Rindsuppe

Die Rindsuppe ist die Königin der österreichischen Küche: eine kristallklare, goldgelbe Brühe aus Suppenfleisch, Markknochen und Wurzelgemüse, sanft simmernd zur perfekten Tiefe gebracht. Sie ist Sonntagsessen, Geburtstagstradition und Grundlage des berühmten Tafelspitz in einem. Mit dem Plachutta-Trick der gerösteten Zwiebel bekommt sie ihre charakteristische Farbe und ein unvergleichliches Aroma.

Zutaten für Rindsuppe

Zutaten für Portionen

ZutatMengeHinweise
Tafelspitz1 kgalternativ Schulterscherzel oder Wadschinken
Markknochen vom Rind500 gvom Metzger gesägt
Zwiebel1 Stückgroß, mit Schale halbiert
Karotten3 Stückca. 300 g
gelbe Rüben2 Stückca. 200 g, alternativ Petersilwurzel
Petersilwurzel1 Stück
Knollensellerie200 getwa ein Viertel
Lauch1 Stangenur das Weiße und Hellgrüne
Petersilie1 Bundmit Stängeln
Liebstöckel1 Zweigauch Maggikraut, optional
Lorbeerblätter2 Stück
schwarze Pfefferkörner10
Wacholderbeeren5
Pimentkörner5
kaltes Wasser4 l
Salz1 ELerst zum Schluss

Zubereitung

  1. Markknochen blanchieren: Markknochen in einen Topf geben, mit kaltem Wasser bedecken und aufkochen. Drei bis vier Minuten sprudelnd kochen lassen, bis sich der erste graue Schaum gelöst hat. Knochen abgießen und unter kaltem Wasser gründlich abspülen. Dieser Schritt sorgt später für eine kristallklare Suppe.
  2. Zwiebel rösten: Die Zwiebel ungeschält halbieren und in einer trockenen, schweren Pfanne mit den Schnittflächen nach unten bei mittlerer Hitze fünf bis sieben Minuten dunkelbraun rösten. Die Schale darf richtig schwarz werden, das gibt der Suppe später ihre goldene Farbe und das röstige Grundaroma.
  3. Wurzelgemüse putzen: Karotten, gelbe Rüben, Petersilwurzel und Sellerie schälen. Lauch längs aufschneiden und unter fließendem Wasser zwischen den Schichten gründlich waschen. Alles in grobe Stücke schneiden, etwa drei bis vier Zentimeter groß.
  4. Fleisch und Knochen aufsetzen: Das Suppenfleisch kalt abbrausen. Fleisch und blanchierte Markknochen in einen großen Topf legen und mit den vier Litern kaltem Wasser bedecken. Bei mittlerer Hitze langsam zum Köcheln bringen. Wichtig: Das Fleisch muss kalt aufgesetzt werden, sonst geben es seine Aromen nicht an die Brühe ab.
  5. Geduldig abschäumen: Sobald die Suppe zu simmern beginnt, bildet sich an der Oberfläche grauer Schaum aus Eiweiß. Diesen mit einer Schaumkelle in den ersten dreißig Minuten immer wieder abschöpfen. Dieser Schritt ist der Schlüssel zur klaren Suppe.
  6. Geröstete Zwiebel und Gewürze dazu: Sobald kein Schaum mehr aufsteigt, die geröstete Zwiebel mit Schale, Lorbeerblätter, Pfefferkörner, Wacholderbeeren und Pimentkörner zugeben. Die Hitze soweit reduzieren, dass die Suppe nur noch ganz sanft zieht. Es dürfen nur einzelne Bläschen aufsteigen, niemals wallend kochen.
  7. Sanft simmern lassen: Die Suppe nun zwei bis zweieinhalb Stunden bei kleinster Hitze ohne Deckel ziehen lassen. Hier passiert die Magie: Geschmack, Farbe und Tiefe entwickeln sich nur durch Zeit und Geduld. Den Topf nicht zudecken, damit die Suppe leicht reduziert.
  8. Wurzelgemüse zugeben: Etwa fünfundvierzig Minuten vor Garzeitende das Wurzelgemüse und den Lauch in den Topf geben. So bleiben die Aromen frisch und die Karotten zerkochen nicht zu Brei.
  9. Kräuter zum Schluss: In den letzten fünf bis zehn Minuten Petersilstängel und Liebstöckel zugeben. Frische Kräuter geben ihr volles Aroma sehr schnell ab und werden bitter, wenn sie zu lange mitkochen.
  10. Fleisch herausnehmen: Das Suppenfleisch vorsichtig aus dem Topf heben. Es soll mit einer Gabel leicht einstechbar sein, aber noch zusammenhalten. Fleisch in der heißen Brühe einer kleinen Schale warmhalten, bis es serviert wird, sonst trocknet es aus.
  11. Suppe abseihen: Die Suppe durch ein feines Sieb gießen, das mit einem sauberen Geschirrtuch oder einem Passiertuch ausgelegt ist. So fängt man auch die letzten Schwebstoffe ab und die Brühe wird glasklar.
  12. Abschmecken und entfetten: Erst jetzt mit Salz abschmecken. Wer mag, fischt mit einem Löffel oder Küchenpapier das Fett von der Oberfläche ab. Heiß servieren, mit der gewünschten Einlage und ein paar Schnittlauchröllchen bestreut.

