückspringt.
- Backen: Den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze (160 °C Heißluft) vorheizen. Den Reindling auf der zweiten Schiene von unten 50 bis 60 Minuten backen, bis er goldbraun ist. Bei der Stäbchenprobe sollte kein feuchter Teig mehr haften. Wird die Oberfläche zu früh dunkel, mit Alufolie abdecken.
- Stürzen und auskühlen: Den fertigen Reindling 10 Minuten in der Form ruhen lassen, dann auf ein Kuchengitter stürzen und vollständig auskühlen lassen. Vor dem Anschneiden mit Staubzucker bestreuen.
Was ist Kärntner Reindling überhaupt?
Der Reindling ist die wichtigste süße Backspezialität Kärntens und steht in jedem Osternest, das etwas auf sich hält. Im Kern ist er ein gefüllter Germteig, also ein Hefeteig, der ausgerollt, mit Butter, Zimt, Zucker und Rosinen bestrichen und dann aufgerollt wird. Anschließend kommt er in einer runden Form in den Ofen, wo er zu einem kranzförmigen Kuchen mit charakteristischer Spirale im Anschnitt heranwächst.
Anders als ein klassischer Hefezopf oder ein Rosinenstollen ist der Reindling deutlich saftiger und buttriger, gleichzeitig aber weniger süß als die meisten deutschen Hefeteigkuchen. Das macht ihn zu einem perfekten Begleiter sowohl zum Osterschinken mit Kren als auch zum Kaffee am Nachmittag.
Die Geschichte des Reindlings
Der Name leitet sich vom Reindl ab, einer flachen, runden Tonform, in der das Gebäck früher in jedem kärntnerischen Bauernhaus gebacken wurde. Diese irdene Form hatte den Vorteil, die Hitze gleichmäßig zu speichern und die Außenseite des Teigs leicht zu karamellisieren – eine Eigenschaft, die moderne Gugelhupfformen mit dem Trick aus gebutterter und gezuckerter Innenseite imitieren.
Historisch ist der Reindling eng mit dem Osterfest verbunden. In Unterkärnten wird er traditionell zur Osterjause serviert, gemeinsam mit Schinken, hartgekochten Eiern, Kren und Selchwürsten. Die Kombination aus süßem Kuchen und salzig-würziger Brettljause ist typisch für die Region und wird seit Generationen so gepflegt.
Auch beim Kirchtag, dem dörflichen Patroziniumsfest, gehört der Reindling fest dazu. Er begleitet dort die Kirchtagssuppe und macht aus dem Festtag eine kulinarische Reise durch die kärntnerische Tradition.
Warum heißt es Reindling und nicht Reinling?
Sprachlich gibt es zwei Varianten: Reindling ist die in Kärnten gebräuchliche Form, im hochdeutschen Lexikon und auf Wikipedia steht der Eintrag dagegen unter Reinling. Beide bezeichnen dasselbe Gebäck. Die Schreibweise mit d hat sich in Österreich durchgesetzt, weil sie die mundartliche Aussprache mit eingeschobenem Konsonanten besser abbildet. Wer ein Original-Rezept aus Kärnten sucht, findet es nahezu immer unter „Reindling“.
Variationen
So traditionell der Reindling ist – es gibt mehr Varianten als manchmal angenommen wird:
Klassisch mit Rosinen – die hier beschriebene Standardversion, wie sie in fast jeder kärntnerischen Familie gebacken wird.
Nusspotize – eine festlichere Variante mit gemahlenen Walnüssen in der Füllung, oft komplett ohne Rosinen. Die Nusspotize wird gerne in einer etwas flacheren Form gebacken und gilt als die noblere Schwester des Alltagsreindlings.
Woaza oder Woazas – eine unterkärntner Spielart, die ganz ohne Füllung auskommt. Hier wird nur ein leicht süßer, buttriger Germteig gebacken, der dann als süßes Brot zur Jause gereicht wird.
