Tafelspitz ist das bekannteste Gericht der Wiener Küche – zartes, im aromatischen Sud langsam gegarter Rinderbraten aus der Hüfte, serviert mit würzigem Apfelkren und frischer Schnittlauchsauce. Das Geheimnis liegt in der Geduld: niedrige Hitze, langes Köcheln, nie sprudelnd kochen lassen. Wer das beherzigt, bekommt ein Fleisch, das sich mit der Gabel teilt – butterzart, saftig und mit einer goldenen Brühe, die als Vorsuppe allein schon ein Genuss ist.
Zutaten für den Tafelspitz
Für das Fleisch und den Sud
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Tafelspitz (Rindfleisch aus der Hüfte) | 1200 g | mit Fettkappe, beim Metzger vorbestellen |
| Zwiebeln | 400 g | 2 große, ungeschält halbieren |
| Karotten | 200 g | geschält, grob gestückelt |
| Lauch | 100 g | weißer Teil, halbiert und gewaschen |
| Knollensellerie | 150 g | geschält, gewürfelt |
| Petersilienwurzel | 100 g | geschält, grob gestückelt |
| Lorbeerblätter | 2 Stück | |
| Pfefferkörner (schwarz) | 5 Stück | leicht angedrückt |
| Wacholderbeeren | 3 Stück | leicht angedrückt |
| Pimentkörner | 2 Stück | |
| Salz | 1 TL | grobes Meersalz |
| Wasser | 2.5 l | kalt |
Für die Schnittlauchsauce
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Sauerrahm | 200 g | mind. 10% Fett |
| Schnittlauch | 30 g | ca. 1 Bund, fein geschnitten |
| Weißweinessig | 1 EL | |
| Salz und Pfeffer | nach Geschmack |
Für den Apfelkren
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| säuerliche Äpfel | 300 g | z. B. Granny Smith, ca. 3 Stück |
| frischer Meerrettich | 30 g | fein gerieben, ca. 2 EL |
| Zitronensaft | 1 TL | verhindert Bräunung |
| Zucker | 1 TL | |
| Salz | Prise |
Als Beilage
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| mehligkochende Kartoffeln | 800 g | als Salzkartoffeln |
Zubereitung
- Zwiebeln anrösten: Zwiebeln halbieren – die Schale bleibt dran. In einer heißen, unbeschichteten Pfanne ohne Fett mit der Schnittfläche nach unten 4 bis 5 Minuten kräftig anrösten, bis sie deutlich dunkelbraun sind. Diese Röststoffe geben der Brühe Farbe und Tiefe – ein Schritt, den viele überspringen, der aber den Unterschied zwischen einer hellen Wasserbrühe und einer goldenen, aromatischen Rindsuppe macht.
- Sud aufsetzen: 2,5 Liter Wasser in einem großen Topf (mind. 5 Liter Fassungsvermögen) zum sprudelnden Kochen bringen. Salz und die angerösteten Zwiebelhälften hineingeben.
- Fleisch einlegen: Tafelspitz kalt abspülen, mit Küchenpapier trocken tupfen. Das Fleisch in das kochende Wasser legen – nicht in kaltes. Der Hitzeschock schließt die Fleischporen sofort und hält den Fleischsaft im Innern. Jetzt die Hitze auf mittlere Stufe reduzieren. In den ersten 10 Minuten regelmäßig den entstehenden grauweißen Schaum mit einer Schaumkelle abschöpfen – das sorgt für eine klare, aromatische Brühe.
- Gemüse und Gewürze zufügen: Karotten, Sellerie und Petersilienwurzel schälen und grob würfeln. Lauch der Länge nach halbieren, gründlich waschen. Alles zusammen mit Lorbeer, Pfefferkörnern, Wacholder und Piment in den Topf geben. Jetzt die Hitze auf die niedrigste Stufe reduzieren: die Brühe soll gerade so leise simmern – kleine Blasen, die vereinzelt aufsteigen. Kein Kochen, kein Sprudeln.
- Langsam garen: Tafelspitz bei 85 bis 90 Grad Celsius 2 bis 2,5 Stunden ziehen lassen. Den Deckel leicht schräg auflegen, damit etwas Dampf entweichen kann. Das Fleisch ist fertig, wenn sich ein Zahnstocher oder eine dünne Gabel mühelos in das dickste Stück einstechen lässt. Je nach Tieralter und Fleischstück kann es auch 3 Stunden dauern – nicht hetzen, lieber etwas länger.