Welches Fleisch ergibt die beste Rindsuppe?

Die Wahl des Fleischstücks entscheidet über Kraft und Charakter der Suppe. Tafelspitz ist die nobelste Wahl, gibt eine zarte Brühe und lässt sich nach dem Kochen wunderbar als eigenes Gericht servieren. Wadschinken, also die Beinscheibe mit Knochen, bringt durch Bindegewebe und Mark eine besonders kräftige Note. Brustkern ist günstiger, marmoriert und ergibt eine sehr aromatische Suppe. Wer es richtig macht, mischt zwei Stücke: ein zartes wie Tafelspitz und ein kräftiges wie Wadschunken. Wichtig sind in jedem Fall die Markknochen, ohne sie fehlt der Suppe Tiefe und Mundgefühl. Lass dir vom Metzger Knochen mitgeben, die schon angesägt sind, sonst bekommt das Mark während des Kochens nicht heraus.

Die berühmten Einlagen für die Rindsuppe

Die Rindsuppe ist eine Bühne, auf der die Einlage glänzen darf. In Österreich gibt es ein ganzes Universum an klassischen Suppeneinlagen, die jede für sich ein Erlebnis sind. Frittaten sind dünn ausgebackene Pfannkuchen, in feine Streifen geschnitten, die in der heißen Brühe gerade noch leicht aufquellen. Die schwäbische Variante davon ist unsere Flädlesuppe. Grießnockerl sind kleine Klößchen aus Hartweizengrieß, Butter, Eiern und Salz, die zwanzig Minuten in der Suppe ziehen. Leberknödel bringen kräftige Aromen, Speckknödel wie unsere Tiroler Speckknödel machen die Suppe zur Mahlzeit. Etwas weniger bekannt sind Bröselknödel, Backerbsen aus frittiertem Brandteig oder Eierschöberl, ein gebackener Eiermilch-Schnitt. Für ein leichtes Sonntagsessen reicht oft schon eine Handvoll Schnittlauchröllchen und ein paar in feine Streifen geschnittene Pfannkuchen.

Warum die Rindsuppe so lange köcheln muss

Die mindestens zweieinhalb bis drei Stunden Köchelzeit sind kein Luxus, sondern Notwendigkeit. In dieser Zeit lösen sich Kollagen aus den Knochen und Gelatine aus dem Bindegewebe, sie geben der Suppe ihren vollen Körper und das samtige Gefühl im Mund. Aromastoffe aus Fleisch und Gemüse wandern langsam ins Wasser und verbinden sich zu einem komplexen Geschmack, den man mit kurzem Kochen niemals erreicht. Wer es eilig hat, kocht eine Brühe, aber keine echte Rindsuppe. Manche traditionellen Wiener Köche lassen ihre Suppe sogar vier bis sechs Stunden ziehen, immer bei der niedrigsten möglichen Temperatur. Wallendes Kochen ist der Feind: Es trübt die Suppe, treibt den Schaum hinein und macht das Fleisch hart und faserig statt zart und saftig.

Profi-Tipps für eine kristallklare Suppe

Eine wirklich klare Rindsuppe trennt die Profis von den Hausköchen. Der wichtigste Trick steht ganz am Anfang: Knochen vor dem eigentlichen Kochen kurz blanchieren und gründlich abspülen. Das entfernt Eiweißreste, die später für Trübung sorgen würden. Niemals umrühren, das wirbelt Schaum und Schwebstoffe wieder in die Suppe. Sollte die Brühe trotz aller Sorgfalt trüb sein, hilft die alte Klärtechnik: Ein verquirltes Eiweiß in die nicht mehr ganz heiße Suppe rühren, langsam erwärmen und das gerinnende Eiklar bindet alle Trübstoffe an sich. Anschließend nur noch durch ein feines Tuch passieren. Auch das vollständige Erkalten der fertigen Suppe und nochmaliges Abseihen am nächsten Tag bringt zusätzliche Klarheit. Und der wichtigste Salz-Tipp: erst ganz am Schluss würzen, sonst verkocht es sich beim Reduzieren und die Suppe wird zu salzig.