Slowenische Potica – jenseits der Karawanken backt man dasselbe Gebäck unter dem Namen Potica oder Pogača. Die slowenische Variante kennt sehr viele Füllungen, von Walnuss über Mohn bis hin zu Estragon und Honig.
Vegane Variante – statt Butter Pflanzenmargarine, statt Eigelb ein Schuss Pflanzenmilch oder ein Esslöffel Apfelmus. Das Ergebnis ist erstaunlich nah am Original und für vegan lebende Familien eine willkommene Anpassung.
Was wird zum Reindling serviert?
In Kärnten ist die Antwort fast immer dieselbe: Brettljause. Die Kombination aus süßem Reindling, gekochtem Schinken, frisch geriebenem Kren, hartgekochten Eiern, Speck und Hauswürsten ist eine regionale Spezialität, die man in dieser Form sonst kaum findet. Wer den Reindling pur als Kuchen genießen möchte, kombiniert ihn am besten mit einem Espresso oder einer Tasse Schwarztee. Eine andere klassische Verwendung: in Scheiben geschnitten und kurz in Butter angebraten – so wird aus übrig gebliebenem Reindling am nächsten Tag ein süßer Frühstücksgenuss.
Wer die kärntnerische Festtafel komplettieren möchte, findet bei uns auch das passende herzhafte Gegenstück: ein Rezept für Kärntner Kasnudeln sowie eine klassische Brettljause.
Tipps für den perfekten Reindling
Geduld beim Gehen – der Teig braucht Zeit. Ist die Küche kühl, lieber 75 statt 60 Minuten warten, sonst wird der Reindling nicht so locker, wie er sein soll.
Lauwarme Milch, nicht heiß – Hefe stirbt bei mehr als 40 °C. Mit dem Finger prüfen: angenehm warm, nicht heiß.
Form gut buttern und zuckern – das ist der entscheidende Schritt für die karamellisierte Kruste. Eine schlecht gefettete Form lässt den Reindling kleben und beim Stürzen reißen.
Nicht zu lange backen – ein trockener Reindling ist die häufigste Sünde. Wenn die Oberfläche bräunt und die Stäbchenprobe knapp sauber ist, raus aus dem Ofen.
Stäbchenprobe richtig deuten – das Holzstäbchen muss nicht knochentrocken sein. Wenige feuchte Krümel sind ein gutes Zeichen, der Teig zieht beim Auskühlen nach.
Lieber morgens backen – der Reindling schmeckt am ersten Tag gut, am zweiten oft noch besser. Wer am Ostersonntag servieren möchte, backt am Karsamstag.
Fun Facts rund um den Reindling
In manchen kärntnerischen Gemeinden gibt es noch heute den Brauch, dass der Reindling vom Patenkind nach Hause getragen wird, wenn nach der Osternachtmesse die Speisensegnung stattgefunden hat. Das Patenkind bekommt dafür ein Stück vom heiligen Brot und ein paar Münzen als Geschenk.
Die Form des Reindlings ist auch symbolisch: Der geschlossene Kranz steht für Auferstehung und Vollendung, die Spirale im Anschnitt erinnert an den Lauf des Lebens. Diese Symbolik ist eng mit dem österlichen Kontext verbunden und macht den Reindling zu mehr als nur einem Kuchen.
Der Reindling ist auch Wirtschaftsgut: In Klagenfurt und Villach gibt es Bäckereien, die das Gebäck saisonal versenden und damit Reindlings-Liebhaber in ganz Europa beliefern. In manchen Familien gilt die Regel, dass die Großmutter den Reindling backt und niemand sonst sich daran versucht, bevor sie nicht ausdrücklich das Rezept weitergegeben hat.
Was ist ein Kärntner Reindling genau?
Der Kärntner Reindling ist ein traditioneller süßer Hefekuchen aus Kärnten, gefüllt mit Rosinen, Zimt, Zucker und Butter und in runder Form gebacken. Er gehört vor allem zur Osterjause, wird aber auch zu anderen Festen wie dem Kirchtag serviert. Sein Name leitet sich von der ursprünglichen Backform, dem Reindl, ab.