- Kartoffeln kochen: Etwa 30 Minuten vor Ende der Garzeit die Kartoffeln schälen, in gleich große Stücke schneiden und in gesalzenem Wasser weich kochen. Abgießen, kurz ausdampfen lassen.
- Schnittlauchsauce zubereiten: Schnittlauch fein schneiden. Sauerrahm mit Weißweinessig glatt rühren. Schnittlauch einrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mindestens 15 Minuten stehen lassen, damit sich die Aromen verbinden.
- Apfelkren zubereiten: Äpfel schälen, entkernen und auf der feinen Reibe reiben. Sofort mit Zitronensaft vermengen, damit sie nicht braun werden. Frisch geriebenen Meerrettich, Zucker und eine Prise Salz unterrühren. Wer es schärfer mag, gibt mehr Meerrettich dazu. Kühl stellen bis zum Servieren.
- Anrichten: Tafelspitz aus der Brühe heben, auf einem Brett 5 Minuten ruhen lassen. Dann gegen die Faser in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden – das ist entscheidend für die Zartheit. Mit Salzkartoffeln, Apfelkren und Schnittlauchsauce anrichten. Die aromatische Brühe als Vorsuppe servieren oder für andere Gerichte aufheben.
Welche Beilagen passen zu Tafelspitz?
Die Wahl der Beilage ist in Wien fast eine Glaubensfrage. Salzkartoffeln sind der unkomplizierteste Begleiter und immer eine gute Wahl. Wer es österreichischer mag, greift zu Rösti oder in Butter gebratenen Erdäpfelscheiben – knusprig außen, weich innen, und mit dem Kochfett der Brühe verfeinert besonders aromatisch.
Für größere Runden empfehlen sich Serviettenknödel oder Semmelknödel, die die Brühe wunderbar aufnehmen und sättigend sind. Wer Gemüse als Beilage bevorzugt, liegt mit cremigem Blattspinat mit Knoblauch und einem Schuss Obers richtig – er mildert die Schärfe des Kren und ergänzt das Rindfleisch geschmacklich sehr gut.
Bei den Saucen stehen traditionell drei Varianten auf dem Tisch: Apfelkren (fruchtig, leicht scharf), Semmelkren (cremiger, voller im Geschmack) und Schnittlauchsauce (frisch, säuerlich). In Wien werden in Gasthäusern oft alle drei gleichzeitig serviert – jeder nimmt nach Belieben. Wer zusätzlich eine heiße Sauce möchte, kann aus dem Kochsud schnell eine Senfsoße ziehen: etwas Brühe einkochen, mit Senf und einem Stich Butter binden, fertig.
In Wien wird außerdem fast immer eine Schüssel klare Rindsuppe als Vorspeise gereicht – aus dem Kochsud mit dem mitgekochten Gemüse und wer mag noch einem Markknochen. So wird aus einem Gericht eine kleine Mahlzeit.
Ein praktischer Hinweis zur Mengenplanung: Die angegebenen Zutaten ergeben 4 großzügige Portionen. Wer für mehr Personen kocht, kann die Fleischmenge problemlos auf 2 bis 2,5 kg erhöhen – die Garzeit verlängert sich dann leicht auf 3 bis 3,5 Stunden. Einen größeren Topf einplanen, da das Fleisch vollständig vom Wasser bedeckt sein muss. Die Menge an Suppengemüse kann proportional mitskaliert werden oder leicht unter dem linearen Verhältnis bleiben, da es vor allem für den Geschmack der Brühe, nicht für die Sättigung zuständig ist.
Variationen
Semmelkren: Die traditionellere Variante aus den Wiener Beisln. Zwei altbackene Semmeln (oder Weißbrötchen) in warmem Wasser einweichen, gut ausdrücken und mit frisch geriebenem Meerrettich, Sauerrahm, Salz und einer Prise Zucker verrühren. Kräftiger und cremiger als der Apfelkren, mit mehr Schärfe. Wer keinen frischen Meerrettich bekommt, kann auf gut abgetropften Meerrettich aus dem Glas zurückgreifen – das Ergebnis ist passabel.
