Der Stinger ist ein zweiteiliger Cocktail aus Brandy und weißer Crème de Menthe – gerührt, nicht geschüttelt. Sein Geschmack ist warm und zugleich erfrischend minzig, fast wie ein flüssiges After Eight. Als offizieller IBA-Cocktail der Kategorie „The Unforgettables“ hat er Jahrzehnte überstanden und zählt zu den elegantesten Digestifs der Bargeschichte.

Zutaten für den Stinger Cocktail

Zutaten für Portion

ZutatMengeHinweise
Brandy oder Cognac5 clz. B. Hennessy VS oder Remy Martin VSOP
Crème de Menthe weiß2 clkein grüner – weiß bleibt klar
Eiswürfelzum Rühren im Rührglas
Minzblattzur Garnitur, optional

Zubereitung

  1. Glas vorkühlen: Cocktailglas oder Coupette in den Tiefkühler stellen oder mit Eiswasser füllen, während der Drink vorbereitet wird. Ein kaltes Glas ist für den Stinger keine Kür, sondern Pflicht – er wird ohne Eis serviert und erwärmt sich sonst sofort.
  2. Rührglas bestücken: Rührglas mit 4–5 Eiswürfeln füllen. Brandy und weiße Crème de Menthe dazugeben.
  3. Rühren bis das Glas beschlägt: Mit einem Barlöffel ca. 30 Sekunden gleichmäßig rühren – nicht kreisen, sondern heben und senken. Das Glas soll außen beschlagen: das ist das Zeichen, dass der Drink ausreichend kalt ist.
  4. Abseihen und servieren: Das vorgekühlte Glas leeren, den Drink durch ein Barsieb hineingießen. Mit einem Minzblatt garnieren und sofort servieren.

Variationen des Stinger

Der Stinger lässt sich mit anderen Spirituosen neu interpretieren, ohne seinen charakteristischen Minz-Spirit zu verlieren.

Vodka Stinger (White Spider): Vodka ersetzt den Brandy – das Ergebnis ist klarer, leichter und schärfer. Wer den Minzlikör in den Vordergrund stellen will, greift zur Vodka-Version.

Mexican Stinger: Tequila statt Brandy verleiht dem Cocktail eine agavige Note, die gut mit weißer Crème de Menthe harmoniert. Am besten mit einem Blanco Tequila, da der Holzton eines Reposado die Minze überdeckt.

White Way Cocktail: Gin statt Brandy – diese Variante feiert den New Yorker Broadway und war Anfang des 20. Jahrhunderts ein eigener Cocktail. Mit einem London Dry Gin ergibt sich ein botanisch vielschichtiger Drink.

Stinger on the Rocks: Einfach auf Crushed Ice serviert statt straight up. Das ist die modernere, leichter zugängliche Form – weniger konzentriert, dafür länger zu trinken.

Amaretto Stinger: Amaretto ersetzt den Brandy. Das Ergebnis ist süßer und mandeliger, aber die Minze bleibt der Gegenpol.

Die Geschichte des Stinger

Der Stinger ist einer der ältesten noch aktiv servierten Cocktails überhaupt. Seine Ursprünge lassen sich bis etwa 1890 in New York City zurückverfolgen, wo er als Digestif in den Clubs und Salons der Oberschicht gereicht wurde. Kein anderer Cocktail dieser Ära trägt so deutlich den Stempel der High Society: Er war teuer, weil Cognac teuer war, und er schmeckte nach dem Essen gut, weil Pfefferminze die Verdauung anregt.

Eine bekannte Legende schreibt den Cocktail dem Millionär Reginald Vanderbilt zu, der ihn angeblich stundenlang für seine Gäste gemixt haben soll. Belegt ist das nicht – aber es passt zum Charakter des Drinks.

Besonders interessant: Während der Prohibition (1920–1933) blieb der Stinger populär, weil weiße Crème de Menthe den Eigengeschmack von qualitativ schlechtem Schwarzmarkt-Brandy zuverlässig überdecken konnte. Aus einer Society-Spezialität wurde ein praktischer Überlebenstrick.

Heute ist der Stinger ein offizieller IBA-Cocktail der Kategorie „The Unforgettables“ – jenen Drinks, die die internationale Barszene als unverzichtbar einstuft. Auch James Bond hat ihn getrunken: In Ian Flemings Roman Diamantenfieber (1956) bestellt Bond gemeinsam mit Tiffany Case einen Stinger. Cary Grant bestellte ihn in zwei verschiedenen Filmen, und in der Fernsehserie Mad Men taucht er ebenfalls auf.