Wie lange ist Kärntner Reindling haltbar?
In Frischhaltefolie eingeschlagen hält sich der Reindling bei Raumtemperatur etwa 3 bis 4 Tage. Er schmeckt am zweiten und dritten Tag oft sogar saftiger als frisch gebacken, weil die Butter und der Zimt mehr Zeit haben, sich zu verteilen. Eingefroren ist er bis zu 3 Monate haltbar – vor dem Servieren bei Raumtemperatur auftauen lassen.
Kann man Reindling in der Form auskühlen lassen?
Nicht vollständig. Den Reindling 10 bis 15 Minuten in der Form ruhen lassen, dann stürzen und auf einem Gitter komplett auskühlen. Bleibt er länger in der Form, zieht das Kondenswasser von unten in den Kuchen und die schöne karamellisierte Kruste wird matschig. Außerdem klebt er nach längerem Stehen am Boden fest.
Warum geht mein Reindling nicht auf?
Die häufigsten Ursachen sind zu heiße oder zu kalte Milch beim Ansetzen des Dampfls, zu alte Hefe oder eine zu kalte Umgebung beim Gehen. Die Milch sollte lauwarm sein (35 bis 37 °C), die Hefe gut riechen und der Teig an einem zugfreien, warmen Ort gehen. Ist die Küche unter 20 °C, hilft der leicht angewärmte, aber ausgeschaltete Backofen.
Kann ich den Reindling am Vortag backen?
Ja, das ist sogar empfehlenswert. Der Reindling schmeckt am Tag nach dem Backen oft noch aromatischer, weil die Füllung Zeit hat, sich gleichmäßig zu verteilen. Vollständig auskühlen lassen, in Frischhaltefolie wickeln und bei Raumtemperatur lagern. Vor dem Servieren kurz aufschneiden und mit Staubzucker bestäuben.
Welches Mehl ist für den Reindling am besten?
Klassisch wird Weizenmehl Typ 550 (in Österreich auch als Universal- oder Glattmehl bezeichnet) verwendet. Es hat genug Klebereiweiß für einen elastischen Teig und ist gleichzeitig fein genug für eine zarte Krume. Type 405 wird zu weich, Type 1050 zu kräftig und verleiht dem Reindling einen leicht herben Geschmack.
Welche Form brauche ich für einen Reindling?
Traditionell wird ein Reindl verwendet, eine flache, runde Tonform mit gewölbter Oberfläche. Heute greifen die meisten Bäcker zur klassischen Gugelhupfform mit 24 bis 26 cm Durchmesser. Wichtig ist nur, dass die Form gut mit Butter ausgestrichen und mit Zucker ausgestreut wird, damit sich der Reindling beim Stürzen löst und die karamellisierte Kruste gelingt.
Was ist der Unterschied zwischen Reindling und Potica?
Beides ist im Grunde derselbe Hefeteigkuchen mit Füllung. Reindling ist die kärntnerische Bezeichnung mit Schwerpunkt auf der klassischen Rosinen-Zimt-Füllung. Potica oder Pogača ist die slowenische Variante und kennt deutlich mehr Füllungen – von Walnuss über Mohn und Honig bis hin zu Estragon. Beide Gebäcke teilen sich denselben kulturhistorischen Ursprung im Alpen-Adria-Raum.
Kann man Reindling auch ohne Rosinen backen?
Ja. Die Füllung kann komplett auf Rosinen verzichten – dann entsteht eine schlichtere Variante mit nur Zimt, Zucker und Butter. Wer Walnüsse mag, kann diese 1:1 als Ersatz für die Rosinen einsetzen und bekommt damit eine Annäherung an die festliche Nusspotize. Auch eine Mischung aus Rosinen und gehackten Mandeln ist eine beliebte Variante.