Heiße Meerrettichsauce: Butter in einem kleinen Topf schmelzen, einen Esslöffel Mehl einrühren und kurz anschwitzen. Mit Rinderbrühe aus dem Sud aufgießen, dabei ständig rühren bis die Sauce glatt ist. Frisch geriebenen Meerrettich einrühren, mit Salz, Pfeffer und einem Spritzer Zitrone abschmecken. Diese warme Sauce ist besonders im Winter beliebt und passt auch hervorragend zu anderen gekochten Rindfleischgerichten wie dem klassischen Suppenfleisch.
Tafelspitz geschmort: Eine ganz andere Interpretation. Den Tafelspitz von allen Seiten scharf anbraten, Gemüse dazugeben und alles mit Rotwein und Brühe ablöschen. Bei 160 Grad im Ofen 2,5 Stunden zugedeckt schmoren. Das ergibt ein kräftiger gewürztes, leicht dunkleres Fleisch mit intensiverer Sauce – ähnlich dem Wiener Saftgulasch in der Grundidee, aber mit einem edleren Fleischstück. Wer zwischen den beiden Zubereitungsarten nicht wählen möchte: der klassisch gekochte Tafelspitz ist das Original, der geschmorte eine legitime winterliche Abwandlung.
Mit Markknochen: Wer die Brühe besonders reichhaltig möchte, gibt 2 bis 3 Markknochen mit in den Topf. Das Mark ergibt eine deutlich vollere, intensivere Brühe. Das weiche Mark lässt sich nach dem Garen aus den Knochen löffeln und auf geröstetem Brot servieren – ein eigenes Wiener Gericht für sich.
Im Dampfgarer: Für eine sehr schonende, moderne Zubereitungsweise. Gemüse und Fleisch in den Dampfgarbehälter geben, bei 90 Grad 90 Minuten garen. Weniger Sud entsteht dabei, dafür bleibt das Fleisch besonders saftig. Diese Methode empfiehlt sich, wenn der Herd nicht lange besetzt sein soll.
Die Geschichte des Tafelspitz
Kein Gericht ist so eng mit Wien verbunden wie der Tafelspitz. Kaiser Franz Joseph I. von Österreich soll ihn täglich auf seinem Speiseplan gehabt haben – sein Koch soll ihn angeblich an jedem seiner 68 Regierungsjahre mindestens einmal serviert bekommen haben. Das offizielle Kochbuch des Kaiserhauses aus dem Jahr 1912 beschreibt: „Seine Tafel war niemals ohne ein feines Stück gekochtes Rindfleisch, welches eines seiner Lieblingsgerichte ist.“
Hinter diesem schlichten Gericht steckt eine ausgefeilte Schlachterkultur. Wiener Metzger unterschieden allein am Hinterbein des Rindes bis zu 16 verschiedene Schnitte, für die jeder einen eigenen Namen und eine eigene empfohlene Zubereitungsart hatte. Der Tafelspitz ist davon der begehrteste: der spitz zulaufende Teil der Rinderkeule an der Stelle, wo der Schwanz ansetzt. Die Fettkappe auf einer Seite ist dabei kein Makel, sondern Merkmal von Qualität – sie schützt das Fleisch beim langen Garen vor dem Austrocknen.
Interessant: Dasselbe Fleischstück wird weltweit sehr unterschiedlich zubereitet. In Brasilien heißt es Picanha und wird über offener Flamme gegrillt – dort ein Nationalheiligtum. Im englischsprachigen Raum wird es als „topside“ oder „top round“ bezeichnet und meist als Braten im Ofen zubereitet. Nur in Österreich und teilen Süddeutschlands hat sich das langsame Kochen im aromatischen Sud als Hauptzubereitung durchgesetzt.
Das Wiener Restaurant Plachutta gilt seit seiner Gründung 1987 als bekanntester Hüter der Tafelspitz-Tradition. Ewald Plachutta und sein Sohn Mario haben das Gericht systematisch erforscht und dokumentiert: Sie bieten im Stammhaus bis zu 13 verschiedene Schnitte vom Rind an, alle nach der gleichen Methode gekocht, aber mit unterschiedlichen Geschmacksprofilen. Plachuttas Kochbuch „Die Küche Wiens“ ist bis heute die wissenschaftlichste Auseinandersetzung mit dem Thema.