Die Geschichte der Wiener Rindsuppe

Die Rindsuppe ist mehr als ein Gericht, sie ist gelebte Kulturgeschichte der k.u.k. Monarchie. Schon im 19. Jahrhundert war sie auf der Speisekarte des Wiener Bürgertums fester Bestandteil eines anständigen Mittagessens, dem traditionellen Wiener Drei-Gänge-Menü. Kaiser Franz Joseph I. bekam laut Hofchronisten täglich seine Rindsuppe mit Tafelspitz serviert, ein Gericht von solcher Schlichtheit und gleichzeitig solchem Anspruch, dass es sich in keiner anderen europäischen Küche so etabliert hat. Die Wirtshäuser entlang der Donau bauten ihren Ruf auf der Qualität ihrer Rindsuppe auf, und im legendären Restaurant Plachutta wird sie bis heute nach altem Rezept serviert. Der berühmte Plachutta-Trick mit der dunkel gerösteten Zwiebel mit Schale stammt aus dieser Tradition: Die Schale gibt die warme, goldgelbe Farbe, die geröstete Schnittfläche bringt karamellisierte Tiefe in die Brühe.

Was tun mit dem gekochten Suppenfleisch?

Das fertig gekochte Fleisch landet keineswegs auf dem Müll, sondern ist das eigentliche Hauptgericht. In Wien wird der Tafelspitz traditionell quer zur Faser in dünne Scheiben geschnitten und mit Apfelkren, Schnittlauchsoße und Erdäpfelschmarrn serviert. Aus den Resten lassen sich am nächsten Tag wunderbare Gerichte zaubern: Krautfleckerl mit Resten von Suppenfleisch, ein klassischer Rindfleischsalat mit Kürbiskernöl und roter Zwiebel oder das beliebte Wiener Wirtshausgericht Beinfleisch mit Kümmelkartoffeln. Auch in einer kräftigen Bolognese oder einer Lasagne hat das gekochte Rindfleisch seinen Platz. Wer es richtig mag wie in den Wiener Vorortbeisln, isst das Suppenfleisch direkt aus der heißen Brühe, dazu ein Stück frisches Brot und ein wenig grobes Salz. Die in der Suppe mitgekochten Karotten und der Sellerie kommen mit dem Fleisch auf den Teller und werden so fast zu einer Art Eintopf.

Aufbewahrung und Einfrieren

Eine richtig gekochte Rindsuppe hält sich im Kühlschrank drei bis vier Tage problemlos. Vor der Lagerung das Fett von der Oberfläche abnehmen oder vollständig erkalten lassen, sodass sich die Fettschicht oben festsetzt und einfach abgehoben werden kann. Zum Einfrieren die Suppe portionsweise in Gefrierbeutel oder verschließbare Gläser füllen. In Eiswürfelformen eingefroren entstehen perfekte Würfel zum schnellen Verfeinern von Saucen und Risotto. Tiefgefroren hält sich die Suppe sechs Monate, ohne an Aroma zu verlieren. Wer eine besonders konzentrierte Variante will, reduziert die fertige Suppe nochmals um die Hälfte und friert dieses Konzentrat ein. So entsteht eine hausgemachte Rinderbouillon, die jeder Fertigbrühe haushoch überlegen ist und sich nur durch Aufgießen mit Wasser wieder zu einer vollwertigen Suppe verwandelt. Eine geklärte und entfettete Variante ist übrigens unser Consommé, die französische Edelvariante der Rindsuppe.

Rindsuppe oder Rindfleischsuppe?

In Österreich heißt sie Rindsuppe, in Deutschland eher Rindfleischsuppe, gemeint ist im Kern dasselbe, doch die Tradition ist verschieden. Die Wiener Rindsuppe ist puristisch, klar und steht meist als Vorspeise vor dem Tafelspitz. Die deutsche Rindfleischsuppe wird häufig als kompletter Eintopf verstanden, mit Nudeln oder Reis als Einlage und reichlich gekochtem Fleisch und Gemüse direkt im Teller. Wer eine echte Wiener Rindsuppe möchte, hält sich an den österreichischen Stil mit gerösteter Zwiebel, Liebstöckel und einer feinen Einlage wie Frittaten oder Grießnockerl.


