Obazda ist eine würzige bayerische Käsezubereitung und gehört zur Brotzeit wie die Breze zum Weißbier. Der cremige Aufstrich aus reifem Camembert, Butter und Paprika entstand ursprünglich als clevere Resteverwertung für überreifen Weichkäse und ist heute aus Biergärten und vom Oktoberfest nicht mehr wegzudenken.

Zutaten für Obazda

Zutaten für Portionen

ZutatMengeHinweise
Camembert200 greif, mit Rinde
Frischkäse100 gDoppelrahmstufe
Butter80 gzimmerwarm
kleine Zwiebel1 Stückfein gewürfelt
Paprikapulver edelsüß2 TL
Paprikapulver rosenscharf1 TLoptional
Kümmel1 TLganz oder gemahlen
Weißbier2 ELoptional
Salz und Pfeffer
Schnittlauchzum Garnieren

Zubereitung

  1. Zutaten temperieren: Camembert, Frischkäse und Butter mindestens eine Stunde vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen. Bei Zimmertemperatur lassen sich die Zutaten viel leichter verarbeiten.
  2. Käse zerdrücken: Den Camembert mitsamt Rinde in eine Schüssel geben und mit einer Gabel fein zerdrücken. Je reifer der Käse, desto würziger wird der Obazda.
  3. Zutaten vermengen: Frischkäse und weiche Butter zum zerdrückten Camembert geben. Alles gründlich mit der Gabel oder einem Handrührgerät zu einer cremigen Masse verrühren.
  4. Würzen: Paprikapulver, Kümmel, fein gewürfelte Zwiebel, Salz und Pfeffer untermischen. Wer mag, gibt noch einen Schuss Weißbier für extra Cremigkeit dazu.
  5. Abschmecken und servieren: Den Obazda nochmals abschmecken und bei Bedarf nachwürzen. In eine Schüssel füllen, mit frischem Schnittlauch bestreuen und mit Brezeln, Roggenbrot, Radieschen oder Rettich servieren.

Die Geschichte des Obazda

Der Obazda entstand in den 1920er Jahren im Weihenstephaner Bräustüberl in Freising. Wirtin Katharina Eisenreich stand vor einem alltäglichen Problem: Ein Camembert war überreif geworden und zu streng im Aroma, um ihn noch als Käse zu servieren. Statt ihn wegzuwerfen, bat sie ihren Koch, den Käse mit Butter, Zwiebeln, Paprika und einem Schuss hauseigenem Weißbier zu vermengen. Die Gäste waren begeistert.

Da Weihenstephan – Sitz der ältesten Brauerei der Welt – auch Ziel vieler Touristen war, trugen diese den Namen Obazda bald in die ganze Welt. Das Wort stammt vom bayerischen „obatzn“, was so viel wie zerdrücken oder vermengen bedeutet. Seit 2015 ist die Bezeichnung „Obazda“ bzw. „Obatzter“ EU-weit als geschützte geographische Angabe eingetragen. Nur wenn die Verarbeitung vollständig in Bayern erfolgt, darf der Aufstrich diesen Namen tragen.

Variationen

Das Grundrezept lässt viel Spielraum für Abwandlungen. Für eine kräftigere Variante kann ein Teil des Camemberts durch Limburger oder Romadur ersetzt werden. Wer es milder mag, erhöht den Frischkäse-Anteil oder gibt etwas Quark dazu. In Altbayern gehört ein Schuss Weißbier traditionell dazu, während in Franken manchmal sogar Weißwein verwendet wird. Dort heißt der Aufstrich übrigens „Gerupfter“ oder „Angemachter“.

Tipps zur Aufbewahrung

Obazda ohne Zwiebeln hält sich im Kühlschrank 2-3 Tage. Die Zwiebeln sollten erst kurz vor dem Servieren untergemischt werden, da sie sonst einen bitteren Geschmack entwickeln können. Alternativ können Zwiebelringe auch separat zum Obazda gereicht werden.


Was bedeutet der Name Obazda?

Der Name stammt vom bayerischen Dialektwort „obatzn“, das zerdrücken, vermengen oder vermischen bedeutet. Obazda heißt also wörtlich übersetzt „Angebatzter“ oder „Vermischter“ und beschreibt damit die Zubereitungsart des Käseaufstrichs.

Muss die Rinde vom Camembert entfernt werden?

Nein, die Rinde wird traditionell mitverarbeitet. Sie sorgt für zusätzlichen Geschmack und die typische Textur des Obazda. Nur wenn die Rinde sehr hart oder bitter schmeckt, kann sie entfernt werden.

Warum wird mein Obazda nicht cremig genug?

Meist liegt es daran, dass die Zutaten zu kalt waren. Camembert, Butter und Frischkäse sollten mindestens eine Stunde bei Zimmertemperatur stehen, bevor sie verarbeitet werden. Ein Schuss Weißbier oder etwas mehr Frischkäse kann ebenfalls helfen.

Wie reif sollte der Camembert sein?

Je reifer der Camembert, desto würziger wird der Obazda. Ein Camembert kurz vor oder leicht nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum ist ideal – er sollte innen cremig und aromatisch sein. Zu junger Käse schmeckt fade.

Kann ich statt Camembert auch anderen Käse verwenden?

Ja, traditionell können auch Brie, Romadur oder Limburger verwendet werden. Laut EU-Verordnung muss echter Obazda mindestens 40% Camembert oder Brie enthalten. Limburger oder Romadur machen den Aufstrich kräftiger.

Gehört Bier in den Obazda?

Das ist Geschmackssache und regional unterschiedlich. In Altbayern wird traditionell ein Schuss Weißbier zugegeben, der den Obazda cremiger macht und eine leichte Würze verleiht. Das Bier ist aber optional – auch ohne schmeckt er hervorragend.

Warum ist Obazda eine geschützte Bezeichnung?

Seit 2015 ist Obazda als geschützte geographische Angabe (g.g.A.) in der EU eingetragen. Das bedeutet, dass die Verarbeitung vollständig in Bayern erfolgen muss, um den Namen tragen zu dürfen. Wird der Aufstrich außerhalb Bayerns hergestellt, muss er anders bezeichnet werden.

Wie lange ist Obazda haltbar?

Ohne Zwiebeln hält sich Obazda im Kühlschrank 2-3 Tage. Die Zwiebeln sollten erst kurz vor dem Servieren untergemischt werden, da sie mit der Zeit bitter werden können. Am besten schmeckt er jedoch frisch zubereitet.

Was passt am besten zu Obazda?

Traditionell werden frische Brezeln, Roggenbrot oder Bauernbrot dazu gereicht. Klassische Beilagen sind außerdem Radieschen, in Spiralen geschnittener Rettich (Radi) und rote Zwiebelringe. Dazu passt ein kühles Weißbier oder eine Maß Helles.