Was viele nicht wissen: Tafelspitz ist kein Alltags-, sondern ein Sonntagsgericht mit langer Tradition. Die mehrstündige Garzeit war früher nicht nur eine kulinarische Entscheidung, sondern auch eine praktische – man konnte das Fleisch ansetzen, zur Sonntagsmesse gehen und es am Nachmittag genießen. Die dabei entstehende Suppe war die Vorspeise, das Fleisch der Hauptgang, der Kochfond die Grundlage für Saucen der ganzen Woche. Dieses Konzept der vollständigen Verwertung eines Tierstücks war typisch für die Wiener Küche, die großen Wert auf Wirtschaftlichkeit und Aromenentwicklung legte.
Auch außerhalb Österreichs erlebt das Gericht eine Renaissance. In gehobenen Restaurants in Berlin, München und Zürich taucht Tafelspitz zunehmend wieder auf den Karten auf – oft mit modernen Beilagen wie Topinambur-Püree oder geschmortem Fenchel, aber stets mit der gleichen Grundtechnik: langsam, leise, geduldig.
Tipps für zartes Fleisch – und was schiefgehen kann
Fleisch in kochendes Wasser – nie in kaltes: Dieser Punkt entscheidet mit über das Ergebnis. Wer den Tafelspitz in kaltem Wasser aufsetzt und langsam erhitzt, gibt Geschmack und Proteine ans Wasser ab – das Fleisch wird fader und kann zäher werden. Das kochende Wasser schließt die Poren sofort. Das bedeutet nicht, dass der gesamte Sud fad wird – das Gemüse gibt ausreichend Aroma ab.
Nie sprudelnd kochen lassen: Das ist der häufigste Fehler, den selbst erfahrene Hobbyköche machen. Starkes Kochen macht Bindegewebe nicht weicher – im Gegenteil, die Proteine ziehen sich zusammen und das Fleisch wird zäh und faserig. Außerdem trübt es die Brühe durch aufgewirbelte Proteinpartikel. Das Ziel ist ein leises Simmern bei 85 bis 90 Grad: kleine Blasen, die vereinzelt aufsteigen, kein Rollen, kein Sprudeln. Ein Küchenthermometer hilft beim Einregeln.
Schaum konsequent abschöpfen: In den ersten 10 Minuten steigt grauweißer Schaum auf. Wer ihn stehen lässt, bekommt eine trübe, leicht bittere Brühe. Mit einer Schaumkelle regelmäßig abnehmen bis kein Schaum mehr entsteht. Danach bildet sich keiner mehr nach.
Garzeit wirklich anpassen: Ein junges, mager gezüchtetes Bio-Rind braucht manchmal nur 2 Stunden. Ein älteres Tier mit mehr Bindegewebe benötigt 3 Stunden oder mehr. Der Zahnstocher-Test ist verlässlicher als jede Zeitangabe im Rezept: Geht er widerstandslos durch das dickste Stück, ist das Fleisch fertig.
Gegen die Faser schneiden: Wer den Tafelspitz parallel zu den Muskelfasern schneidet, bekommt lange Fleischfäden, die beim Kauen zusammenhalten und zäh wirken. Die Faserrichtung ist an der Schnittfläche gut sichtbar. Senkrecht dazu schneiden – dann sind die Fasern kurz, das Fleisch zergeht.
Fleisch beim Metzger vorbestellen: Tafelspitz liegt nicht immer in der Auslage. Beim Metzger vorbestellen und ausdrücklich nach dem Stück mit Fettkappe fragen. Die dünne Fettschicht auf einer Seite ist kein Abfall – sie verhindert, dass das Fleisch beim langen Kochen austrocknet. Wer bio kauft, bekommt oft aromatischeres Fleisch von Tieren mit mehr Bewegung – das lohnt sich hier wirklich.
Was trinkt man zu Tafelspitz?
Die Wiener Weinkultur empfiehlt zum Tafelspitz fast einhellig einen trockenen Weißwein. Grüner Veltliner aus dem Weinviertel oder der Wachau ist die naheliegendste Wahl – seine charakteristische Würze und frische Säure kontern die Reichhaltigkeit des Fleisches, ohne es zu überdecken. Ein guter Grüner Veltliner hat genug Körper für das kräftige Gericht, bleibt aber leicht genug, um nicht zu ermüden.
Ebenfalls hervorragend: ein Weißburgunder aus der Steiermark oder der Wachau, ein Riesling mit Restsüße oder ein lebendiger Welschriesling. Wer lieber Rotwein trinkt, greift zu einem leichten Zweigelt – der österreichische Rotwein ist fruchtig genug, um nicht mit dem Meerrettich zu streiten. Schwere Rotweine mit viel Tannin und Holzaromen passen dagegen weniger gut.
