
Flamiche aux Poireaux ist eine herzhafte Lauchtorte aus dem Norden Frankreichs und Belgiens – ein uraltes Rezept, das aus einfachen Zutaten etwas Außergewöhnliches macht. Auf einem luftigen Hefeteig liegt eine cremige Füllung aus zart gedünstetem Lauch, Sahne, Eiern und Gruyère. Warm aus dem Ofen ist die Flamiche eine vollwertige Hauptmahlzeit, die sich ebenso gut als elegante Vorspeise servieren lässt.
Zutaten für die Flamiche
Für den Hefeteig
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Weizenmehl Type 550 | 250 g | plus etwas zum Ausrollen |
| lauwarmes Wasser | 125 ml | ca. 38°C |
| Trockenhefe | 7 g | 1 Päckchen |
| Zucker | 1 TL | |
| Salz | 1 TL | |
| Olivenöl | 2 EL |
Für die Lauchfüllung
| Zutat | Menge | Hinweise |
|---|---|---|
| Lauch | 600 g | nur das Weiße und Hellgrüne |
| Butter | 60 g | |
| Sahne | 200 ml | mind. 30% Fett |
| Eier | 2 Stück | Größe M |
| Gruyère | 80 g | frisch gerieben |
| Salz und schwarzer Pfeffer | nach Geschmack | |
| Muskatnuss | frisch gerieben | |
| Butter | 1 EL | für die Form |
Zubereitung
- Hefeteig ansetzen: Mehl in eine Schüssel geben und in der Mitte eine Mulde formen. Trockenhefe, Zucker und das lauwarme Wasser in die Mulde geben und kurz verrühren. Salz und Olivenöl hinzufügen. Alles etwa 8 Minuten zu einem geschmeidigen, leicht klebrigen Teig verkneten – von Hand oder mit der Küchenmaschine. Den Teig mit einem Tuch abdecken und an einem warmen Ort 60 Minuten gehen lassen, bis er sich sichtbar vergrößert hat.
- Lauch dünsten: Den Lauch längs halbieren, gründlich waschen und in feine Halbringe schneiden. Die Butter in einer großen Pfanne bei mittlerer Hitze schmelzen. Den Lauch hinzugeben, mit einer Prise Salz bestreuen und unter gelegentlichem Rühren 20 Minuten weich und glasig dünsten – er soll nicht bräunen. Vom Herd nehmen und vollständig abkühlen lassen.
- Füllung zubereiten: Sahne und Eier in einer Schüssel verquirlen. Gruyère untermischen. Den abgekühlten Lauch dazugeben und alles gut verrühren. Mit Salz, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und einer kräftigen Prise frisch geriebener Muskatnuss würzen.
- Backofen vorheizen: Den Backofen auf 200°C Ober-/Unterhitze (180°C Umluft) vorheizen. Eine runde Backform (26 cm Durchmesser) oder eine rechteckige Auflaufform (ca. 20×30 cm) großzügig mit Butter einfetten.
- Teig ausrollen und einlegen: Den gegangenen Hefeteig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche rund ausrollen – etwas größer als die Form, damit der Rand hochgezogen werden kann. Den Teig in die Form legen, am Rand ca. 3 cm hochdrücken und den überstehenden Rand nach innen einschlagen, sodass ein kleiner Wulst entsteht. Dieser hält die Füllung fest.
- Füllung aufbringen und backen: Die Lauchfüllung gleichmäßig auf dem Teigboden verteilen. Im vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene 30–35 Minuten backen, bis der Teigrand goldbraun und die Füllung gestockt und leicht gebräunt ist. Eine Stäbchenprobe in der Mitte der Füllung zeigt an, wann sie fest genug ist.
- Ruhen lassen und servieren: Die Flamiche aus dem Ofen nehmen und 5–10 Minuten in der Form ruhen lassen – sie lässt sich dann sauberer schneiden. Warm oder bei Zimmertemperatur servieren, dazu passt ein einfacher grüner Salat.