Profi-Tipps für den perfekten Stinger

Immer weiße Crème de Menthe verwenden: Grüne Crème de Menthe schmeckt nicht anders, färbt den Drink aber grünlich ein. Beim Stinger ist das Auge mit im Glas – die klare, bernsteinfarbene Farbe gehört zum Erscheinungsbild.

Brandy-Qualität macht den Unterschied: Der Stinger hat nur zwei Zutaten – da ist die Qualität des Brandys sofort spürbar. Ein VS-Cognac (z. B. Hennessy oder Courvoisier) funktioniert gut; wer es runder will, greift zu einem VSOP. Günstiger spanischer Brandy bringt mehr Süße und eine dunklere Frucht.

Rühren, nicht shaken: Das ist kein optionaler Hinweis. Shaken macht den Drink trüb und wässrig. Der Stinger lebt von seiner Klarheit und Textur – nur Rühren erzeugt die seidige Konsistenz, die ihn ausmacht.

Eiswürfel statt Crushed Ice im Rührglas: Große, klare Eiswürfel kühlen effizienter und wässern den Drink weniger. Das Barsieb verhindert, dass Eissplitter in das Glas gelangen.

Interne Links

Wer die Minznote liebt, findet in unserem Mojito Rezept einen weiteren frischen Minz-Cocktail. Für Brandy-Fans lohnt sich auch ein Blick auf den Sidecar – ebenfalls Cognac-basiert, aber mit Zitrus. Wer Crème de Menthe selbst herstellen möchte, findet in unserem Pfefferminzsirup einen guten Einstieg.


Wie schmeckt ein Stinger Cocktail?

Der Stinger schmeckt warm und zugleich erfrischend: Die fruchtige Wärme des Brandys trifft auf die kühle Minzschärfe der Crème de Menthe. Das Ergebnis erinnern viele an ein flüssiges After Eight – rund, minzig, leicht süßlich, mit langem Nachklang. Als Digestif getrunken ist er besonders angenehm nach einem schweren Essen.

In was für einem Glas wird ein Stinger Cocktail serviert?

Traditionell wird der Stinger in einem gekühlten Cocktailglas (Martiniglas) oder einer Coupette serviert – straight up, also ohne Eis im Glas. Wer den Drink lieber langsamer trinkt, serviert ihn über Crushed Ice in einem Tumbler oder Rocks-Glas. Das Glas sollte immer vorgekühlt sein, da der Stinger sonst schnell warm wird.

Wo stammt der Stinger Cocktail her?

Der Stinger stammt aus New York City und entstand um 1890 als Digestif der Oberschicht. Er galt als reiner Society-Drink, der nur in den besseren Clubs und Salons serviert wurde. Als offizieller IBA-Cocktail der Kategorie The Unforgettables gehört er heute zum Kanon der internationalen Barkultur.

Wann wurde der Stinger Cocktail erfunden?

Die genaue Entstehung lässt sich nicht auf ein Jahr festlegen. Erste Hinweise auf vergleichbare Brandy-Minz-Kombinationen finden sich bereits 1892 im Buch The Fancy Drinks von William Schmidt. Populär wurde der Stinger in New York um 1890–1900, und während der Prohibition in den 1920er Jahren erlebte er einen erneuten Aufschwung.

Wer hat den Stinger Cocktail erfunden?

Es gibt keinen dokumentierten Erfinder. Eine urbane Legende schreibt den Cocktail dem amerikanischen Millionär Reginald Vanderbilt zu, der ihn angeblich leidenschaftlich für seine Gäste zubereitet haben soll. Belegt ist das nicht – der Stinger gehört zu den Cocktails, die kollektiv entstanden sind und deren Ursprung im Dunkeln liegt.

Was ist der Unterschied zwischen weißer und grüner Crème de Menthe?

Geschmacklich sind weiße und grüne Crème de Menthe nahezu identisch – beide sind aus Pfefferminze destilliert und gleich süß. Der einzige Unterschied ist die Farbe: Weiße Crème de Menthe ist klar, grüne wird künstlich gefärbt. Für den Stinger wird ausschließlich die weiße Version verwendet, damit der Drink seine klare, bernsteinfarbene Farbe behält.

Kann man den Stinger auch shaken statt rühren?

Technisch ja, empfohlen wird es nicht. Shaken macht den Stinger trüb, da winzige Eissplitter in den Drink gelangen. Das Ergebnis ist außerdem wässriger und weniger kompakt im Geschmack. Der Stinger gehört zur Kategorie der spirit-forward Cocktails, die immer gerührt werden – genauso wie Manhattan, Negroni oder Martini.