Alkoholfrei harmonieren ein perliges Mineralwasser und ein leichtes Pils gut mit dem Gericht. Die Brühe selbst – als Vorsuppe mit Schnittlauch bestreut und einer Scheibe geröstetem Brot dazu serviert – ist eine hervorragende Einstimmung auf das Hauptgericht und in vielen Wiener Gasthäusern fester Bestandteil des Tafelspitz-Menus.
Tafelspitz aufbewahren und einfrieren
Im Kühlschrank: Abgekühlten Tafelspitz mitsamt der Brühe in einem verschlossenen Behälter aufbewahren. So hält er sich 3 bis 4 Tage problemlos. Die Brühe verhindert, dass das Fleisch austrocknet. Zum Aufwärmen Fleisch und Brühe zusammen bei niedriger Hitze langsam erhitzen – nie in der Mikrowelle, die macht das Fleisch gummiartig.
Einfrieren: Tafelspitz lässt sich gut einfrieren. Am besten in Scheiben schneiden, portionsweise mit etwas Kochbrühe in Gefrierbeutel geben. Haltbarkeit: bis zu 3 Monate. Über Nacht im Kühlschrank auftauen, dann langsam in der Brühe erwärmen.
Resteverwertung: Kalt aufgeschnittener Tafelspitz ergibt einen hervorragenden Rindfleischsalat – mit Zwiebeln, Essiggurken, Kürbiskernöl und Weißweinessig. Das ist in Wien und Bayern ein eigenständiges Gericht, das in vielen Gasthäusern auf der Speisekarte steht. Wer noch etwas Brühe übrig hat, kann daraus eine klare Nudelsuppe oder ein Risotto kochen – das gibt dem Gericht eine zweite Verwendung.
Tafelspitz vorbereiten: Das Gericht lässt sich hervorragend am Vortag zubereiten. Den fertig gegarten Tafelspitz einfach in der Brühe im Kühlschrank lassen. Am nächsten Tag das erstarrte Fett von der Brühe abschöpfen – es setzt sich als weiße Schicht oben ab und lässt sich mit einem Löffel leicht entfernen. Das Fleisch dann in der Brühe langsam erwärmen, frische Saucen zubereiten und servieren. Oft schmeckt der Tafelspitz am zweiten Tag sogar aromatischer, weil das Fleisch noch mehr Zeit hatte, die Gewürze der Brühe aufzunehmen. Wer für Gäste kocht, kann diesen Schritt gut in die Planung einbauen: Am Vortag alles vorbereiten, am Serviertag nur noch aufwärmen und anrichten.
Wie wird Tafelspitz zart?
Tafelspitz wird zart durch niedrige Temperatur und ausreichend Zeit. Die Brühe soll nie kochen – nur leise simmern bei 85 bis 90 Grad. Mindestens 2, besser 2,5 Stunden. Zwei weitere Punkte sind entscheidend: Das Fleisch kommt in kochendes Wasser (nicht kaltes), damit die Poren sofort schließen und der Saft im Fleisch bleibt. Und nach dem Garen wird es quer zur Faser geschnitten, damit die Muskelfasern kurz sind. Wer eines dieser drei Dinge missachtet, riskiert zähes Fleisch.
Wie lange muss Tafelspitz kochen, bis er weich ist?
Bei leichtem Simmern (nicht kochen!) braucht ein Tafelspitz von 1 bis 1,2 kg 2 bis 2,5 Stunden. Größere Stücke oder Fleisch von älteren Tieren können 3 Stunden und mehr benötigen. Der verlässlichste Test: Mit einem Zahnstocher in das dickste Teil stechen. Geht er ohne nennenswerten Widerstand durch und fühlt sich das Fleisch weich und nachgebend an, ist es fertig. Zeitangaben sind immer Richtwerte – das Fleisch entscheidet selbst, wann es bereit ist, und das kann je nach Herkunft, Rasse und Alter des Tieres erheblich variieren.
Welches Fleisch ist das beste für Tafelspitz?