Variationen der Flamiche
Die Flamiche gibt es in mehreren regionalen Ausführungen, die sich teils erheblich voneinander unterscheiden.
Flamiche au Maroilles: In der Picardie und im Département Nord wird statt Lauch der berühmte Maroilles-Käse als Hauptzutat verwendet. Der Maroilles ist ein kräftiger Rotschmierekäse mit intensivem Aroma – nichts für zarte Gaumen, aber ein Genuß für Kenner herzhafter Käsegerichte.
Flamiche dinantaise: Die Variante aus Dinant in Belgien ist besonders interessant: Hier wird kein Mürbeteig oder Hefeteig verwendet, sondern ein süßes Brioche-artiges Gebäck. Die Flamiche dinantaise ist ein Schaufensterstück in Dinant und hat die Form des berühmten Citadelle. Sie wird bei Festen und Märkten gereicht und ist eher ein Snack als eine Hauptmahlzeit.
Mit Blätterteig: Wer die schnelle Variante bevorzugt, kann fertigen Blätterteig verwenden oder ihn nach unserem Grundrezept selbst machen. Der Boden wird dann knuspriger und buttrig – ein schöner Kontrast zur cremigen Füllung. Das Ergebnis ist weniger rustikal als mit Hefeteig, aber ebenso lecker.
Vegetarische Variante mit Ziegenkäse: Statt Gruyère lässt sich gut ein milder Ziegenkäse einarbeiten – er gibt der Füllung eine leicht säuerliche Note, die gut zum Lauch passt. Wer es noch würziger mag, verwendet Comté oder Emmentaler.
Mit Speck: Gewürfelter, geräucherter Speck in der Füllung ist eine im Norden Frankreichs verbreitete Ergänzung. Die Speckwürfel vorher kurz auslassen, abtropfen lassen und erst dann mit dem Lauch mischen.
Die Geschichte der Flamiche
Die Flamiche gehört zu den ältesten schriftlich belegten Rezepten Nordfrankreichs. Der Name leitet sich vermutlich vom wallonischen Wort flamiche oder flamike ab, das wiederum auf das altfranzösische flame (Flamme) zurückgeht – ein Hinweis auf die ursprüngliche Zubereitung im offenen Feuer oder im Steinofen.
Erste Erwähnungen stammen aus dem Mittelalter, als die Flamiche in Picardie und dem heutigen Belgien als einfaches Brot mit Käsebelag gegessen wurde. Die heutige Version mit der cremigen Lauchfüllung auf Hefeteig ist eine Weiterentwicklung, die sich im 19. Jahrhundert verbreitete, als Sahne und Eier als Füllungsbasis Standard wurden.
Besonders in Dinant, der Stadt am Fluss Meuse in Belgien, hat die Flamiche eine eigene Identität entwickelt. Die Stadt, bekannt als Geburtsort von Adolphe Sax (dem Erfinder des Saxophons), macht die Flamiche zur kulinarischen Visitenkarte: Jede Bäckerei hat ihr eigenes Rezept, und beim Jahrmarkt wird die Spezialität in großen Mengen gebacken.
Im Norden Frankreichs, besonders in Amiens und Lille, ist die herzhafte Lauchvariante die bekannteste Form. Sie ist auf jedem Wochenmarkt zu finden und gilt als Komfortessen der Region – deftig, warm und sättigend.
Tipps für die perfekte Flamiche
Lauch vollständig abkühlen lassen: Heißer Lauch lässt die Eier in der Füllung beim Mischen gerinnen. Immer auf Raumtemperatur abkühlen lassen, bevor die Eier und Sahne dazukommen.
Teigrand gut hochziehen: Ein ordentlicher Rand verhindert, dass die cremige Füllung beim Backen über den Rand läuft. Den eingeschlagenen Wulst dabei leicht andrücken.
Nicht zu heiß backen: Bei zu hoher Temperatur stockt die Füllung zu schnell und reißt auf. 200°C Ober-/Unterhitze ist ideal – die Füllung soll langsam fest werden und eine goldene Farbe bekommen.