Was gehört in eine echte Rindsuppe?

In eine klassische Wiener Rindsuppe gehören Suppenfleisch vom Rind (idealerweise Tafelspitz oder Wadschinken), Markknochen für die Tiefe, geröstete Zwiebel mit Schale für Farbe und Aroma sowie ein Bund Wurzelgemüse aus Karotten, gelben Rüben, Petersilwurzel, Sellerie und Lauch. Dazu Lorbeer, Pfefferkörner, Wacholder und Liebstöckel. Mehr braucht es nicht, weniger geht aber auch nicht.

Wann kommt das Suppenfleisch ins Wasser?

Das Suppenfleisch wird immer mit kaltem Wasser aufgesetzt, niemals in heißes Wasser gegeben. Nur so können die Aromen langsam aus dem Fleisch in die Brühe wandern. Würde man es in heißes Wasser legen, schließen sich die Poren und das Fleisch behält seinen Geschmack für sich, die Suppe bleibt dünn und fad.

Wie lange muss man Rindsuppe kochen?

Eine echte Rindsuppe köchelt mindestens zwei einhalb bis drei Stunden, viele Wiener Köche lassen sie sogar vier bis sechs Stunden ziehen. Entscheidend ist die niedrige Temperatur: Die Suppe darf nur ganz sanft simmern, einzelne Bläschen sollen aufsteigen, niemals wallend kochen.

Wie wird das Rindfleisch in der Suppe besonders zart?

Das Rindfleisch wird zart, wenn die Suppe lange bei sehr niedriger Temperatur zieht. Erst durch das langsame Garen lösen sich Bindegewebe und Kollagen in Gelatine auf. Wallendes Kochen macht das Fleisch dagegen hart und faserig. Nach dem Garen das Fleisch in der heißen Brühe ruhen lassen, bis es serviert wird, sonst trocknet es an der Luft aus.

Welches Fleisch ist am besten für Rindsuppe?

Tafelspitz ist die feinste Wahl und perfekt, wenn das Fleisch anschließend als Tafelspitzgericht serviert werden soll. Wadschinken (Beinscheibe mit Knochen) gibt durch Bindegewebe und Mark eine besonders kräftige Brühe. Brustkern ist preiswerter und sehr aromatisch. Profis kombinieren oft zwei Stücke: eines für die zarte Konsistenz, eines für den Geschmack.

Wie wird die Rindsuppe wirklich klar?

Knochen vor dem Kochen kurz blanchieren und gründlich abspülen, in der ersten halben Stunde gewissenhaft abschäumen, niemals umrühren und am Ende durch ein feines Tuch passieren. Sollte die Suppe trotzdem trüb sein, hilft die klassische Klärung mit verquirltem Eiweiß: Es bindet alle Schwebstoffe an sich und kann nach kurzem Erwärmen abgesiebt werden.

Kann man Rindsuppe einfrieren?

Ja, Rindsuppe lässt sich hervorragend einfrieren. Tiefgekühlt hält sie etwa sechs Monate, ohne an Aroma zu verlieren. Praktisch sind portionsweise Gefrierbeutel oder Gläser. Wer noch konzentrierter werden will, reduziert die fertige Suppe vor dem Einfrieren um die Hälfte und gewinnt so eine echte hausgemachte Bouillon, die jeder Fertigbrühe überlegen ist.

Was ist der Unterschied zwischen Rindsuppe und Rindfleischsuppe?

In Österreich nennt man sie Rindsuppe und meint die klare, feine Vorspeisensuppe mit dezenter Einlage. In Deutschland ist Rindfleischsuppe häufig ein kompletter Eintopf mit reichlich Fleisch, Gemüse und Nudeln im Teller. Im Grundrezept sind sich beide ähnlich, die Wiener Variante ist puristischer und legt mehr Wert auf Klarheit und Farbe.

Was ist der Plachutta-Trick mit der Zwiebel?

Der berühmte Plachutta-Trick aus dem gleichnamigen Wiener Restaurant: Eine Zwiebel ungeschält halbieren und in trockener Pfanne mit der Schnittfläche nach unten dunkelbraun bis fast schwarz rösten. Die Schale gibt die intensive goldgelbe Farbe in die Suppe, die karamellisierte Schnittfläche bringt eine warme Röstnote. Diese Kombination macht den charakteristischen Plachutta-Look der klassischen Wiener Rindsuppe aus.