Tafelspitz ist ein klar definiertes Fleischstück: der spitz zulaufende Teil der Rinderkeule (Hüfte), am oberen Ende des Hinterbeins. Beim Kauf unbedingt auf die Fettkappe achten – die dünne Fettschicht auf einer Seite sollte erhalten sein, sie schützt das Fleisch vor dem Austrocknen. Vom Metzger kaufen und vorbestellen. Als Alternative funktioniert auch Tafeldeckel, ein direkt angrenzendes Stück mit etwas mehr Bindegewebe – günstiger und beim langen Garen ebenfalls sehr zart.
Soll man Tafelspitz vor dem Kochen anbraten?
Für den traditionellen Wiener Tafelspitz wird das Fleisch nicht angebraten – es kommt direkt in den kochenden Sud. Das Anbraten erzeugt Röstaromen, die dem Gericht einen anderen Charakter geben und eher zur geschmorten Variante passen. Wer das klare, zarte Aroma von gekochtem Rindfleisch möchte, lässt das Anbraten weg. Angebraten wird nur die Zwiebel – sie gibt der Brühe Farbe, ohne das Fleischaroma zu überlagern.
Was ist der Unterschied zwischen Tafelspitz und Tafeldeckel?
Tafelspitz ist der spitz zulaufende, feinere Teil der Rinderkeule – mageres Muskelfleisch mit gleichmäßiger Textur und einer dünnen Fettkappe. Tafeldeckel ist das direkt angrenzende, flachere Stück mit etwas mehr Bindegewebe und stärkerer Fleischmaserung. Beide eignen sich zum Kochen im Sud. Tafelspitz gilt als edler und ist teurer. Tafeldeckel ist günstiger, verzeiht kleine Fehler bei der Garzeit besser und wird bei langem Garen durch das Bindegewebe besonders saftig.
Wie bewahrt man Tafelspitz auf?
Am besten im Kühlschrank in der Kochbrühe in einem verschlossenen Behälter. So bleibt das Fleisch saftig und hält sich 3 bis 4 Tage. Zum Aufwärmen das Fleisch langsam in der Brühe bei niedriger Hitze erwärmen – auf keinen Fall in der Mikrowelle, die macht das Fleisch zäh. Wer das Fleisch kalt essen möchte, z. B. als Rindfleischsalat, kann es direkt aus dem Kühlschrank aufschneiden.
Kann man Tafelspitz einfrieren?
Ja, Tafelspitz lässt sich gut einfrieren. Am besten in Scheiben geschnitten, portionsweise mit etwas Kochbrühe in Gefrierbeutel füllen. So hält er sich bis zu 3 Monate. Über Nacht im Kühlschrank auftauen, dann langsam in der Brühe aufwärmen. Einfrieren ohne Brühe funktioniert auch, das Fleisch verliert dabei aber etwas an Saftigkeit und Aroma.
Wie schneidet man Tafelspitz richtig?
Immer quer zur Faserrichtung – also senkrecht zu den langen Muskelfasern, die an der Schnittfläche gut sichtbar sind. So werden die Fasern kurz und das Fleisch ist im Mund zart. In Faserrichtung schneiden ergibt lange Fleischfäden, die beim Kauen zäh wirken. Scheiben von ca. 1 cm Dicke sind ideal. Vor dem Schneiden das Fleisch 5 Minuten ruhen lassen, damit sich der Fleischsaft gleichmäßig verteilt.
Was passt zu Tafelspitz als Beilage?
Die klassischen Beilagen sind Salzkartoffeln, Rösti oder gebratene Erdäpfelscheiben. Für besondere Anlässe passen Serviettenknödel hervorragend – sie saugen die Brühe wunderbar auf. Als Saucen stehen Apfelkren, Semmelkren und Schnittlauchsauce zur Wahl – in Wien werden alle drei gleichzeitig auf den Tisch gestellt. Cremiger Blattspinat mit Knoblauch ist eine beliebte Gemüsebeilage. Die Kochbrühe wird traditionell als Vorsuppe gereicht.
Wie viele Kalorien hat Tafelspitz
Eine Portion Tafelspitz mit Apfelkren, Schnittlauchsauce und Salzkartoffeln hat rund 815 Kilokalorien. Davon entfallen 27,6 g auf Fett, 62,6 g auf Kohlenhydrate (davon 24,9 g Zucker aus Apfelkren und Gemüse) und 72,8 g auf Eiweiß. Wer Kalorien sparen möchte, lässt die Kartoffeln weg oder ersetzt den Sauerrahm in der Schnittlauchsauce durch fettarmen Naturjoghurt – das spart rund 120 kcal pro Portion.