Gruyère frisch reiben: Fertig geriebener Käse aus der Tüte enthält oft Trennmittel, die das Schmelzverhalten verschlechtern. Ein frisch geriebener Gruyère sorgt für eine bessere Bindung der Füllung.
Vorbereitung möglich: Die Lauchfüllung lässt sich einen Tag vorher zubereiten und zugedeckt im Kühlschrank aufbewahren. Kurz vor dem Backen nur noch auf den ausgerollten Teig geben.
Was ist eine Flamiche?
Flamiche ist eine herzhafte Pastete oder Torte aus dem Norden Frankreichs und Belgiens. Die bekannteste Variante ist die Flamiche aux Poireaux – eine Lauchtorte auf Hefeteig mit einer Füllung aus gedünstetem Lauch, Sahne, Eiern und Gruyère. Es gibt auch Varianten mit Maroilles-Käse (aus der Picardie) und eine süßliche Brioche-Version aus Dinant in Belgien.
Was ist der Unterschied zwischen Flamiche und Flammkuchen?
Trotz der klanglich ähnlichen Namen sind Flamiche und Flammkuchen zwei verschiedene Gerichte. Der Flammkuchen (Tarte flambée) stammt aus dem Elsass und hat einen hauchdünnen, knusprigen Brotteig mit Crème fraîche, Zwiebeln und Speck. Die Flamiche dagegen kommt aus dem Norden Frankreichs und Belgiens, hat einen dickeren Hefeteig und eine cremige Lauch- oder Käsefüllung mit Eiern.
Kann ich Flamiche einfrieren?
Ja, Flamiche lässt sich gut einfrieren. Die abgekühlte Torte in Portionen schneiden, fest in Folie wickeln und für bis zu 2 Monate einfrieren. Zum Auftauen die Stücke über Nacht im Kühlschrank auftauen lassen und dann im Backofen bei 160°C etwa 10–15 Minuten aufwärmen.
Wie lange hält sich Flamiche im Kühlschrank?
Gut abgedeckt hält sich die Flamiche im Kühlschrank 2–3 Tage. Da die Füllung Eier und Sahne enthält, sollte sie nicht länger ungekühlt stehen. Zum Aufwärmen eignet sich der Backofen bei 160°C für etwa 10 Minuten besser als die Mikrowelle, da der Teig so knusprig bleibt. Wer Lauch liebt, findet auch unsere Kartoffel-Lauch-Suppe interessant.
Welcher Wein passt zur Flamiche?
Zur Flamiche aux Poireaux passt ein trockener Weißwein aus dem Norden Frankreichs oder Belgien gut – zum Beispiel ein Chablis oder ein junger Bourgogne Blanc. Wer es leichter mag, greift zu einem elsässischen Pinot Blanc oder einem deutschen Grauburgunder. Auch ein helles Bier aus Belgien ist eine authentische Begleitung, die sehr gut zur regionalen Küche passt.
Kann ich die Flamiche mit einem anderen Käse als Gruyère machen?
Ja, der Gruyère lässt sich gut ersetzen. Gut geeignet sind Comté (ähnliches Aroma, etwas milder), Emmentaler (milder, gute Schmelzeigenschaften) oder Raclette-Käse (cremig, mild). Für eine würzigere Variante kann ein Maroilles-Käse verwendet werden, wie es in der Picardie üblich ist – er ist intensiver im Geschmack und gibt der Flamiche eine ganz eigene Note.
Kann man Flamiche einen Tag vorher vorbereiten?
Die Füllung lässt sich problemlos einen Tag vorher zubereiten und abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren. Auch den Teig kann man vorbereiten: Den Hefeteig nach dem ersten Gehen zugedeckt im Kühlschrank lagern, wo er über Nacht langsam weiter reift. Am nächsten Tag nur noch ausrollen, befüllen und backen. Die fertig gebackene Flamiche schmeckt frisch am besten, lässt sich aber auch aufgewärmt gut servieren.